Vielleicht müssen Läufer bald eine Euromünze mit sich schleppen, um am Ende der Strecke ein Drehkreuz zu füttern, das sie den Zielbereich betreten und in die Wertung kommen lässt. Zumindest, wenn es nach dem Deutschen Leichtathletik-Verband geht. Dieser erhöht die Abgaben der "Finisher-Gebühr" für Veranstalter ab 2016 auf einen Euro.

Harzkreis l Dies wird sicherlich ein heiß diskutiertes Thema während der Mitgliederversammlung des Leichtathletik-Verbands Sachsen-Anhalt (LVSA) sein, die am 10. April ab 17.30 Uhr im IGZ Inno-Life in Schönebeck veranstaltet wird. Derzeit beläuft sich die Abgabe für Ausrichter auf 50 Cent pro Läufer, der ins Ziel kommt. Vor allem Veranstalter kleiner Wettbewerbe stehen der Entscheidung sehr kritisch gegenüber. Es kann passieren, dass durch die Mehrausgaben ein finanzieller Engpass entsteht, der nicht so leicht aufzufangen ist.

Geht es nach dem DLV, werden die Mehrkosten auf die Teilnehmer umgelegt.Gerry Kley, der Präsident des LVSA, unterstützt diese Idee: "Ich sehe kein Problem bei der Umlage, weil die Teilnahmegebühren ohnehin von Veranstaltung zu Veranstaltung variieren", sagte er gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. Und schließlich würde auch der LVSA von den Mehreinnahmen profitieren.

Mit dem Anheben des Beitrags auf einen Euro wird die Gebühr bundeseinheitlich geregelt. In Sachsen-Anhalt würde die Erhöhung nur 50 Prozent betreffen, denn es werden bereits 50 Cent pro Teilnehmer abgeführt. "Dennoch sehen die Teilnehmer nur die Mehrausgabe, nicht die Vorteile", gibt Andreas Broska, der Laufwart des LVSA, zu bedenken. Denn: "Keiner kann nachvollziehen, ob das Geld in die Nachwuchsarbeit geht oder woanders hin."

Es geht also in erster Linie um Transparenz. Der DLV und der Landesverband müssen zeigen, was mit dem Geld passiert. "Es darf keiner benachteiligt werden. Wir sind eine Solidargemeinschaft. Die Mehrausgabe muss in die Laufszene zurückfließen. Der Verband lebt vom Breitensport. Deshalb darf er die Volkssportler nicht vergessen."

Mit der Kritik hat sich der DLV bereits auseinandergesetzt. "Wir sind trotzdem einstimmig zum Ergebnis gekommen, dass die Genehmigungsgebühr zum 1. Januar 2016 erhoben werden soll. Sie dient dazu, die Infrastruktur des Sports zu finanzieren", sagte DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop. Dazu zählen beispielsweise Terminbörsen, Laufkalender, Streckenvermessung oder die Ausbildung von Trainern und Kampfrichtern. Für Jugendliche bis 18 Jahre fallen diese Gebühren allerdings nicht an. In der Pressemitteilung des DLV wird zwar davon gesprochen, dass "die eingenommenen Gelder ausschließlich in den Sport fließen und damit nur am Gemeinwohl orientiert sind", wohin genau bleibt darin allerdings offen.

Bode Runners akzeptieren

Betroffen sind zum Beispiel auch die "Bode Runners" der Gaensefuther Sportbewegung. Sie sind grundsätzlich bereit, mehr zu bezahlen. "Wir sind für die finanzielle Unterstützung der Kinder und Jugendlichen im Laufsport und geben dafür gerne einen Euro mehr", berichtet Jens-Uwe Börner. "Alle kleinen Wettkämpfe bis 15 Euro bezahlen wir aus der Vereinskasse und sind damit immer sehr gut zurecht gekommen. Nur die teuren Marathons und Halbmarathons zahlt schon immer jeder privat. Wir versuchen, uns in Zukunft bei allen Wettkämpfen immer vorher anzumelden, dann haben wir das durch die Einsparung der teilweise sehr hohen Nachmeldegebühren in etwa wieder raus und schonen unsere Vereinskasse."