Vom Rennsteiglauf sind viele Läuferinnen und Läufer fasziniert. Allerdings gibt es noch eine größere Herausforderung als Halbmarathon, Marathon oder Supermarathon (75 km). Seit einigen Jahren kann der komplette Kammweg des Thüringer Waldes in mehreren Tagesetappen gelaufen werden.

Halberstadt. Die Teilnahme ist limitiert und es ist nicht einfach, in die eingeschworene Laufgemeinschaft aufgenommen zu werden. Im April gingen elf Frauen und 22 Männer aus acht Bundesländern und der Schweiz bei der 30. Auflage an den Start, alles routinierte Langstreckenläufer. Zum wiederholten Male hatten sich auch die beiden Halberstädterinnen Irmgard Eggert und Ilsemarie Seemann-Block angemeldet. In verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt, absolvierten sie an fünf harten Wettkampftagen die 170 km zwischen Blankenstein und Hörschel. Obwohl sich alle gut vorbereitet hatten, mussten fünf Teilnehmer wegen Erschöpfung bzw. Verletzungen vorzeitig aufgeben.

Der erste Tag führte über 40 Kilometer von Blankenstein nach Spechtsbrunn. Von dort bis nach Neustadt a.R. war am zweiten Tag auch die gleiche Distanz zu laufen. Die Strecke am dritten Tag von Neustadt a.R. zum Grenzadler bei Oberhof maß nur 27,5 Kilometer, zwischen dem Grenzadler und der Grenzwiese bei Brotterode lagen nur 27 Kilometer. Dafür machten den Teilnehmern die vielen umgestürzten Bäume und fehlende Wegmarkierungen zu schaffen. Der Lauf am vierten Tag wäre ein leichter gewesen, hätte man nicht über umgestürzte Bäume steigen oder sie umlaufen müssen. "Wir haben es so gewollt", sagten sich die beiden Halberstädterinnen und freuten sich, als sie anschließend im Gasthaus "Kleiner Inselsberg" verwöhnt wurden. Nur noch 28 Starter gingen am fünften und letzten Tag zeitlich versetzt an den Start. Von der Grenzwiese nach Hörschel sind es 34,5 Kilometer. "Bis Hohe Sonne ist uns der Weg bekannt, danach liefen wir vermutlich etwas mehr als vorgesehen", erinnert sich Irmgard Eggert, "aber was macht das schon. Der Rennsteig ist ja so ein schönes Stück Erde, da ist jeder Kilometer mehr auch etwas mehr Laufvergnügen."

Irmgard Eggert schaffte die 170 Kilometer in über 19 Stunden, Ilsemarie Seemann-Block benötigte über 23 Stunden. Beide kamen ohne Verletzungen ins Ziel und spürten mehr Kondition, als sie vor dem Lauf hatten. Beide haben sich vorgenommen, im April 2012 beim nächsten Etappenlauf wieder dabei zu sein.