Sechs Uhr morgens - der schwer geschundene Körper von Dirk Vinzelberg kämpft sich aus dem Bett. Ein letztes Mal. Die sechste und letzte Etappe steht auf dem Programm. Seine Beine - immer noch schwer wie Blei, gezeichnet von den Strapazen der vergangenen Tage. Die Motivation dennoch riesengroß.

Landkreis l Dirk Vinzelberg steht vor den letzten 47 Kilometern des Internationalen Spreelaufs, der sechs Etappen mit insgesamt 390,20 Kilometern umfasst. Vor den letzten kräfteraubenden Kilometern, die für ihn zugleich auch die letzten bei einem Wettkampf sein werden, steht der 51-Jährige in der Gesamtwertung auf den dritten Platz.

Die Zuversicht, sich auch nach dem letzten Teilstück einen Platz auf dem Podest erlaufen zu haben, ist groß. Das Frühstück konnte er wieder ohne Probleme zu sich nehmen - wegen der enormen Anstrengung keine Selbstverständlichkeit.

Dann fällt der Startschuss - und nach bereits 100 Metern folgt auf große Zuversicht die bittere Realität: Der Körper streikt, es geht nichts mehr. Aus, Ende und vorbei. "Der Akku war einfach komplett leer. Da ging absolut nichts mehr. Ich habe dann nur noch versucht das Ziel zu erreichen - egal wie", sagte Vinzelberg.

Und der Kräfteverschleiß der letzten Tage, die er allesamt mit einer vorderen Platzierung beendet hatte, fordert weiter seinen Tribut. Vinzelberg lässt es auf den nächsten Kilometern ruhig angehen, versucht in einen entspannten Rhythmus zu kommen - doch es hilft alles nicht. Die Probleme nehmen weiter zu und nun kann er auch nichts mehr essen und trinken. Die verbleibenden 37 Kilometer muss er im Wandern zurücklegen, fällt Platz um Platz zurück und erreicht schlussendlich als Letzter das Ziel. Es ist ein bitteres Ende: Letzte Laufveranstaltung, letzte Etappe und zum Abschluss auch der letzte Platz.

In der Gesamtwertung rutschte er dadurch vom dritten auf den siebten Rang zurück, von insgesamt 39. Nach 41 Stunden, 33 Minuten und 52 Sekunden war das Abenteuer Ultralauf beendet. Und Vinzelberg ist mit seiner Platzierung nicht mal unzufrieden: "Ich kann mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wenn der Körper zu mehr nicht in der Lage ist, dann muss man das akzeptieren. Ich habe das Ziel erreicht und das ist das Wichtigste."

Wichtiger als ein Ultralauf ist für Vinzelberg in Zukunft seine Gesundheit. Vom aktiven Sport zieht er sich zurück - es wird keinen Lauf mehr geben. Das haben ihm zuvor auch schon seine Ärzte geraten, denn gesundheitlich ist er zu solchen Wettkämpfen eigentlich nicht mehr in der Lage. Schmerzen muss er in Zukunft auch nicht mehr ertragen. Freude an der Schinderei hatte er trotzdem: "Der Spaß ist doch das Wichtigste. Ohne den geht es nicht!"