Erlebnisreiche Fußballwochen hat der 32-jährige Björn Landsmann hinter sich. Der aus dem westaltmärkischen Beetzendorf stammende Stellvertretende Geschäftsführer des Kreissportbundes Stendal Altmark hat mit zwei Freunden die Weltmeisterschaften in Brasilien besucht. Wolfgang Seibicke sprach mit ihm über seine Erlebnisse.

Volksstimme: Wer waren Ihre Begleiter auf Ihrem WM-Trip?
Björn Landsmann:
Jens Sauerbier aus Magdeburg, der Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im Rollstuhl-Rugby ist, sowie der aus Schwiesau stammende Jörn Bombeck. Er ist für den VfL Kalbe/Milde als Kicker am Ball.

Wann sind Sie aufgebrochen?
Am 23. Juni von Frankfurt aus nach Salvador. Anschließend haben wir insgesamt fünf Spiele besucht und waren 18 Tage in Brasilien.

Welche Begegnungen haben Sie besucht?
Bosnien gegen Iran, USA gegen Belgien und drei Partien der deutschen Nationalmannschaft: Das Gruppenspiel gegen die USA in Recife, das Viertelfinalmatch gegen Frankreich in Rio und unser Halbfinalspiel gegen Brasilien in Belo Horizonte.

Wie haben Sie die Stimmung im Gastgeber-Land empfunden?
Die Leute sind sehr freundlich und aufgeschlossen.

Viel Wertschätzung für Deutschland
Ich habe den festen Eindruck gewonnen, dass die Brasilianer uns Deutschen besondere Wertschätzung entgegen bringen. Das allerdings nicht nur wegen des Fußballs, sondern allgemein. Unser Trio ist jedenfalls überall mit offenen Armen empfangen worden. Ganz besonders gern haben sie sich mit uns fotografieren lassen. Das traf aber auch auf Fans aus anderen Ländern, wie zum Beispiel Chile und Kolumbien, zu.

Haben es Rollstuhlfahrer in dem südamerikanischen Land schwer?
Es ist schon nicht einfach für sie. Auch in einer Metropole wie Rio haben wir keine abgesenkten Bürgersteige bemerkt. Bei unseren Besuchen der Spiele aber lenkten die Gastgeber sofort die Aufmerksamkeit auf unseren Jens Sauerbier und halfen, wie sie nur konnten.

Zurück zum Fußballgeschehen. Haben Sie sich vor dem Halbfinale ein Bild von Kontrahent Brasilien machen können?

Ja, das Viertelfinalspiel der Brasilianer gegen Kolumbien haben wir bei einer 20-köpfigen brasilianischen Großfamilie per Fernseher verfolgt. Deren Vorfahren kamen 1911 aus Deutschland. Unsere Gastgeber waren wegen des verletzungsbedingten Aussscheidens von Superstar Neymar und der Sperre für Thiago tief erschüttert, aber dennoch sehr optimistisch, dass es gegen Deutschland reicht.

Das Halbfinale haben Sie Glückspilz vor Ort in Belo Horizonte verfolgt. Schildern Sie Ihre Gefühle.
Bei der brasillianischen Nationalhymne war von der Musik absolut nicht zu hören.

Beim "Ihr seid nur ein Karnevalsverein" wurde mir mulmig
Die Hymne wurde im gesamten Stadion geschrien. Bis zum 0:2 für Deutschland erzeugte die Stimmung weiterhin Gänsehaut pur. Danach wurde es ruhiger. Nach dem 0:3 waren nur noch die deutschen Fans zu hören. Nach dem 0:5 hatte ich das Gefühl, mich bei den Brasilianern entschuldigen zu müssen. Einige Fans vom Gastgeber kamen schon in der Halbzeitpause zu uns, gratulierten und sagten auf Englisch, dass wir ein großartiges Team hätten. Als jedoch im deutschen Lager dann noch gesungen wurde "Ihr seid nur ein Karnevalsverein", habe ich einen Stimmungsumschwung bei unseren Gastgebern befürchtet. Der kam glücklicherweise aber nicht. Sie haben das wohl nicht verstanden. Nach der Partie sagten uns die einheimischen Fans, dass unsere Mannschaft jetzt den möglichen Finalgegner Argentinien besiegen muss, und zwar mit 8:1.

Deutschland wurde schließlich durch ein 1:0 gegen Argentinien tatsächlich Weltmeister. Wann war Ihnen klar, dass die Mannschaft das Ziel erreichen kann?
Das war nach dem 1:0-Sieg gegen die USA der Fall. Da haben wir gespürt, dass diese Mannschaft das schaffen kann.

Haben Sie neben Fußball überhaupt noch anderes im Land gemacht?
Die Hautpsache war schon Fußball, doch besonders in Rio haben wir noch anderes angestellt, eine Stadtrundfahrt gemacht, die Christus-Statue besucht und einen Drachenflug unternommen.

Sie sind in diesem großen Land viel geflogen, etliche tausend Kilometer. Wie oft war das der Fall und wie teuer ist ein Inlandflug in Brailien?
Insgesamt sind wir in dem Land zehn Mal geflogen. Die Flüge kosteten von 40 bis 160 Euro.

Was hat Ihnen ihr Brasilien-Trip neben dem Gefühl, Fan einer neuerlich Weltmeister gewordenen Mannschaft zu sein, gebracht?
Die Reise war ein unvergessliches Erlebnis. Ich liebe die Mentalität der Brasilianer. Die sind zumeist total entspannt und haben ein richtiges Faible für Deutschland.

   

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