"Wir wollen unserem Hobby nachgehen und uns nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie wir den Platz wieder gesund verlassen." Mit einer bislang beispiellosen Aktion im Internet hat die SG Blau-Weiß Niegripp in der Vorwoche für Aufsehen gesorgt und sich klar positioniert: gegen Rechtsextremismus und für Toleranz im Fußball.

Niegripp l Bespuckt, beleidigt, getreten: So wie Augenzeugen die Geschehnisse im Spiel der zweiten Niegripper Mannschaft gegen den FC Ostelbien Dornburg vor drei Wochen schilderten, war nicht von einer Partie in der Fußball-Kreisliga Süd auszugehen. Die anschließende Berichterstattung in der Tageszeitung "taz" sowie einem Internetbericht des "Stern"-Magazins lassen vielmehr den Eindruck einer Hetzjagd entstehen - offensichtlich mit rassistischem Hintergrund. "Wenn unserem Mitspieler Fitim Cimili mit körperlicher Gewalt gedroht wird, ist das zu viel. Für uns waren die Vorfälle das Signal, um ein klares Bekenntnis abzugeben", schildert Marcus Schlüter, Vize-Kapitän der ersten Mannschaft.

Über das soziale Internetnetzwerk "Facebook" ließ die SG ausrichten: "Wir positionieren uns klar gegen Rechts- extremismus." Eine in dieser Form für das Jerichower Land einmalige und deutliche Absage an Neonazis, die versuchen, Deutungshoheit über den Sport zu gewinnen und im vermeintlich "unpolitischen" Hobby Fußball einen Weg zu gesellschaftlicher Akzeptanz zu finden.

In diesem Zusammenhang gilt der FC Ostelbien Dornburg nicht als unbeschriebenes Blatt. Seit der Gründung im Jahr 2011 sieht sich der Verein mit Vorwürfen konfrontiert, Mitglieder aus dem rechts- extremen und vor allem gewaltaffinen Hooligan-Spektrum zu rekrutieren. Erst im Januar diesen Jahres wurde ein Hallenturnier in Gommern abgebrochen, nachdem laut Zeugenaussage von den Dornburgern ein Handgemenge auf den Zuschauerrängen ausging. "Es geht nicht darum, einen Verein oder Einzelpersonen an den Pranger zu stellen", stellt Schlüter indes klar und ergänzt: "Aber wenn wir, unsere Freunde oder Familien um körperliche Unversehrtheit fürchten müssen, hat das nichts mit Sport zu tun. Was mich an der Sache nachdenklich bis traurig stimmt, ist, dass sich der Fußball-Landesverband bislang nicht genötigt sieht, eine klare Position zu beziehen."

Indes förderte der "Facebook"-Eintrag der Sportgemeinschaft Blau-Weiß erste Reaktionen zu tage. Schlüter: "Es gab auch negatives Feedback, aber getroffene Hunde bellen eben." Die überwiegende Mehrheit äußerte sich in den Kommentaren positiv, neben überregionaler Zustimmung stellte sich etwa auch der SV Eintracht Hohenwarthe hinter den Aufruf, klare Kante gegen Rechts zu zeigen. In Niegripp hofft man, "dass andere Vereine nachziehen". Vor allem aber wäre wünschenswert, dass es die Debatte aus dem Internet dorthin schafft, wo sie sich entscheidet: in den Köpfen.