Vier Mannschaften, ein Ziel: Am morgigen Sonnabend werden um 15 Uhr die beiden Halbfinalbegegnungen des Fußball-Kreispokals angepfiffen. Egal ob Favorit aus der Kreisoberliga oder Kreisliga-"Underdog" - eine Devise eint das Quartett: Wer es unter die letzten Vier schafft, will auch den Schritt ins Finale gehen.

Jerichower Land l Am Anfang stand eine ziemlich gewagte Idee. Sven Aßmann hat die Verantwortlichen bei der SG Traktor Schermen und insbesondere die Mannschaft vor der Saison mit einer ganz eigenen Strategie davon überzeugt, dass er der richtige für das Traineramt des Kreisligisten ist: "Im Pokal wollten wir durchaus stets eine schlagkräftige Truppe aufbieten. In der Liga geht es für uns hauptsächlich darum, Erfahrungen zu sammeln."

Platz zwei in der Nord-Staffel und das Erreichen des Halbfinals bescheinigen dem Coach, der zuweilen auf dem Platz aushilft, Gelingen. Die SG Traktor ist die Überraschung des diesjährigen Pokalwettbewerbs, schaltete ab dem Achtelfinale die Kreisoberligisten aus Loburg/Rosian und Burg aus. "Die Mannschaften, die noch vertreten sind, haben es in den Vorjahren meist auch so weit geschafft. Eigentlich sind wir die einzigen `Neuen`. Da wollen wir natürlich weiterhin überraschen und unseren Heimvorteil nutzen", offenbart Aßmann, dass sich er und das Team in der Außenseiterrolle alles andere als unwohl fühlen.

Indes wartet mit dem morgigen Gegner, dem FSV Borussia Genthin, alles andere als Laufkundschaft. Angesprochen auf den designierten Landesklasse-Aufsteiger bekennt der Schermener Trainer: "Wir müssen über uns hinauswachsen. Auch wenn wir idealerweise ein frühes Gegentor vermeiden, liegt eine richtig schwere Aufgabe vor uns. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Borussia zuletzt zwei oder mehr Gegentore kassiert hat."

Tatsächlich scheinen die Genthiner rechtzeitig zum Saisonendspurt wieder in die Spur gefunden zu haben. Der 5:1-Derbyerfolg gegen den Ortsrivalen Brettin/Roßdorf dürfte nach zuletzt eher mittelmäßigen Resultaten das Selbstvertrauen wieder aufpoliert haben. Nach zweimal Platz zwei in Liga und Pokal im Vorjahr zeigen sich die Kanalstädter nun auch hungrig genug, das erhoffte "Double" perfekt zu machen.

Unter den fiktiven Buchmachern wird auch der SV Theeßen 85, ärgster Genthiner Verfolger in der Liga, als heißer Finalkandidat gehandelt. "Mannschaftsintern ist für uns klar, dass die Partie am Sonnabend gegen Heyrothsberge II schon einen gewissen Finalcharakter besitzt. Wenn wir das Endspiel erreichen sollten, wird dieses sicher nicht in Theeßen ausgetragen. Somit haben wir jetzt die Chance, noch einmal vor heimischer Kulisse zu überzeugen. Der Pokal genießt daher ganz klar Priorität vor der Liga", stellt Martin Prost, Spielertrainer der 85er, klar. Bis auf den langzeitverletzten Torjäger Stefan Kempf kann sein Team nahezu in Bestbesetzung an den Start gehen.

Trophäe zum Abschied?

Bekanntlich genügt in dieser Spielzeit auch Platz zwei in der Kreisoberliga zum Aufstieg. Auch wenn sich die Indizien verdichten, ist noch nicht abschließend geklärt, ob der Verein im Fall der Fälle vom Startrecht in der Landesklasse Gebrauch machen würde. In jedem Fall steht dem SV 85 im Sommer ein großer Umbruch bevor. Der Kader, der in den zurückliegenden zwei Jahren eine beträchtliche Verjüngung erfuhr, wird sein Gesicht weiter wandeln. Zudem steht Prost weder in der Rolle als Spieler, noch als Trainer zur Verfügung. Einen besseren Ausklang als sich mit einer Trophäe zu verabschieden, könnte es daher kaum geben. "Auch wenn ich den Jungs natürlich beides gönne, würde ich mir aus persönlicher Sicht den Pokal wünschen. Dieser ist etwas Handfestes. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schwer es eine Mannschaft im Aufstiegsjahr in der Landesklasse hat. Dort zu bestehen, ist alles andere als einfach."

Bevor aus dem Wunsch Realität werden kann, sieht das morgige Halbfinale mit der Union-Reserve eine hohe Hürde vor. "Wir wissen, was auf uns zukommt. Auch Heyrothsberge wird den Pokal sehr ernst nehmen und hat mit Blick auf die Ligavergleiche (5:2 und 3:0 für Theeßen, Anm.d.Red.) eine Scharte auszuwetzen. Uns ist klar, dass wir jeden Prozentpunkt geben müssen, um auf beiden Hochzeiten - Liga und Pokal - die Braut letztlich auch küssen zu können."

Derweil fahren die morgigen Gäste aus Heyrothsberge nur noch eingleisig. Der Aufstieg ist nicht mehr zu realisieren, der volle Fokus liegt demnach auf dem Kreispokal. Zuletzt hatte der SVU II mit dem SV Germania Güsen den letzten im Wettbewerb befindlichen Landesklasse-Favoriten gestürzt - seinerzeit mit ein wenig personeller Unterstützung aus dem Landesligakader. Diese ist morgen Nachmittag nicht zu erwarten, wie Trainer Manfred Mahler klarstellt: "Die Erste hat selbst ein wegweisendes Spiel gegen den MSV Börde zu bestreiten."

Allerdings verfügt auch die Union-Reserve über viel und vornehmlich junges Potenzial. Beim 4:3-Heimsieg aus der Vorwoche gegen Möser betrug das Durchschnittsalter 23 Jahre. Die kürzlich erfolgte "Frischzellenkur" mit einigen Spielern aus der eigenen A-Jugend trägt nach kurzer Anlaufzeit Früchte.

"Die Theeßener haben in diesem Jahr beide Spiele verdient gewonnen. Auch wenn sich das Ergebnis deutlich liest - unschlagbar sind sie dennoch nicht. Wir rechnen uns auf alle Fälle etwas aus", so Mahler.

   

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