China ist für viele Menschen ein beliebtes Urlaubsziel. Auch die 17-jährige Cynthia Freywald besuchte im August dieses Jahres das asiatische Land - allerdings nicht, um dort zu entspannen oder auf Sightseeing-Tour zu gehen. Für die junge westaltmärkische Bogenschützin standen in Nanjing nämlich die Olympischen Jugendspiele auf dem Programmplan.

Siedendolsleben/Berlin l Für viele Sportler ist es ein Traum, einmal selbst bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Cynthia Freywald, eine erst 17-jährige Bogenschützin aus dem beschaulichen Siedendolsleben in der Westaltmark, hat ihn sich kürzlich erfüllt. Der Teenager besucht seit vier Jahren die Sportschule in Berlin, geht dort für den BSC BB-Berlin an den Start und ist nebenbei übrigens auch noch für die Schützengilde (SGi) Groß Apenburg aktiv.

Gerade einmal sieben Jahre jung war Cynthia, als sie ihre ersten Pfeile auf die Scheiben abgab. Ihr erster Verein war die WSG "Jenny Marx" Salzwedel. Bereits zwei Jahre zuvor fand ihr älterer Bruder Marcus, nachdem er sich auf dem Mittelaltermarkt damit vertraut gemacht hatte, Gefallen für diese Sportart und schloss sich der WSG an. "Ich war beim Training und auch ab und an bei Wettkämpfen dabei", erinnert sich die auf Anhieb begeisterte 17-Jährige zurück. Sie zögerte nicht lange und meldete sich ebenfalls in der Hansestadt an. An ihre ersten Züge kann sich die Westaltmärkerin noch genau erinnern. "Das war eigentlich ganz lustig. Ich musste mich erst einmal an die Technik gewöhnen, zudem war der Bogen sehr schwer. Es hat trotzdem Spaß gemacht", erklärt Cynthia Freywald mit einem Schmunzeln.

Frederick unterbreitet das Sportschul-Angebot

Es dauerte auch nicht lange, bis Freywald dann auch ihre ersten Wettkämpfe bestreiten durfte. Sie machte sich über die Jahre hinweg einen Namen - auch über die Ländergrenzen hinaus. So war es nicht verwunderlich, dass dem Teenager vor vier Jahren die Möglichkeit eingeräumt wurde, auf die Sportgesamtschule nach Berlin zu wechseln. "Die Koordination zwischen Schule und Sport hat nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Darunter hat meine sportliche Leistung doch sichtlich gelitten", verrät die Westaltmärkerin. Martin Frederick, ehemaliger Bundestrainer, trat damals an die junge Sportlerin aus Siedendolsleben heran und unterbreitete ihr das Angebot, in die Hauptstadt zu wechseln. Dieses nahm Cynthia Freywald mit Blick in die Zukunft dankend an.

Mittlerweile muss die 17-Jährige täglich ein straffes Programm bewältigen. Um 8 Uhr morgens beginnt der Tag für Cynthia mit einer zweistündigen Trainingseinheit, anschließend wird die Schulbank gedrückt. In den Abendstunden steht zusätzlich Athletiktraining auf dem Programm, wobei unter Anleitung spezieller Sportschultrainer Kraft und Ausdauer gefragt sind. "Es war auf jeden Fall der richtige Schritt. Mein Ziel war und ist es, mit dem Sport weiterzumachen und vielleicht auch mal Deutsche Meisterin zu werden", verrät die Bogenschützin.

Ein weiteres Ziel hat Cynthia Freywald bereits vor gut drei Monaten erreicht. Im August ging es mit der Nationalmannschaft nach Nanjing zu den Olympischen Jugendspielen. "Ich habe erst kurz vorher von meiner Nominierung erfahren. Ich war überrascht, konnte es zuerst gar nicht glauben", gibt die 17-Jährige zu. Natürlich ging für die junge Westaltmärkerin damit ein Traum in Erfüllung. Nach dem Flug nach China ging die Reise in ein "riesiges Dorf", wie Cynthia schildert, in dem die Athleten während ihres Olympia-Aufenthaltes wohnten. "Es war alles sehr gut vorbereitet, gerade die Atmosphäre war super. Das muss man einfach mal mitgemacht haben", denkt Freywald immer noch gern zurück.

