Parey l Es war für Stefan Golz eine simple Frage des Prinzips: "Zu Weihnachten wird nicht gemeckert." Dazu hatte der Trainer des SV 90 Parey am Sonnabend allerdings auch herzlich wenig Anlass. Im letzten Spiel des Jahres fuhr der Aufsteiger zur 2. Handball-Nordliga seinen ersten Heimsieg der Saison ein. Beim 35:20 (15:10)-Erfolg über Schlusslicht Diesdorfer SV überwog beim SV 90 daher die Erleichterung über ein lang herbeigesehntes Erfolgserlebnis.

Schon die Vorzeichen sprachen klar für die Gastgeber. Anders als zu Saisonbeginn, "als wir mit riesigen Verletzungssorgen zu kämpfen hatten", präsentierte sich der Kader am Sonnabend mit 13 Spielern breit aufgestellt. Die Gäste reisten dagegen mit achtköpfiger Not-Besetzung an. Trainer Sigurd Lüchow musste selbst die Schuhe schnüren, um wenigstens über eine Wechselalternative zu verfügen. Anfangs hielt der DSV dann auch Schritt. Über das Pareyer 2:1 (5.) und 5:5 (10.) lagen beide Teams zunächst gleichauf. Weil sich die Westaltmärker jedoch in der Folge wenige Chancen erspielten und - wenn überhaupt - schlechte Würfe nahmen, zogen die 90er vermehrt über erste und zweite Welle davon (9:5; 14.). Auch im Positionsangriff zeigten sich Hausherren gut aufgelegt und variabel. Ob Marcus Wippel vom Kreis zum 13:8 (20.) oder Steffen Hanesch bei drohendem Zeitspiel aus dem Rückraum zum 14:9 (27.) - die Offensivleistung passte und das Fünf-Tore-Polster zur Halbzeitpause ließ hoffen.

Allerdings geriet der gute Lauf mit Wiederbeginn ins Stocken. Erst sorgte ein Wechselfehler für die einzige Pareyer Zeitstrafe im Spiel (33.), dann brannten Sebastian Hanesch die Sicherungen durch: Beim Zug zum Tor wurde der Halbrechte des SV 90 von seinem Gegenspieler am Hals gepackt. Haneschs Beschwerde fiel derart heftig aus, dass die Quittung in Form einer Roten Karte mit Bericht folgte (35.).

Allerdings blieb das Wurfpech den Gästen auch in dieser Phase treu. Hinzu kam, dass sich Patrick Bathe im Tor der Gastgeber steigerte und wichtige Paraden zeigte. Im Angriff setzten die 90er vermehrt auf Fabian Steindorf. In der ersten Halbzeit noch mit Pausen bedacht, kam der Rückraum-Kran, der erst kürzlich vom Güsener HC zum Team stieß, nun merklich auf Betriebstemperatur. Trotz mannbezogener Deckung besorgte der Hüne auf Halblinks einen Treffer nach dem anderen. Da auch die Außen um Thomas Hempel und Andreas Lindner von Regisseur Steffen Hanesch klasse in Szene gesetzt wurden, fuhren die Gastgeber über die Stationen 24:17 (45.) 28:18 (52.) und 31:18 (55.) in der Schlussphase den Kantersieg mit 15 Toren Differenz ein.

Was dieser neben den bisherigen beiden Saisonsiegen (26:24 bei TuS Neustadt II und 27:24 bei der SG Seehausen II) wert ist, wird sich in der Rückrunde zeigen. "Diese wird gewiss nicht leichter. Aber wir gehen sie ohne Angst an und hoffen, dass der Bann nun gebrochen ist. Der Klassenerhalt ist machbar", lobte Trainer Golz aus. Bei der anschließenden Weihnachtsfeier dürfte es jedenfalls sehr harmonisch zugegangen sein. Aber zum Fest der Feste wird ja in Parey ohnehin nicht gemeckert.

SV 90 Parey: Bathe - Prause (1), Steindorf (9), Wegener, Scheidt (1), St. Hanesch (5), Se. Hanesch (3), Wippel (1), Hempel (9/3), Liebig (2), Lindner (2), Springer, Gerst (2)

Diesdorfer SV: Rode - Nieber (7), J. Gromeier (3), Cassan (1), Vierke (2), Meyer, T. Gromeier (7/1), Lüchow

Siebenmeter: SV 90 4/3 - DSV 1/1; Zeitstrafen: SV 90 1 - DSV 5; Rot: Sebastian Hanesch (33.; Unsportlichkeit) -Parey