Der Steinhaus-Kreispokal wandert in diesem Jahr in einen neuen Trophäenschrank. Mit den Landesklasse-Fußballern des SV Germania Güsen verabschiedete sich am Sonnabend der aktuelle Titelverteidiger. Beim Kreisoberligisten SV Union Heyrothsberge II setzte es vor 85 Zuschauern eine 1:4 (0:0)-Niederlage.

Heyrothsberge l Am Ende redete bei den Güsenern niemand mehr über das eigene starke Comeback. Keiner kritisierte die gütige Mithilfe bei den ersten beiden Gegentreffern. Und eigentlich hätte SVG-Trainer Hartmut Kober am liebsten überhaupt nichts mehr zum Ausscheiden seiner Elf aus dem Kreispokalwettbewerb gesagt, erklärte die Viertelfinalpartie vom Sonnabend dann aber doch zu einer "Frage der Fairness". Diese beantwortete der gastgebende Kreisoberligist zumindest nach Ansicht der Gäste nicht nach den gängigen Schicklichkeitsregeln.

Woran sich der nominelle Favorit rieb, wurde beim Blick auf den Spielberichtsbogen deutlich: Angesichts einiger Verstärkungen aus dem am Wochenende spielfreien Landesliga-Kader der Unioner witterten die Gäste Wettbewerbsverzerrung. "Wir wären belächelt worden, wenn wir die Möglichkeiten, die wir über Jahre hinweg im Verein aufgebaut haben, nicht nutzen. Sieht man sich außerdem die Start- aufstellung an, ist Christian Krümling der einzige Spieler aus dem Landesliga-Aufgebot. Alle übrigen sind für die Kreis- oberliga gemeldet", entgegnete Union-Coach Sebastian Possinke.

Und auch wenn mit Tobias Thormeier nach ausgeglichenem Startdurchgang ein Akteur aus der ersten Mannschaft nach seiner Einwechslung zu Wiederbeginn die 1:0-Führung der Gastgeber erzielte - den verunglückten Querpass im Gästestrafraum, der dem Treffer vorausging, hätten vermutlich auch Spieler im Tor untergebracht, welche die Landesliga nur als Zuschauer kennen (50.). Die Antwort in Form des 1:1-Ausgleichs, welche Eric Kopp mit starker Einzelleistung nur eine Minute später gab, ließ den Gästen zudem alle Optionen offen.

Nachdem Christian Vormeister zudem die 2:1-Führung des SVG erzielte (74.), wähnte dieser sich womöglich mit einem Bein im Halbfinale, stand sich aber mit dem anderen selbst im Weg: Ein Missverständnis zwischen Willy Buchheim und Torhüter Andre Meier führte nach 80 Minuten zu einem Eckball, den der ebenfalls eingewechselte Stefan Groth per Kopf zum 2:2-Ausgleich versenkte. "Auch nach dem Rückstand sind wir wieder aufgestanden", lobte Possinke. Seine persönliche Gefühlsachterbahn dürfte zwei Minuten nach dem Ausgleich ihren Höhepunkt erreicht haben, als Benjamin Beyer nach Vorarbeit vom durchsetzungsstarken Marcus-Antonio Bach zum 3:2 vollstreckte. Im Schlussgang beseitigte Philipp Schulz vom Elfmeterpunkt mit dem 4:2 letzte Zweifel (90.).

Auch wenn also die drei Landesliga-"Joker" der Gastgeber mit direkten Torbeteiligungen Aktien am Weiterkommen hielten, hob der Coach der Union-Reserve das Kollektiv hervor: "Wir haben spielerisch dagegengehalten und wurden belohnt. Das war ein Verdienst der gesamten Mannschaft." Tatsächlich musste auch die Gegenseite anerkennen, dass nicht nur die "Leihgaben" bei Heyrothsberge II den Ausschlag gaben: "In den letzten 20 Minuten hat uns auch bedingt durch das Fehlen von sechs Stammspielern die Kraft gefehlt. Wir haken dieses Spiel umgehend ab und konzentrieren uns auf den Nichtabstieg in der Liga", zeigte sich Kober am Folgetag bereits etwas versöhnter mit dem Schicksal.

Heyrothsberge II: Biegelmeier - Andert, Peukert, Krümling, Schulz, Tennstaedt, Beyer, Klemm (51. Groth), Zimmermann (77. Bach), Böhme (46. Thormeier), Arndt

Güsen: Meier - Maeße (59. Huth), Schüßler, Pohl, Schenk, Vormeister, Brakowski, Buchheim, C. Kopp, F. Golz, E. Kopp

Tore: 1:0 Tobias Thormeier (50.), 1:1 Eric Kopp (52.), 1:2 Christian Vormeister (74.), 2:2 Stefan Groth (80.), 3:2 Benjamin Beyer (82.), 4:2 Philipp Schulz (90., FE); SR: Christopher Bethke (Gerwisch), Uwe Friedrichs, Tim Herrmann; ZS: 85