Eine großartige Saison liegt hinter den Oberliga-Basketballern des VfL Kalbe/Milde. Und vielleicht ist großartig noch untertrieben, denn die Altmärker krönten diese Spielzeit 2013/2014 mit dem Gewinn des Landesmeistertitels.

Kalbe/Milde l Es wird sich "gesiezt" im Team des VfL. Nach dem unglaublichen Gewinn der Landesmeisterschaft reden sich die VfL-Spieler untereinander mit "Sie" an oder begrüßen sich mit "Guten Tag, Herr Landesmeister". Sicherlich ist das mehr als Spaß zu verstehen, doch was die Männer von der Milde in der abgelaufenen Saison erreicht haben, hat nicht nur ein simples "Sie" verdient, sondern eine ganz tiefe Verneigung.

Doch ehe Kapitän und Spielertrainer Harald Lotsch vor knapp drei Wochen den großen Meister-Pokal in die Höhe strecken durfte, lagen 23 schwere und kräftezehrende Saisonspiele - inklusive Playoff-Partien - hinter den Mildestädtern. Und bevor die Saison überhaupt begann, war kaum klar, wer im Kader steht und wohin der Weg des VfL überhaupt führen würde.

Die Zielstellung wurde jedoch mehrfach korrigiert und zwar nach oben. Hieß es zunächst den Klassenerhalt zu schaffen, stellte sich doch recht frühzeitig heraus, dass auch die Playoffs erneut möglich sind. In den Finalspielen steigerten sich die Altmärker weiter, die dann sogar den Titel wollten - und ihn auch bekamen. Doch der Reihe nach.

Durchwachsener Start der VfL-Korbjäger

Der Start in die Saison 2013/2014 verlief durchwachsen. Zwar starteten die Kalbenser mit einem klaren Heimsieg gegen Weißenfels (72:56), mussten aber gleich im zweiten Saisonspiel beim Magdeburger SV Börde passen (71:82). Im folgenden Spiel bei den Sixers II, die vor der Saison zu den Meisterschaftsanwärtern gezählt wurden, gelang ein 82:81-Sieg, bei dem Michael Berck über sich hinauswuchs und die Gastgeber praktisch im Alleingang abschoss. Diesem Hochgefühl folgte allerdings wieder ein tiefer Fall. In heimischer Halle gab es nach einer desolaten VfL-Vorstellung eine bittere 64:82-Klatsche gegen den BC Anhalt. Die Saison schien also zu einer Berg- und Talfahrt zu werden. Was zu diesem Zeitpunkt aber schon deutlich wurde war, dass der VfL offensiv nicht mehr die Durchschlagskraft hatte, wie noch in den Jahren zuvor, davor legten die Jungs von Spielertrainer Harald Lotsch aber in der Defensive zu.

Doch was nach dem Dessau-Spiel folgte, war ein lupenreiner 6:0-Lauf für die Altmärker. Nach Siegen gegen den Halleschen SC 96 (91:87), wobei die Kalbenser mit nur fünf Spielern antraten, den USC Magdeburg (81:70), die Baskets Wolmirstedt (80:66), die Justabs Halle (64:63), den BBC Halle (82:70) und schlussendlich zum Rückrundenstart gegen Weißenfels (91:84) grüßten die Schröder und Co. mit acht Siegen und nur zwei Niederlagen von der Tabellenspitze. Nun sollten auch die Playoffs her. Dieses Ziel verfolgten die Mildestädter fortan akribisch.

"In dieser Phase der Saison gelang viel, wir konnten uns stabilisieren und haben auch knappe Spiele wie die in Sandersdorf, Halle oder zu Hause gegen Justabs für uns entschieden", so Spielertrainer Lotsch.

Dennoch wurde es noch einmal eng im Kampf um einen Playoff-Platz. Erneut setzte es gegen Top-Teams der Liga wie MSV Börde (53:65) und BC Anhalt (81:84) Niederlagen. Da aber gegen die Sixers II (86:71) und auch gegen den arg ersatzgeschwächt antretenden HSC 96 (95:55) gewonnen wurde, hielten die VfL-Jungs den Playoff-Kurs. Es folgte eine 68:81-Niederlage beim Titelaspiranten USC Magdeburg, die auch zeigte, dass der VfL gegen die Top-Teams der Liga Schwierigkeiten hatte. Genauer gesagt gewannen sie in der regulären Saison nur eines von sechs Partien gegen die späteren Playoff-Teilnehmer.

