Wie unterschiedlich die Vorzeichen standen, wurde eigentlich erst im Nachgang richtig deutlich: Durch die 1:3 (1:1)-Niederlage gegen den Ligaprimus aus Burg ist der SV Union Heyrothsberge auf den letzten Tabellenplatz der Fußball-Landesliga Nord abgerutscht. Ein Klassenunterschied war in einem kampfbetonten "JL"-Duell jedoch lange Zeit alles andere als augenscheinlich.

Heyrothsberge l Mit aufgesetzter Vereinsbrille mochte man Daniel Stridde einen halbwegs schweren Fall von Fahnenflucht vorwerfen. Rund 28 Derbyminuten waren absolviert, als Schiedsrichterassistent Mathias Drewes auf die Eckfahne deutete. Doch nachdem der Heyrothsberger Stürmer eine eigene Abseitsstellung zugegeben hatte, setzte Referee Benjamin Petri (Irxleben) die Partie mit einem BBC-Freistoß fort. Aus Sicht des neutralen Beobachters war Stridde also ein wohltuender Beweis, dass Punkte und Prestige immer noch von Anstand und Fair Play umzäunt sind.

Die Episode erschien umso bemerkenswerter angesichts der Tatsache, dass die Unioner in dieser Phase das schier Unerhörte wagten: "Wir haben Burg zumindest einen sichtbaren Schock versetzt", bemerkte Gastgebercoach Torsten Völckel. "Unser Spielfluss war bis zur Pause erst einmal unterbrochen", bekannte auch BBC-Trainer Thomas Sauer.

Gingen die ersten 20 Minuten noch klar an die Gäste, die durch einen Nachschuss von Kevin Schulz verdient in Führung gingen (14.), stellte SVU-Kapitän Stefan Groth mit dem 1:1-Ausgleich die Kräfteverhältnisse komplett in Frage. Nach Freistoß und Kopfballverlängerung von Christopher Schumburg musste Groth am langen Pfosten lediglich einnicken. Fortan legten die Unioner jeglichen Respekt ab, befreiten sich mehr und mehr auch spielerisch aus der Umklammerung des Spitzenreiters und vor allem "haben wir die Zweikämpfe angenommen", lobte Völckel.

Kampf war allerdings nicht nur mit Blick auf den Derby-Charakter Trumpf. Das nasskalte Wetter der zurückliegenden Tage hatte dem Platz an der Königsborner Straße offensichtlich weniger gut getan. Schnell zogen sich regelrechte Furchen durch das aufgeweichte Geläuf, reihenweise versprangen Bälle - nicht die optimalsten Voraussetzungen für zwei Teams, die im bisherigen Verlauf ihr Heil vorwiegend im Kombinationsspiel gesucht und mit mal mehr, mal weniger Erfolg gefunden hatten. Eine weitere Spielverlegung konnten und wollten sich die Heyrothsberger jedoch auch nicht aufbürden.

Zwei Minuten nach Wiederbeginn folgte der Aufreger schlechthin, der sich als spielentscheidende Szene erwies: Burgs Hannes Schock erkämpfte sich an der Grundlinie den Ball, passte in die Mitte auf Patrick Bartsch, der vor seinem Schussversuch zu Fall kam - Elfmeter. Aus Sicht der Gastgeber ein Geschenk: "Aus meiner Sicht fädelt der Spieler ein. Wenn so eine harmlose Szene einen Strafstoß nach sich zieht, gibt es im Spiel Dutzende Elfmeter". Die Gegenseite sah die Sachlage wie auch etliche Freistoßentscheidungen in Tornähe verständlicherweise etwas anders: "Der Kontakt am Fuß ist da." Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte zur Burger 2:1-Führung. Fünf Minuten vor dem Ende köpfte Bastian Benkel alleingelassen die Entscheidung herbei - 3:1.

Unter dem Strich blieb ein hart erkämpfter Erfolg des Spitzenreiters und Unioner, die trotz des gleichzeitigen 2:0 des SV Förderstedt gegen Aschersleben und der damit verbundenen Übernahme der Roten Laterne neue Hoffnung schöpfen: "Die Spiele gegen Halberstadt II und Burg haben gezeigt, dass wir dagegenhalten können. Wir werden uns nicht gekränkt in die Ecke verkriechen", versprach der SVU-Trainer.

Tore: 0:1 Kevin Schulz (14.), 1:1 Stefan Groth (20.), 1:2 Patrick Bartsch (47., FE), 1:3 Bastian Benkel (84.); SR: Benjamin Petri (Irxleben), Heinz Schwarzlose, Mathias Drewes; ZS: 176