Biederitz. Der Druck muss enorm gewesen sein, der in den vergangenen Wochen auf Tina-Sophie Troschke lastete. Druck, den sich die derzeit beste Tennisspielerin Sachsen-Anhalts auch selbst auferlegt hat. Die 17-Jährige wechselte zu Saisonbeginn vom 1. TC Magdeburg zum Biederitzer TC, um ihr Spiel in der Ostliga der Damen weiterentwickeln zu können. Dass es für Troschke in bislang sechs Einzeln an Nummer eins zu keinem Matchgewinn reichte, lag nicht nur an der starken Konkurrenz. Vielmehr war die mehrfache Landesmeisterin im Kopf nicht frei, die (eigene) Erwartungshaltung war offenbar zu hoch.

"Ich habe in den letzten Woche nicht mein bestes Tennis gespielt. Ich mache mir zu viele Gedanken", sagte die junge Spielerin leise. So ruhig, ja schüchtern sich das Talent im Gespräch gibt, so wirkt sie auch auf dem Tennisplatz. Keine geballte Faust bei Gewinnschlägen, kein Fluchen bei leichten Fehlern - Troschke scheint in sich zu ruhen.

Dass der Schützling von Landestrainer Dr. Michael Heinz Potenzial besitzt, war gestern im Ansatz zu erkennen. Troschke schien gegen die Nummer eins des SV Berliner Bären, Annika Sillanpää, beim Stand von 1:6 und 2:5 bereits auf verlorenem Posten. Die erst 16-jährige Finnin jagte mit ihrer peitschenden Vorhand und platzierten Rückhandschlägen die Magdeburgerin von einer Ecke zur anderen. Troschke schien wieder chancenlos. "Bei mir herrschte heute eine sch...egal-Stimmung", sagte sie.

Mit dieser Einstellung kehrte jedoch die Lockerheit zurück. Plötzlich stellte sie ihr Spiel um, agierte oft mit hohen Bällen, um Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Die kleine Finnin kam damit nicht zurecht, produzierte viele einfache Fehler. Beim 7:5, nach fünf Spielgewinnen in Folge, hatte Troschke den zweiten Satz gewonnen. Auch im folgenden Champions-Tiebreak hielt sie die Partie bis zum 8:8 offen, ehe die Finnin glücklich mit 10:8 die Oberhand behielt und damit das Match gewann. "Das Ergebnis ist egal. Wichtig ist, dass ich heute mein bestes Tennis gespielt habe", sagte Troschke erleichtert. Der Druck schien in diesem Moment von ihren Schultern zu fallen.

Der Teilerfolg der Nummer eins wird jedoch dem Biederitzer TC in dieser Saison nicht helfen. Das Team unterlag am Sonntag dem Konkurrenten im Abstiegskampf, SV Berliner Bären, mit 3:6. Für die Einzel- erfolge sorgten die Nummer zwei, Jarmila Sikorova, und Nummer drei, Veronika Ovcacikova, die im Champions-Tiebreak diesmal das glücklichere Händchen hatte. In den verbleibenden drei Doppeln gewannen nur Sikorova/Martina Felux, so dass am Gästesieg nicht mehr zu rütteln war.

Pech hatten die Biederitzerinnen bereits am Sonnabend zu Genüge, als sie gegen den TC Nikolassee mit 4:5 unterlagen. "Ein Remis, wenn nicht sogar ein Sieg wäre drin gewesen", sagte BTC-Sportwart Oliver Brandt. Bitter war vor allem die Einzel-Niederlage von Arlett Bittrich an Nummer sechs, die im Champions-Tiebreak mit 6:10 verlor. Veronika Ovcacikova musste sich im Tiebreak des zweiten Satzes gar mit 16:18 ihrer Kontrahentin beugen. Nur Sikorova und Krebs im Einzel sowie Sikorova/Felux und Ovcacikova/Bittrich im Doppel punkteten. "Es läuft dieses Jahr vieles gegen uns. Es wird schwer, die Klasse noch zu halten", sagte Brandt.

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