Im Match danach gegen die Baskets aus Wolmirstedt (84:79) machten die Mehlicke und Co. aber die Playoffs perfekt. An der Milde wurde also erneut um die Landesmeisterschaft gespielt. Die reguläre Saison beschlossen die Kalbenser dann mit einer knappen 84:86-Auswärtsniederlage bei Justabs Halle und einem Heimsieg gegen den BBC Halle (87:71). Damit erreichten die Mildestädter Platz drei in der Saison, verspielten aber das mögliche Heimrecht in Runde eins der Playoffs.

Neben dem VfL Kalbe, Spitzenreiter USC Magdeburg und dem viertplatzierten BC Anhalt qualifizierte sich also Erstrundengegner Magdeburger SV Börde noch für die Finalrunde. "Naja, ich muss schon sagen, dass mir Börde in der ersten Runde immer noch lieber ist, als der USC", so die Worte von Spielertrainer Lotsch vor der Endrunde.

Dennoch standen die Vorzeichen nicht gerade gut für den VfL. In der Saison gab es zwei deutliche Zehn-Punkte-Niederlagen gegen den MSV und aus personeller Sicht konnten die Mildestädter lange nicht aus den Vollen schöpfen. Schmerzlich wurden Jan Lohse (Ski-Unfall), oder auch punktuell Michael Berck, Konrad Drüsedau, Marcel Manthey oder auch Christian Mehlicke vermisst.

Doch der VfL kann Playoffs. Das zeigte sich von Beginn an. Zwar ging Match Nummer eins gegen den MSV in der Landeshauptstadt 54:62 verloren, aber danach spielten sich die Altmärker in einen Rausch. Zunächst fuhren sie zu Hause ein 67:56 gegen den MSV ein und gewannen danach auch Spiel drei der Serie, das erneut in Magdeburg zur Austragung kam mit 60:49. Dabei zeigte der VfL in sämtlichen drei Spielen seine gewachsene Stärke in der Defensive. Das Finale war gebucht. Nun wartete man noch auf den Gegner. Wie erwartet - oder besser gesagt befürchtet - wurde hieß der USC Magdeburg. Schon im Jahr 2007 trat man gegen diese Mannschaft im Finale um die Landesmeisterschaft an, verlor aber mit 0:2 in zwei knappen Spielen.

"Mir ist eigentlich alles egal, aber ich will nicht schon wieder gegen diese Mannschaft ein Finale verlieren", so Lotsch vor der Finalrunde. Gesagt, getan. Zunächst mussten die Kalbenser - aufgrund der schlechteren Saisonplatzierung - wieder auswärts antreten. Mit Michael Berck fehlte ein ganz wichtiger Baustein im VfL-Spiel, so dass man sich zwar trotzdem etwas vornahm, doch die Aussichten auf einen Sieg eher gering waren.

Aber was die Kalbenser an jenem Sonntag in der Sporthalle des Hegel-Gymnasiums hinlegten, war eine Meisterleistung. Sicherlich war dieses Spiel nicht unbedingt ein spielerischer Genuss, aber an Spannung und Einsatz kaum zu überbieten. Nach nervenaufreibenden 40 Minuten stand der 72:70-Sieg des VfL fest. Nun hatten es die Kalbenser selbst in der Hand, im darauffolgenden Heimspiel alles klar zu machen.

Und es war angerichtet. Knapp 250 Zuschauer säumten die Spielfeldumrandung. BVSA-Geschäftsführer und Ex-VfL-Coach Toni Kohlmeyer hatte den großen Siegerpokal schon mitgebracht und konnte ihn schlussendlich auch an diesem Abend übergeben - nach einem deutlichen und überzeugenden 85:70-Erfolg an den neuen Landesmeister VfL Kalbe/Milde.

 

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