Das Heimspiel gegen den Spitzenreiter mag den erwarteten Ausgang genommen und der SV Eintracht Gommern dem HSV Magdeburg mit 32:37 (16:20) unterlegen gewesen sein, dennoch hat die Partie der Sachsen-Anhalt-Liga gezeigt: Ohne Respekt, dafür mit einem Quäntchen mehr Glück und Entschlossenheit liegen selbst im Handball-Oberhaus des Landes zwischen "Oben" und "Unten" keine Welten.

Gommern l Michael Jahns hat diese Ansprache an seine Kollegen sicher auch schon einmal in der Bundesliga an die Kollegen gerichtet. Ob nun beim SC Magdeburg, dem TV Großwallstadt oder Eintracht Hildesheim - die Worte werden sich nicht großartig von jenen unterschieden haben, die er am Sonnabend auf dem Gommeraner Parkett an seine Teamkollegen vom HSV richtete: "Wir reißen uns jetzt gefälligst zusammen!"

Ausgesprochen wurde der Appell während einer Auszeit in der 56. Minute. Der zuvor so sichere 33:23-Vorsprung (50.) war auf ein 36:31 zusammengeschrumpft. Und wollte sich der Handballsportverein nicht bis auf die Knochen blamieren, er hätte besser auf die Worte ihres 2,03 Meter großen Leitwolfs gehört. Er hörte.

Der SV Eintracht schrammte am Ende um fünf Treffer an einer großen Überraschung vorbei - was Trainer Dirk Heinrichs einerseits ärgerte, andererseits jedoch aufgrund der gezeigten Leistung nicht zu Tode betrübte: "Vielleicht hat uns aufgrund der klaren Ausgangslage die Lockerheit gefehlt. Taktisch ist unser Konzept ganz gut aufgegangen, aber vorn hat mir ein wenig der Spielfluss gefehlt und wir waren nicht effektiv genug."

Die Vorzeichen waren nicht nur aufgrund der Tabellensituation - der Siebte empfing den Achten - ungünstig. Neben Jens Schmidt (Urlaub) musste auch kurzfristig Sven Herrmann (Margen-Darm-Grippe) passen und die Gommeraner standen am Vorabend des Spiels ohne etatmäßigen Kreisspieler da. Doch weil Philipp Eckhardt die Lücke gut schloss und auch defensiv einen klasse Job verrichtete, belief sich der Rückstand in der ersten Halbzeit maximal auf fünf Treffer (2:3, 8:12, 10:15). Zudem sorgte die konsequente 4-2-Deckung dafür, dass sich die Magdeburger Rückraum-Schützen Jahns und Mario Seifert nicht wie gewohnt entfalten konnten. Mit dem 16:20 zur Pause "war ich nicht unzufrieden. Die Jungs sollten nur vorn besser in die Lücken stoßen und nicht ängstlich sein. In einigen Momemten dachte ich tatsächlich: Ja, wir sind in unserer Fahrrinne drin", so Heinrichs.

Dass in dieser doch noch einige Eisbrocken lagen, die nicht zu umschiffen waren, lag in erster Linie am eigenen Wurfpech. Defensiv zahlte sich zwar auch der Torhüterwechsel auf Robin Salm aus, doch vorn ließ die Eintracht im Positionsangriff zu viel liegen, warf HSV-Schlussmann Matthias Wiesner speziell von den Außenpositionen regelrecht berühmt. Spannend wurde es erst, als die Schiedsrichter Näther/Mischinger (HC Burgenland) Magdeburger Abwehrversuche durch den Kreis konsequenter per Siebenmeter ahndeten und Robert Kaese ein ruhiges Händchen bewies. Doch die Aufholjagd kam letztlich zu spät.

SV Eintracht Gommern: Hartung, Salm - Koch, D. Einwiller (1), Schröder, Hennig, Schäde (5), Böttcher (2), Kaffenberger (1), Kaese (14), Bomke (1), Lindner (3), Eckhardt (5)

HSV Magdeburg: Wiesner - Lötterle (6), C. Schulz (2), Krüger, Brunsendorf (2), A. Jahns, Krug, M. Jahns (12), Seifert (3), M. Schulz, Leo, Demirtas (6), Poek (6), Kaiser

Siebenmeter: SVE 11/10 - HSV 2/2; Zeitstrafen: SVE 2 - HSV 2