Bismark/Burg (bjr) l Der Österreicher Peter Handke hat der Angst des Tormanns beim Elfmeter im Jahr 1970 eine vielbeachtete Erzählung gewidmet, der Düsseldorfer Wim Wenders reichte zwei Jahre später den passenden Film nach. Bei allem Respekt vor den Keepern dieser Welt: Denkt eigentlich auch jemand an den Schützen? Bastian Benkel vom Burger BC 08 wäre am Sonnabend sicher für ein wenig Anteilnahme dankbar gewesen. So aber jagte er im Landesliga-Auswärtsspiel beim TuS Schwarz-Weiß Bismark nach 73 Minuten den Ball an den Querbalken. Eine gute Viertelstunde später war klar: Hätte Benkel auch seinen zweiten Strafstoß des Tages verwandelt, der BBC 08 wäre mit drei Zählern aus der Altmark zurückgereist. So aber ließ der Spitzenreiter am 11. Spieltag erstmals Punkte liegen und musste sich mit einem 2:2 (1:0)-Remis begnügen.

Die Burger Alleinschuld beim Innenverteidiger zu suchen, verbot sich jedoch. Immerhin hatte Benkel in der 55. Minute - ebenfalls vom Elfmeterpunkt - die Gästeführung zum 2:0 ausgebaut. Zuvor hatte Tom Saager nach Vorarbeit von Alexander Siemke das erste Tor des Tages erzielt und eigentlich schien alles nach Plan zu verlaufen. Doch in gewohnten Burger Bahnen verlief an diesem Sonnabend wenig.

So unterliefen dem Favoriten beispielsweise ungewohnt viele technische Fehler und Ballverluste. Entsprechend viel Anlaufzeit brauchte es, ehe die Gäste zu ersten Chancen kamen. Benkel per Kopf nach einer halben Stunde und der angeschlagene Martin Krüger per Aufsetzer (35.) scheiterten, bevor Saager traf. Von den Platzherren war bis dato wenig zu sehen, meist operierte der TuS mit langen Bällen.

Aus einem solchen entwickelte sich nach rund einer Stunde auch der Bismarker Anschlusstreffer. Im Luftduell mit Christoph Grabau setzte Benkel nach Ansicht von Schiedsrichter Stefan Nowak den Ellenbogen regelwidrig ein - Elfmeter. Torjäger Carlo Rämke trat an und traf zum 1:2-Anschluss (62.). Gut zehn Minuten später deutete Nowak ein drittes Mal auf den Punkt, diesmal im Strafraum der Gastgeber, nach einem Handspiel von Tobias Klose. Benkel trat an und traf - aber eben nicht zum 3:1, sondern das Aluminium.

Die packende Schlussphase hatte so auch ein akustisches Startsignal erhalten. Wie per Gongschlag war der Schlagabtausch zwischen beiden Teams eröffnet. Zum ersten "Punch" setzte zunächst Burg an. Wurde Patrick Bartsch erst noch zurückgepfiffen, weil Nowak eine Vorteilssituation nicht laufen ließ (80.), standen dem Burger Flügelspieler fünf Minuten später alle Türen offen, als er aus Nahdistanz zum Abschluss kam. Bartsch entschied sich jedoch für die Variante "künstlerisch wertvoll" und vergab die Riesenchance. Sehr zum Ärger seines Trainers Thomas Sauer, dem diese Szene neben einigen anderen Bauchweh bereitete: "Wir haben ein paar Mal zu inkonsequent gespielt und Einiges vor dem Tor liegen gelassen."

Das aus BBC-Sicht bittere Finale stand noch aus und ließ sich bis zur 92. Minute Zeit. Ein letzter aussichtsreicher TuS-Freistoß wurde von der Mauer abgefälscht und landete zum ersten Burger Punktverlust im Tor. Für Sauer kein Beinbruch: "Es waren zwei Standardsituationen, die zu den Gegentoren geführt haben. Aus dem Spiel heraus haben wir nichts zugelassen, können also nicht alles falsch gemacht haben."

Burger BC 08: S. Krüger - Behr (59. B. Schäfer), Schock, Benkel, Müller, Siemke, M. Krüger (55. Bartsch), Schulz, Saager, Kolzenburg, Peseke (79. Fischer)

Tore: 0:1 Tom Saager (45.), 0:2 Bastian Benkel (55. FE), 1:2, 2:2 Carlo Rämke (62., FE, 90.+2); SR: Stefan Nowak (Hornhausen), Benedict Ohrdorf, Ramona Becker; ZS: 101