Magdeburg/Güsen (bjr) l Unmotiviertes Nippen am Glühwein, ein Gesprächsfaden, der ständig reißt, und über allem liegt die bleierne Schwere der Enttäuschung: Glücklicherweise haben sich die Landesklasse-Fußballer des SV Germania Güsen am diese Form der Abend-"Unterhaltung" am Sonnabend erspart. Stattdessen war die Stimmung auf der vereinseigenen Weihnachtsfeier mehr als nur gelöst. Hinter den Spielern lag schließlich ein fulminantes Jahresfinale, in dem sie am Nachmittag den TuS Magdeburg-Neustadt auf dessen Platz mit 7:4 (1:2) abfertigten.

Hartmut Kober hat in seinem Trainerleben bereits unzählige Kabinengeister erlebt. Dieser aber ist der unverkennbarste und er zeigte sich am Sonnabend im Magdeburger Norden ein weiteres Mal vor dem Anpfiff: "Trotz der Umstellungen konnte man ein gutes Gefühl haben. Alle im Team waren in der Kabine gewillt, einen Sieg einzufahren."

Auf dem Platz kehrte jedoch erst einmal Ernüchterung ein. Erst fälschte Abwehrchef Toni Lamprecht einen Neustädter Schussversuch entscheidend zum 0:1 ab (7.), dann kombinierte sich der TuS zum zweiten Treffer durch, dass den leidgeprüften, aber erneut zahlreichen Gästefans Hören und Sehen verging - 0:2 aus Güsener Sicht (23.). Umso wichtiger war das Signal, das Christian Vormeister noch vor der Pause aussendete. Sein Anschlusstreffer zum 1:2 (41.) war eine klare Botschaft: "Wir lassen uns nicht beeindrucken."

Stattdessen rieben sich fünf Minuten nach dem Seitenwechsel die Magdeburger ihre Augen. Erneut Vormeister hatte für den Ausgleich gesorgt und damit eine denkwürdige zweite Hälfte eingeläutet. Nur zwei Minuten später deutete Schiedsrichter Robert Stähr (Salzwedel) auf der Gegenseite auf den Elfmeterpunkt. Paul Niemann trat an und verwandelte zur erneuten TuS-Führung. Erneut Vormeister lieferte jedoch mit zehn Minuten Verzögerung die passende Antwort - 3:3 (62.). Die fulminante SVG-Show erreichte einen vorläufigen Höhepunkt, als der 17-jährige Fritz Golz für die erste Gästeführung des Tages sorgte (66.). Anschließend trat Tobias Pohl auf den Plan und besorgte mit drei Toren im Zehn-Minuten-Takt (72., 82., 90.+2) den Kantersieg, der so nicht zu erwarten war. Nur Magdeburgs Michel Dolke erwies sich zwischenzeitlich als Spielverderber und machte mit dem 4:6 (89.) aus dem lupenreinen "nur" einen einfachen Pohl-Hattrick.

Unter dem Strich blieb jedoch eine Vorstellung des SV Germania, die ohne Weiteres neben dem "Double" aus Kreismeisterschaft und Pokalsieg zu den Highlights des Kalenderjahrs zählt. Kober: "Ich habe immer gesagt, dass wir guten Fußball spielen können. Jetzt haben wir es wieder gezeigt und nehmen natürlich reichlich Selbstvertrauen mit in die Winterpause."

TuS Magdeburg-Neustadt: Ganz - Müller, Kirschner, Scholz, Meyer (70. D. Jahnel), Niemann, Schulz (73. F. Jahnel), Busse, Dolke, Isensee, Hohmann

SV Germania Güsen: Meier - T. Lamprecht (46. Henning), Schüßler, Linnecke, Buchheim, Huth (82. Richter), Schenk, Pohl, F. Golz (71. M. Golz), C. Kopp, Vormeister

Tore: 1:0 Christoph Hohmann (7.), 2:0 Robert Isensee (23.), 2:1, 2:2 Christian Vormeister (41., 50.), 3:2 Paul Niemann (52., FE), 3:3 Christian Vormeister (62.), 3:4 Fritz Golz (66.), 3:5, 3:6 Tobias Pohl (72., 82.), 4:6 Michel Dolke (89.), 4:7 Tobias Pohl (90.+2); SR: Robert Stähr (Bismark), Marcel Baron, Tobias Petzke; ZS: 78