Der Güsener HC hat zu Beginn der Rückrunde in der Handball-Verbands-liga exakt dort angesetzt, wo er im letzten Hinrundenspiel gegen Ilsenburg (42:27) aufgehört hatte: Mit 43:26 (18:14) fegte er am Sonnabend bemitleidenswerte Gäste vom BSV 93 Magdeburg II aus der Elbe-Havel-Sporthalle.

Güsen l Seine Teamkollegen haben darauf bestanden, also musste Kevin Lepper irgendwie durch diese Situation hindurch: Als nach 46 Minuten beim Stand von 32:20 nicht mehr viel schief gehen konnte, leistete sich der GHC-Linksaußen einen Fehlversuch. Und was taten die Mitspieler? Sie räumten beim nächsten Angriff kurzerhand wieder in Überzahl nach links ab, zwangen Lepper förmlich zum Wurf und diesmal traf der Versuch ins Schwarze. Das erste Verbandsliga-Tor vom "Nesthäkchen" wirkte offenbar befreiend. Bis zum Abpfiff steuerte der 17-Jährige einen weiteren Treffer bei und fügte sich damit nahtlos ein: Am Sonnabend blieb kein GHC-Feldspieler ohne Torerfolg. "Es war eine zu 100 Prozent geschlossene Mannschaftsleistung", stellte Spielercoach Andy Mache fest.

Natürlich blieb auch ihm nicht verborgen, dass sein Team vom Unglück der Gäste profitierte. Ohnehin nicht mit der dicksten aller Personaldecken angereist, verletzte sich mit Tobias Wesemann der einzige Keeper der BSV-Reserve in der ersten Halbzeit ohne gegnerische Einwirkung am Sprunggelenk. Nachdem für ihn mit Michél Jaenicke ein Feldspieler ins Tor rückte, war dies zunächst kein Güsener Vorteil. Der sichere 13:8-Vorsprung (15.) schmolz bis zur Pause auf vier Tore zusammen. "Wir haben ab der 20. Minute geschludert. Das hing auch mit dem Durchwechseln zusammen, aber wir haben es in der zweiten Hälfte wieder gerade gebogen", fasste Mache zusammen.

Tatsächlich wuchs der Vorsprung mit Wiederbeginn meist in Drei-Tore-Schritten wieder an. Als das Polster beim 27:17 nach einem von Christian Haßbargen verwandelten Siebenmeter erstmals zehn Treffer betrug (41.), war der Güsener Torhunger ähnlich wie in der Vorwoche gegen Ilsenburg vollends geweckt. Auch die offensive Deckung des BSV II, der konsequent mit einer 3-2-1- und 3-3-Variante operierte, war nun weniger Hindernis als Einladung. Durch Übergänge und Sperren hebelte der GHC die Magdeburger Abwehr, die sich durch Zeitstrafen zusätzlich schwächte, oft entscheidend aus.

Ebenso groß wie über 43 erzielte Tore war die Freude bei den Gastgebern aber auch über die Leistung der eigenen Deckung: "Gegen Ilsenburg standen wir in der Abwehr noch ein bisschen besser. Aber angesichts von 26 Gegentoren wollen wir nicht klagen. Es war eine gute Abwehrleistung", schätzte der Spielercoach ein. Allen voran Eric Klewe, der im konsequenten Angriff-Abwehrwechsel mit Christian Haßbargen spielte, hielt den Defensivverbund klasse zusammen.

Der Schlüssel zum Erfolg war laut Mache daher auch in den größeren Kraftreserven zu finden: "Es war wichtig, dass wir in der zweiten Halbzeit mit Vollgas gestartet sind."

Güsener HC: Bretschneider, Teske - K. Haßbargen (6/2), Schirrmeister (2), Schulz (6), E. Klewe (1), Prause (2), Lepper (2), C. Haßbargen (10/5), R. Klewe (6), Kampe (4), Heitzmann (2), Mache (2)

BSV 93 Magdeburg II: Wesemann - Lärm (2), Bulgrin (5), Kirsten (4), Seidler (3/3), Menzel (1), Jander (7/1), Jaenecke, Roewer (1), Thielecke (3)

Siebenmeter: GHC 7/7 - BSV II 5/4; Zeitstrafen: GHC 3 - BSV II 4