Dem Fermersleber SV 1895 wachsen die Energiekosten über den Kopf. Nachdem sich der Vereinsvorstand an die Stadtverwaltung gewandt hat, sollen die Gewichtheberhalle und das Sozialgebäude der Fußballer am Platz der Freundschaft abgerissen werden. Dagegen gibt es Proteste.

Fermersleben l Die Gewichtheber des FSV 1895 machen sich angesichts des drohenden Verlustes ihrer Trainingsstätte stark. "Wir haben hier alles, was wir für unsere Sportart brauchen. Und wenn der Gesamtverein mit den Energiekosten nicht klarkommt, dann müssen sich auch andere Abteilungen Gedanken machen. Wir Gewichtheber verursachen gewiss mit die wenigsten Kosten", sagt Gewichtheber-Abteilungsleiter Jens Kabbe, der einen Abriss der Gewichtheber-Trainingsstätte unbedingt verhindern will und zu bedenken gibt, jedes FSV-Mitglied könne doch künftig einen sogenannten "Strom-Groschen" zahlen.

Ausgangspunkt des Ärgers bei den Fermerslebern ist ein Hilferuf des Vorstandes an die Stadtverwaltung wegen immens hoher Energiekosten für den Sportkomplex an der Schönebecker Straße. Kerstin Richter, Fachbereichsleiterin Sport und Bäder bei der Stadtverwaltung, beziffert die Höhe der Bewirtschaftungskosten mit 113 600 Euro allein im vergangenen Jahr und hält fest, die Stadt würde jährlich mit 70 000 Euro dem Verein unter die Arme greifen: "Ein guter Grund dafür, dass wir mit im Boot sind."

Eine von einem unabhängigen Planungsbüro erstellte Studie, die im Oktober 2013 auf der Jahreshauptversammlung des FSV vorgestellt wurde, hatte als erste Einsparmaßnahme zur Folge: Die energie-intensive Sauna wurde geschlossen und ein privater Betreiber übernahm die Tennisanlage.

Darüber hinaus sollten in der seit Jahren leerstehenden Gaststätte "Neue Halle" Umkleide- und Sanitärbereiche einziehen und die Gewichtheber künftig dort ihrem Hantelsport nachgehen. Das durch den Umzug frei werdenden Sozialgebäude der Fußballer, einschließlich der Sportgaststätte "Kicker", und die derzeitige Gewichtheber-Trainingsstätte könnten dann abgerissen werden.

Vor Wochenfrist, so Kerstin Richter, hätten sich Sportamt und FSV-Chef Henning Bartels verständigt, dass zwar der Umzug der Gewichtheber in die frühere Gaststätte mittelfristig machbar sei, sie jedoch vorerst in ihrer Trainingsstätte verbleiben könnten, da sie sich bereiterklärt hätten, die Kosten selbst zu stemmen. Elektro-, Wasser- und Heizungszähler würden sofort installiert. Richter: "Damit kann die Stadt für die Übergangsperiode gut leben." Derzeit bereite die Verwaltung die Förderanträge und einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates zu diesem Themenkomplex vor. Richter weiter: "Allen muss klar sein, dass wir über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren reden."

Während der FSV-Vorsitzende Henning Bartels nach Rücksprache mit der Stadtverwaltung salomonisch formuliert: "Wir haben eine Lösung gefunden, mit der der Verein leben kann", erhärtet Klaus Busse die Kritik. Der stellvertretende Chef der Abteilung Gewichtheben legt nach: "Wir wollen unsere bisherige Trainingsstätte unbedingt behalten. Kein Gewichtheber ist bereit umzuziehen." Dem einstigen Bauleiter kommen "erhebliche Zweifel wegen des schlechten Zustandes der früheren Gaststätte "Neue Halle", mit ihren 73 Quadratmetern Fensterfront, der 150 Quadratmeter Wand und dem Terrasseneingang aus den 70er Jahren, von einer möglichen Schadstoffbelastung ganz abgesehen".

Noch Anfang Februar wollen FSV-Vorstand und Gewichtheber-Abteilungsleitung versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.