Bevor es allerdings richtig ans Eingemachte ging, standen für Cynthia Freywald und ihre Teamkollegen noch knapp zwei Wochen Training in Asien auf dem Programmplan. Insgesamt befand sich die Mannschaft 17 Tage lang in Nanjing, die Wettkämpfe fanden allerdings nur an den letzten vier Tagen statt. Während es im Einzel für Cynthia eher mäßig lief, wie sie selbst zugibt, trug sie im Mixed mit dem Recurvebogen zusammen mit ihrem malaysischen Partner Muhamad Sarif Syahiir Zolkepeli einen großen Erfolg davon. Dabei sicherte sie sich nämlich nach einem starken zweiten Platz die Silbermedaille. Im Finale musste sich das Duo Jiaman Li (China) und Luis Gabriel Moreno (Philippinen) mit 0:6 beugen, doch auch so war es für Freywald ein großer Erfolg. Da kam sogar der Präsident des Deutschen Sportbundes, Heinz-Helmut Fischer, ins Schwärmen. "Es ist begeisternd zu sehen, wie unsere jungen Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Jugendspielen abschneiden. Meine herzliche Gratulation an Cynthia Freywald", wird Fischer auf der DSB-Homepage zitiert.

Auch im Team von Bundestrainer Viktor Bachmann fühlt sich Cynthia pudelwohl. "Ich verstehe mich mit meinen Kollegen gut, mit einigen bin ich auch zusammen im Verein aktiv", erklärt die 17-Jährige. Für den BSC BB-Berlin ist sie in der Junioren-Mannschaft (C-Kader) aktiv. Wenn es der Terminplan zulässt, geht die Westaltmärkerin allerdings auch für die SGi Groß Apenburg an den Start. Ihr Vater Holger Neuhaus arbeitet in der noch blutjungen Sparte als Trainer. "Es ist noch alles neu und im Aufbau. Doch die Voraussetzungen sind gut", spricht Freywald über die Schützengilde in Apenburg. Trainieren kann sie dort aber lediglich in der Ferienzeit.

2014 sehr erfolgreiches Jahr für den Teenager

Für die Zukunft hat sich Cynthia Freywald noch einige Ziele gesteckt. "Zunächst einmal möchte ich natürlich im Verein weiterhin erfolgreich bleiben. Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen für Erwachsene wäre für mich auch ein Traum. Doch ich muss aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr unter Druck setze", erklärt die 17-Jährige. Stichwort "Druck": Mit dem kommt der Teenager in der Hauptstadt bisher gut klar. "Ich mache in diesem Schuljahr mein Abitur, das hat für mich auch erst einmal Vorrang", verrät Cynthia, die, von ihrer neuen Liebe Meikel beflügelt ("Er unterstützt mich viel"), ein herausragendes Jahr hinter sich hat. Neben der Silbermedaille in Nanjing wären da auch noch die Hallenlandesmeisterschaft, die Deutsche Hallenmeisterschaft, der fünfte Platz bei der Hallenweltmeisterschaft und der zweite Platz mit der Mannschaft bei der Junioren-Europameisterschaft zu nennen.

An eine Rückkehr in die Westaltmark ist momentan zwar nicht zu denken, wäre für Freywald aber irgendwann durchaus eine Option. "Ich kann mir das schon vorstellen", sagt die junge und ehrgeizige Sportlerin. Die bedankt sich auch noch einmal ausdrücklich bei ihren Förderern. Dazu zählt sie ihre Eltern Holger Neuhaus und Angelika Freywald, ihren Bruder Marcus Freywald sowie aber auch den ehemaligen Bundestrainer Martin Frederick, Sportschultrainerin Irene Abel und den aktuellen Bundestrainer Viktor Bachmann. Womöglich haben sie auch dafür gesorgt, dass mit Cynthia Freywald gerade eine neue deutsche Bogensporthoffnung heranwächst.

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