Mit der Wörmlitzer Pferdewoche ist am Sonntag eine der größten Reitsportveranstaltungen Sachsen-Anhalts zu Ende gegangen. Reiter aus acht Bundesländern gaben sich bei der 2011er Auflage die Ehre, wobei die einheimischen Starter überzeugten. "Wir haben einmal mehr super guten Sport gesehen", zog Eckhard Klüsener, Abteilungsleiter des gastgebenden Wörmlitzer SV, ein positives Fazit über die zurückliegenden fünf Tage.

Wörmlitz. Der Prozess des "Durchatmens" verlief für Eckhard Klüsener während der fünftägigen Veranstaltung in drei Phasen. "Der erste große Stein fiel einem vom Herzen, wenn die erste Prüfung am Mittwochmorgen lief." War der Boden auf dem Abrittplatz in gutem Zustand? War der Parcours für die Prüfungen und Klassen angemessen aufgebaut? Dann der bange Blick zum Himmel, hielt das Wetter? Es waren eine ganze Menge von Fragen und Ungewissheiten, die abfielen, als die "Maschine" erst einmal lief, die einzelnen Rädchen ineinander griffen und die insgesamt 37 Wettbewerbe der verschiedenen Sprung- und Dressurprüfungen reibungslos über die Bühne gingen.

"Seit wir 1991 beschlossen haben, das Turnier jährlich stattfinden zu lassen, sind wir gewachsen. Mittlerweile haben wir fünf der schweren S-Springen und drei S-Dressuren im Programm, zählen zu den fünf größten Pferdesportveranstaltungen in Sachsen-Anhalt", sagte Klüsener nicht ohne Stolz, vergaß dabei aber nicht, die über 50 Helfer zu erwähnen, die an den fünf Tagen von früh bis spät durch unermüdlichen Einsatz geglänzt hatten.

Auch 2011 war die Wörmlitzer Pferdewoche eine Veranstaltung der Superlative. Bei so vielen Prüfungen wie selten zuvor und mit 1648 Nennungen unlängst in der Landesspitze angekommen, bestand natürlich nur wenig Spielraum zur Improvisation. Um der hohen organisatorischen Hürden Herr zur werden, griffen die Veranstalter vom WSV auch dieses Mal auf ein bewährtes Team zurück, darunter der renommierte Parcourschef Fred Jäger sowie eine alteingesessene Jury. "Das ist ein wichtiger Punkt", so Klüsener, "denn ein schlechter Parcours oder Richter mit merkwürdigen Entscheidungen können einem so ein Turnier auch vermiesen. Da kann der Ablauf noch so reibungslos sein."

Das zweite Mal "tief Luftholen" war beim Abteilungsleiter am Sonnabend angesagt, als das große Turnier-Highlight, das Barrieren-S-Springen unter Flutlicht, Geschichte war. Hier siegte wie schon im Vorjahr der Flessauer Steffen Rossau auf Carpina. An seine Leistung war aus Sicht der Lokalmatoren kein Herankommen. Einzig Klüseners Sohn Niels mit seinem Pferd Celebration bot auf Rang acht noch Paroli.

Die Erfolgsbilanz der Reiter aus dem Jerichower Land konnte sich dennoch sehen lassen. So überzeugte der Ihleburger Dirk Holländer mit Platz zwei (auf Lansdown) und drei (auf Celli) beim abschließenden Zwei-Sterne-S-Springen am Sonntag. Hendrik Ernst vom RV Königsborn entschied auf Argus die S-Klasse-Springprüfung der jungen Pferde für sich, Steffen Buchheim (RV Ihleburg) wurde hier auf Enjoy Dritter. Zahlreiche Siege und vordere Platzierungen einheimischer Reiter in den Klassen A, E, L und M rundeten das beachtliche Gesamtergebnis ab.

In den Dressur-Wettbewerben hielt einmal mehr Dr. Sabine Müller die Fahne des Kreises hoch. Die routinierte Reiterin vom RV Königsborn belegte bei der schweren S-Dressur-Kür mit Dawinja am Samstagabend einen hervorragenden dritten Platz.

Und wie es sich für ein großes Reitsportturnier gehört, machten auch bei der Wörmlitzer Pferdewoche zahlreiche Nachwuchstalente auf sich aufmerksam. Größter Emporkömmling war Lisa Naujok von der SG Blau-Weiß Neuenhofe, die bei der Klasse-S-Springprüfung mit Stechen der Amateure ihr erstes S-Springen überhaupt gewinnen konnte, wohlgemerkt im Teenageralter.

Derweil saß Abteilungsleiter Klüsener am Sonntagmittag während einer Umbaupause im Sprecherturm und drückte eine Zigarette im Aschenbecher aus. Der Stress der vergangenen Tage war nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, wenngleich er nach nunmehr 20 Jahren in der Verantwortung Routine hat. "Die persönliche Maxime, die wir haben, lautet ¿Pferdesport von Reitern für Reiter\'. Wir wissen genau, was man von uns erwartet, und das sind optimale Bedingungen. Die Reiter wissen: Wörmlitz ist eine relaxte Veranstaltung, hier klappt alles wie am Schnürchen. Einige kommen mit ihrem Wohnwagen und der ganzen Familie, für die sind diese fünf Tage wie Urlaub."

Kaum jemand verkörpert diese Art von Starter so sehr wie Ronald Sandbrink. Zum zweiten Mal in Wörmlitz vertreten, brachte der für den RFV Päse im Kreis Gifhorn/Niedersachsen startende Inhaber eines Reitbetriebes gleich zwölf Pferde mit auf die Anlage. "Für mich ist Wörmlitz ein Höhepunkt der Saison. Hier fehlt es an nichts und man merkt, mit wie viel Liebe, Routine und Engagement die Veranstalter dabei sind. Die Bedingungen sind vom Feinsten und man kann kleinere Trainingsdefizite sofort erkennen und ausmerzen", zeigte sich Sandbrink begeistert und schüttelte die Hand des Wörmlitzer Abteilungsleiters. Das war der Punkt, an dem Klüsener das dritte und letzte Mal durchatmete.

   

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