Zum Start ins neue Jahr unternimmt der passionierte Magdeburger Volksläufer Bernd Biedermann einen etwas anderen Rückblick auf die Stadtranglistenläufe 2013.

Magdeburg l "Jetzt Fan auf Facebook werden!"

Immer wenn ich das City Carrè betrete, lese ich an den gläsernen Pendeltüren diesen Aufruf mit dem Daumen nach oben. Fan werden ist heute sehr einfach, schon in wenigen Sekunden kann ich es von allem Möglichen sein, muss im World Wide Web nur auf "Gefällt mir" klicken. Dabei heißt es bei Wikepedia, dem Schlaumeier im Internet: "Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu ..."

Sieben Jahre wird seit dem Neustart der Stadtrangliste anno 2007 nun schon um Wertungspunkte gelaufen und genau so lange schreibe ich diesen Jahresrückblick. Da darf ich mich ohne Wenn und Aber Fan dieser Laufserie nennen.

Läufe im Netz

Nun will ich mal testen, wie dies im Netz aussieht.

Versuch Nr. 1: www.stadtrangliste-magdeburg.de

Sehr wenig Inhalt, wichtig jedoch die Verknüpfung zu den Ergebnis- und Wertungslisten auf EPZ-online.

Mit dem Elbe-Brücken-Lauf beginnt traditionell die Stadtrangliste, ebenso mein Test der insgesamt acht Veranstaltungen.

Und ich werde sofort fündig, kann problemlos Fan werden, wenn ich jetzt "Gefällt mir" drücke.

Dann mal los.

Ein Klick und schon bin ich Fan Nummer 105 des Rennens über neun Brücken.

Also weiter im Text - pardon, Test.

Beim Herrenkrugparklauf stoße ich ebenfalls auf das f-Symbol, aber die zugehörige Seite ist leer.

Ansonsten Fehlanzeige, Fehlanzeige, Fehlanzeige - nix Facebook, selbst nicht beim großen Event zwischen Dom und blauem Kreuz, dem Magdeburg-Marathon.

Eine gewisse Ausnahme bildet der Stadtteillauf im Kannenstieg, denn der gastgebende Leichtathletikverein Einheit ist bei Facebook.

Was zeichnet einen Anhänger sonst noch aus?

Wenn ich an die grün-roten SCM- und die blau-weißen FCM-Fans denke, sind es vor allem drei Dinge: Trikot, Schal, Mütze.

In meinem Kleiderschrank, Abteilung Sport, sehe ich die blauen Shirts vom Stundenlauf mit Musik in Ottersleben und vom HSV Medizin Magdeburg, dem Veranstalter des traditionellen Hopfengarten-Pokallaufes. Das schwarze Trikot stammt vom Sudenburg-Lauf, das lindgrüne vom Elbe-Brücken-Lauf, beide erstanden, besser erlaufen, beim jeweiligen zehnjährigen Jubiläum.

Noch ein blaues liegt bescheiden dazwischen, obwohl es ein besonderes ist. "Seit 10 Jahren erfolgreich auf der Strecke!" ist darauf zu lesen. Jeder der jährlich beim Magdeburg-Marathon startete, erhielt es am Vorabend der Veranstaltung auf der großen Bühne in der Messehalle.

Dieses Funktionsshirt war nicht käuflich zu erwerben, schon deshalb ist es für mich etwas Besonderes.

Trikots sind also reichlich vorhanden

Und wie steht\'s mit Schal und Mütze?

Beim Schal muss ich nicht lange überlegen, denn mit den Startunterlagen erhielt jeder Teilnehmer des letztjährigen Magdeburg-Marathons einen hellblauen Schlauchschal mit dem Logo der Veranstaltung.

Schwieriger ist es mit Mützen. Mir fällt im Moment keine ein, weder mit Pudel noch mit Schirm. Aber immerhin könnte ich bei Frost oder Wind den Schlauchschal über Kopf und Ohren ziehen. Fantastisch.

Wer ist Fan?

In der Fußballszene wird seit langem kontrovers über Böller und Pyrotechnik diskutiert. Die Chaoten in und außerhalb der Fußballstadien, die Bezeichnung Fan ist hier völlig unangebracht, sollten zu Strafrunden verurteilt werden, da Laufen Aggressionen abbaut.

Für den Böllerschuss am Start in der Herrenkrugstraße wird hoffentlich eine behördliche Genehmigung vorgelegen haben.

Ansonsten sind Kracher und bengalische Feuer in Läuferkreisen kein Thema. Ebenso das Vermummungsverbot, denn bei Temperaturen um +4°C, mussten sich zu Silvester weder Aktive noch Zuschauer vermummen.

Fans standen auch entlang der Strecke, spendeten Beifall, selbst auf Trommelwirbel ähnlich dem hinterm Handballtor in der Getec-Arena mussten wir Läufer nicht verzichten. Nur ein Beispiel: Vor dem Hundertwasserhaus im Breiten Weg feuerten uns Schüler der IGS Willy Brandt stimmungsvoll an. "WIR TROMMELN EUCH INS ZIEL!" konnte ich im Vorbeilaufen lesen.

Hinsichtlich Facebook, Twitter u.ä. ist die Gesellschaft gespalten. Dass diese durchaus nützlich sein können, hat die zweite "Jahrhundertflut" innerhalb von elf Jahren bewiesen. Unbestritten können soziale Netzwerke schnell unsozial werden, nämlich dann, wenn nur noch über Computer kommuniziert wird. Teilnehmer der Stadtrangliste können nicht vereinsamen, denn mit der Ehrungsveranstaltung stehen jährlich schon mindestens neun Termine mit Gleichgesinnten im Kalender.

Deshalb möchte ich mit einem Aufruf enden:

"Werde Fan! Lauf mit!"

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