Norbert Hasselberg hat es wieder getan: Der Gommeraner hat seinen Titel bei den Deutschen Meisterschaften im Werferfünfkampf verteidigt. Mit Sportredakteur Björn Richter sprach der 56-Jährige, der für den Schönebecker SC an den Start geht, über die Titelkämpfe im hessischen Baunatal, Zusammenhalt unter Konkurrenten und Nervosität beim Wettkampf.

Volksstimme: Herr Hasselberg, nach Ihren beiden Meistertiteln in Zella-Mehlis im vergangenen Jahr und nun in Baunatal - hat sich inzwischen ein Baufachhandel mit Sponsoringabsicht an Sie gewandt?

Norbert Hasselberg: Nein, wieso?

Ihre Methode, bei der Sie auf einem Feld außerhalb Gommerns mit Hilfe mitgebrachter Spanplatten ihren eigenen Wurfring zimmern, hat es immerhin zu einiger Berühmtheit gebracht ...

Und wissen Sie was? Neulich hat mich eine Frau gefragt, die mich oft auf dem Fahrrad sieht, wenn ich zum Training herausfahre: `Herr Hasselberg, eins müssen Sie mir verraten. Wohin fahren Sie eigentlich immer zum Tapezieren?` (lacht) Ganz ernsthaft: Beim Schönebecker SC finde ich hervorragende Trainingsbedingungen vor. Nur wenn es sich zeitlich nicht einrichten lässt, dorthin zu fahren, packe ich meine Geräte ein, schultere die Spanplatten und dann geht es raus.

Tauschen Sie sich bei Wettkämpfen wie zuletzt in Baunatal auch mit Ihren Kontrahenten über Trainingsmethoden aus?

Ja, natürlich. Unserer `Szene` ist eine ziemlich verschworene Gemeinschaft. Diese Meisterschaften sind zuallererst ein Wiedersehen. So oft läuft man sich nicht über den Weg. Die erste Frage ist daher immer, wie es dem anderen geht. Wenn der Wettkampf gelaufen ist, gibt es ein gemeinsames Foto.

Das Erinnerungsfoto zeigt Sie wie im Vorjahr mit der Goldmedaille. Haben Sie sich vorab Chancen auf die Titelverteidigung ausgerechnet?

Nachdem ich bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften im Sommer in Erfurt drei Bronzemedaillen geholt habe, wusste ich etwa vier Wochen vor dem Werferfünfkampf, dass die Titelverteidigung nicht bloß Wunschdenken, sondern ein realistisches Ziel war. Die Konkurrenz in der Altersklasse M 55 hat sich in diesem Jahr auch noch nicht verändert. Allerdings hat mir mein Körper in diesem Jahr etwas zu Schaffen gemacht.

Das heißt, Sie sind gehandicapt gestartet?

Anfang des Jahres hat mich eine Schulterverletzung zu einer langen Pause gezwungen. Zwei Wochen vor Baunatal habe ich mir zudem eine Achillessehnenreizung zugezogen. Das hat sich vor allem beim Diskuswurf und Kugelstoßen bemerkbar gemacht.

Inwiefern?

Mit der Kugel, der zweiten der fünf Disziplinen, habe ich etwa einen Meter weniger gestoßen als erwartet. Damit fehlten mir 70 Punkte. Das sind Welten im Fünfkampf. Ich wusste, das meine Form gestimmt hat, also konnte es nur an der Achillessehne liegen.

Trotzdem haben Sie die Konkurrenz noch überflügelt. Wie haben Sie das angestellt?

Wir unterscheiden uns da nicht von den Zehnkämpfern. Da wird hin und her gerechnet. Vor der abschließenden Disziplin - dem Gewichtswurf, hatte ich 90 Punkte Rückstand, wusste aber, dass ich sehr gut darin bin. Es lief dann auch fantastisch. Ich habe einen neuen Landesrekord aufgestellt und den Rückstand aufgeholt.

Klingt ganz so, als würden Sie vor allem von Ihrer Ausgeglichenheit profitieren. Sind Sie ein Allrounder?

Im Gegenzug hat man ganz klar gesehen, dass ich beim Speer- und Diskuswurf nicht mit den anderen Startern mithalten konnte. Aber man kennt die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Teilnehmers und weiß, wo man gegebenenfalls noch etwas herausholen kann.

Studieren Sie Ihre Gegner?

Absolut. Abends wird sich nach Wettkämpfen häufig an den Computer gesetzt und geschaut, wie der andere geworfen hat. Wir sind in dieser Hinsicht wie kleine Kinder. (lacht)

Sie haben bekannt, dass Ihnen auch die Nerven manchmal einen Streich spielen ...

Die Nervosität spielt immer eine Rolle. Dass man beim Einwerfen größere Weiten erreicht als im Wettkampf, ist ganz normal. Man steht noch nicht so unter Druck, legt aber bereits viel Power in die Würfe und versucht, technisch sauber zu bleiben. Ich habe zum Beispiel auch häufig den Drang, schlechte Würfe mit aller Kraft auszuführen. Das ist aber Quatsch. Wer sauber wirft, kommt auch weiter.

Das klingt, als hätten Sie noch Ziele, die Sie verwirklichen wollen. Was nehmen Sie sich noch vor?

Der Fünfkampf im nächsten Jahr gehört definitiv dazu. Um wieder Chancen auf eine Medaille zu haben, muss ich jedoch meine Schwerpunkte im Training anders legen - insbesondere, was das Kugelstoßen und den Diskuswurf anbelangt. Sicher ist das Jammern auf hohem Niveau und ich bin immer noch gut, aber der Trend hat 2014 eindeutig nach unten gezeigt. Zudem habe ich mit Blick auf allgemeine Fitness Nachholbedarf.