Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben selbst. Für 90 Minuten rückte am Freitag Carsten Kischel als Torwart des SV Langenstein in den Fokus. Über die Umstände, und warum das möglicherweise einmalig bleibt, spricht er im Interview mit Volksstimme-Redakteur Florian Bortfeldt

Volksstimme: Auch wenn Sie quasi einer kleinen Fußball-Dynastie entstammen, Ihr Vater Bernd gehörte jahrelang als Abwehrspieler zum Stamm des DDR-Ligisten BSG Lok Halberstadt und Ihr Bruder war bis vor wenigen Jahren Torwart und Kapitän beim VfB Germania, Fußball gehört für Sie nicht unbedingt zum Tagesgeschäft.

Carsten Kischel: Das stimmt, bei mir ist es das ganze Gegenteil. Ich habe den Sport nie so intensiv betrieben wie mein Vater oder mein Bruder. Ich habe mich damals eher für das Schiedsrichterwesen interessiert und es weiter verfolgt. Schließlich entschied ich mich für den Berufsweg, die sportliche Seite trat in den Hintergrund und wurde vernachlässigt.

Wie lange ist also Ihr letzter Einsatz her?

Ich komme so etwa alle drei Jahre zum Einsatz (lacht). Mein letzter war mit der Halberstädter Germania-Reserve gegen Blau-Weiß Gerwisch. Damals hatte ich einen guten Einstand.

Dann war dieser Einsatz vor so toller Kulisse mit knapp 250 Zuschauern eine einmalige Sache?

Absolut, ja. Mein Bruder hatte mich kurz vorher gefragt, ob ich aushelfen kann, da mit Sascha Holtzheuer der erste Torwart noch immer verletzt fehlt. Neuzugang Eric Hotopp war wegen des Alters noch nicht einsatzberechtigt, feierte erst einen Tag nach dem Landesklasse-Spiel seinen 18. Geburtstag. So habe ich mich überzeugen lassen. Entsprechend wird Eric aber ab sofort für Langenstein zum Einsatz kommen.

Konnte man tatsächlich in so kurzer Zeit einen gültigen Spielerpass für Sie organisieren?

Sieht so aus. Ich war letzte Woche noch im Urlaub, es wurde alles über Dritte geregelt. Zur Partie gegen Westerhausen war auf jeden Fall alles fertig.

Kurz zum Spiel, das Ihr Team mit 1:3 verloren hat. Wie lautet Ihre Einschätzung?

Es war schade, dass wir das erste Gegentor in einer Phase bekommen, in der wir uns gerade gefangen hatten. Der Ball war haltbar, da muss man nicht lange drüber diskutieren. Gut war es, dass wir dann per Elfmeter zurückgekommen sind. Am Ende muss man ehrlicherweise sagen, dass Westerhausen zusehends auf den Sieg gedrängt, und daher verdient gewonnen hat.

Es gab eine Szene, in der SV-Stürmer Friedrich Reitzig ein reguläres Tor erzielte, es aber nicht anerkannt wurde. Wie haben Sie das gesehen?

Vor dem Anpfiff hatte ich mir vorgenommen, dass mir "Fritze" Reitzig keinen reinhaut, das habe ich geschafft. Das war mein Tagesziel, den Rest möche ich nicht kommentieren.

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