Während der Güsener HC durch den 34:27 (17:14)-Heimsieg im Achtelfinale des Handball-Landespokals Lust auf einen Nachschlag bekommen hat, dürfte dem SV Eiche Biederitz am Sonnabend der Appetit auf das Ligaduell in zwei Wochen ein wenig vergangen sein. Im Derby des HVSA-Pokals hatte der Gastgeber am Ende die größeren Kraftreserven.

Güsen l Bevor es auch für Eric Klewe auf die Siegerstraße ging, musste Güsens Halbrechter erst einmal tief in die Welt des Schmerzes abtauchen. Gleich bei zwei Angriffen in Folge während der ersten Viertelstunde wurde der Vertreter vom verletzten Christian Haßbargen unsanft "abgeräumt". Klewe, dem am Ende des Abends fünf Treffer gelangen, hätte als perfekte Symbolfigur für die Nehmerfähigkeiten des GHC dienen können. An die Biederitzer gerichtet: "Seht her. Ganz gleich, wie oft ihr uns zu Fall bringt, wir stehen gestärkt wieder auf."

Das Problem war dabei nur, dass dem SV Eiche 05 zunächst die handballerischen Mittel und später die nötige Kraft fehlten, um den Gastgeber im Derby zu stürzen. Die Möglichkeiten waren da, wie der Blick auf die erste Halbzeit zeigt.

Wie erwartet, begannen beide Teams nervös. Der GHC stellte den "verlorenen Güsener Sohn" Steffen Bretschneider (siehe Interview) als Willkommensgeschenk zunächst unter konsequente mannbezogene Bewachung und bereitete dem SV Eiche damit sichtlich Probleme. Im eigenen Angriff war die Streuung noch zu groß, so dass in den ersten 30 Minuten 14 Fehlwürfe beim Gastgeber zu verzeichnen waren. Erst langsam setzte sich die Sieben um Spielercoach Andy Mache mit 3:2 (6.), 6:4 (10.) und 9:6 (15.) ab.

Biederitz ließ sich bis zur Halbzeitsirene jedoch nicht abschütteln und blieb vor allem dank Bretschneider im Spiel. Ob von der Siebenmeterlinie oder aus dem Positionsangriff heraus - an alter Wirkungsstätte bewies der Allrounder allzeit ein ruhiges Händchen und nahezu als einziger Biederitzer Ruhe und Übersicht. 15 Fehlwürfe und acht technische Fehler sowie Ballverluste zeigten bereits in Durchgang eins, wo es bei den Gästen am Sonnabend hakte. Ein Torgarant wie der verletzte Robert Gottschalk oder die Übersicht vom gehemmt agierenden Sören Große hätte den Gästen gut zu Gesicht gestanden, wurden aber im Derby umso schmerzlicher vermisst.

Erst recht, als sich im zweiten Abschnitt der breitere GHC-Kader bemerkbar machte. Während die Gastgeber munter durchwechselten ohne dass es zu einem erkennbaren Bruch im Spiel kam, lief der SV Eiche zunehmen auf der Felge. Weiterhin erhielt Bretschneider in der Offensive wenig Entlastung und auch der Biederitzer Torhüterwechsel von Max Wetzel zu Andreas Wichmann brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Güsener drückten dagegen weiter unbeirrt aufs Tempo, kamen vor allem über die erste und zweite Welle zum vorentscheidenden 28:20 (48.) und brachten den Vorsprung sicher ins Ziel.

Auf einen entsprechenden Synergieeffekt auf die Punktspiele in der Verbandsliga hoffte daher nach dem Abpfiff auch Coach Mache: "Der Teamgeist war wieder einmal unsere stärkste Waffe. Super, wie alle zusammen gekämpft haben. Zudem hat uns das Spiel auch die Möglichkeit gegeben, ein paar Sachen auszuprobieren. Das ist nicht verkehrt, solange wir auf ein, zwei Leistungsträger verzichten müssen. Pokal hin oder her - es war ein Erfolg, den wir gern mitnehmen."

Güsen: Bretschneider, Teske - K. Haßbargen (7), Schirrmeister (1), Schulz (6), E. Klewe (5), Prause, Seydack, Lepper (1), R. Klewe (6), Kampe (6), Gerlach (1), Mache

Biederitz: Wetzel, Wichmann - Sonntag (2), Enke, Wolff, Peters (1), Schnetter (2), Große (1), Bretschneider (15), Freistedt (1), Steinweg (1), Wiedon (3), Wilken, Werkmeister

Siebenmeter: GHC 4/3 - SVE 5/3; Zeitstrafen: GHC 0 - SVE 3