Im Jahr eins nach dem Abstieg aus der Regionalliga blickt der DJK TTV Biederitz auf eine gelungene Hinrunde in der Tischtennis-Oberliga, Staffel Mitte, zurück. Das neuformierte Team fand auf Anhieb zueinander und sieht sich mit Platz drei zum Jahreswechsel "mehr als im Soll".

Biederitz l Klaidas Baranauskas hat kürzlich nicht einfach nur an der Tür geklopft. Bei den Bezirkseinzelmeisterschaften der Senioren Ende November hat sie die Biederitzer Nachwuchshoffnung kurzerhand eingetreten. Auf dem Weg zum letztlich erklommenen Thron ließ der Jugendspieler manch gestandenen Akteur aus der Verbandsliga und darüber hinaus hinter sich. Mit Marcus Schmidt, der Platz sieben belegte, reihte sich selbst der eigene Teamkapitän ein. Es verwundert wenig, dass beide in naher Zukunft auch regelmäßig gemeinsam an den Oberliga-Tischen stehen dürften: "Spielerisch hat Klaidas den Sprung geschafft. Wenn er auch im Kopf weiterhin reift, ist er ohne Frage eine feste Größe bei uns", adelt Schmidt den Youngster.

Dreimal hat der 16-Jährige in der laufenden Saison in der ersten DJK-Mannschaft ausgeholfen. Mit einer 3:3-Einzelbilanz im unteren Paarkreuz womöglich sogar ein bisschen mehr als das. Zugleich liefert das "Nesthäkchen" im Kader auch einen Fingerzeig: Statt schnellen Erfolg zu suchen, beschreitet man an der Ehle einen langfristigen Weg, bei dem junge, hungrige Talente an der Seite erfahrener Spitzenspieler stehen. Und wenn dieser auch kleine Erfolg abwirft - umso besser.

So liegen die Biederitzer mit Rang drei zum Hinrundenende in den Worten Schmidts "mehr als im Soll". Ausgegebene Saisonziele waren der Klassenerhalt sowie eine Position unter den Top-Fünf der Liga. Im Nachhinein hätte es zum Jahreswechsel sogar noch höher hinaus gehen können, wären da nicht zwei Punktverluste gewesen, über die sich der Teamkapitän auch nachträglich noch ärgert: "Die Auftaktniederlage in Zeulenroda und das Unentschieden gegen Post Mühlhausen III waren Punkte, die wir liegen gelassen haben."

Personellen Umbruch gut gemeistert

Ansonsten lassen sich die zurückliegenden dreieinhalb Monate jedoch als Hinrunde der freudigen Überraschungen verbuchen. So ist es etwa auf Anhieb gelungen, ein homogenes Team zu formen - nach dem Weggang von Spitzenspieler Jacek Wandachowicz und der Integration der Neuzugänge Michél Görner und Mathias Dietrich alles, aber nicht unverzüglich erwartbar. Sieht man von wenigen unglücklichen Niederlagen Dietrichs ab, erwies sich das "Berliner Trio" mit Eric Osbar in den bisherigen neun Saisonspielen jedoch als eine absolute Konstante.

Die andere heißt Zbigniew Kacmarek. Die personifizierte Zuverlässigkeit im Kader gibt mit 17:1-Einzelbilanz nicht nur oberligaweit den Ton an, sondern fungiert mit seiner stoischen Ruhe auch als Gegenpol, wie Schmidt verrät: "Er fügt sich mit seiner Art perfekt ein. Wir übrigen Spieler stellen ja doch eher die Chaos-Fraktion dar."

Die Rädchen im DJK-Getriebe greifen also gut ineinander. Dennoch prognostiziert Schmidt, dass ein Konkurrent dem Team wohl auch am Saisonende um einiges voraus sein wird: "Wernigerode ist von allen Mannschaften die konstanteste, dahinter sehe ich uns und Hettstedt auf Augenhöhe." Dazu sei jedoch erwähnt, dass der MSV anders als die Biederitzer in der Hinrunde des Öfteren mit dem Glück im Bunde waren: Beim 9:3-Erfolg in Mühlhausen fehlte das obere Post-Paarkreuz, auch Schott Jena II trat beim Hettstedter 9:3 nicht in Bestbesetzung an.

Die Besetzungssorgen der anderen

Die personelle Konstanz hat sich derweil zur Trumpfkarte entwickelt. Anders als in der Vorsaison, als vor allem durch die häufige Abwesenheit von Diego Rodriguez Egocheaga unfreiwillig oft rotiert werden musste, kann das Team meist auf seinen Stamm-Sechser zurückgreifen. In einigen Kilometern Entfernung, beim Derbygegner Medizin Magdeburg, liegen die Dinge derweil gänzlich anders. Aufgrund der Kaderqualität vorab zum Titelkandidaten erklärt, finden sich die Landeshauptstädter gegenwärtig im Tabellenniemandsland wieder. Nur selten traten sie in Bestbesetzung an, vor allem zu Beginn der Saison drückten die Mediziner internationale Verpflichtungen und Visa-Schwierigkeiten ihrer ausländischen Spieler. "Das macht Magdeburg zur Wundertüte. Zwar wird das gewiss nicht im Abstieg gipfeln, aber ich kann mir vorstellen, dass man im Verein `not amused` darüber ist, wie die Hinrunde bislang verlief."

Die Probleme der anderen tangieren den DJK TTV jedoch weniger. Entsprechend der gelungenen Halbserie stehen keine Extra-Schichten an. Erst nach den Weihnachtstagen geht es wieder in die Vollen, steht doch bereits am Sonnabend, 10. Januar, das erste Rückrundenspiel in eigener Halle gegen den SV Dresden-Mitte auf dem Program.