Von Janette Beck

Cracau l Lange hat sie ihre strahlendblauen, von Lachfältchen verzierten Augen davor verschlossen und es "ganz weit weggeschoben" - und doch ist er am heutigen Freitag, unwiderruflich gekommen: Der allerletzte Arbeitstag von Renate Herfurth.

Renate wer? Diese Frage ist berechtigt, denn in der Orthopädischen Uniklinik, in der Sportmedizin am Olympiastützpunkt und erst recht auf den Fußballplätzen in Magdeburg und Umgebung kennen alle die 65-jährige Blondine nur als "Schwester Reni". Sie ist die immer gutgelaunte "gute Fee im weißen Kittel", wie Kugelstoß-Europameisterin Nadine Kleinert sie liebevoll nennt, bei der es immer ein Lächeln auf Rezept gab. Die "erste Hilfe" am Spielfeldrand, die Tag und Nacht in Bereitschaft war - und das nicht nur für zig Olympiasieger oder Weltmeister.

Die ersten beruflichen Schritte gehen ins Jahr 1968 zurück. "Irgendetwas mit Kindern sollte es sein. Also begann ich an der Fachschule in Magdeburg eine dreijährige Ausbildung zur Kinderkrankenschwester", blickt "das Kind vom Dorpe" zu den Anfängen zurück. Nach erfolgreichem Abschluss kümmerte sich die gebürtige Üllnitzerin drei Jahre in der Kinderklinik in Calbe/Saale um ihre kleinen Patienten. Und noch ein prägendes Ereignis fällt in diesen Zeitraum: 1969 bei einem Urlaub am Goldstrand in Bulgarien lernte Reni ihren Ehemann Frank kennen. "Seitdem wurde der Sport, speziell aber der Fußball, in meinem Leben groß geschrieben. Dabei bin ich selbst ein Sportmuffel", lacht die Blondine, in deren Adern durch ihr langjähriges Wirken beim FCM "mit Sicherheit blau-weißes Blut fließt", wie ihre langjährige Kollegin Silvia Randel vermutet.

Als 1971 die sportärztliche Hauptberatungsstelle in Magdeburg eine Fachkraft suchte, hob die "sportinfizierte" Krankenschwester sofort die Hand. 1978 folgte der Wechsel in die Sportmedizin am Fußballstadion, wo sie bis heute als gute Seele wirbelte. Über 20 Jahre war "Schwester Reni" die rechte Hand von Oberärztin Birgit Hoffmeyer: "Wir haben uns blind verstanden. Reni verstand es auf wundersame Weise, Türen zu öffnen. Ein Anruf, und schon war der Termin gebongt. Ich weiß gar nicht, wie ich ohne sie auskommen soll."

In ihren Ruhestand nach 46 Arbeitsjahren in einem "absoluten Traumjob" nimmt Reni viele schöne Erinnerung mit. Eine davon ist die an die erste Spritze für einen Sportler: "Die habe ich einem muskelbepackten Boxer verpasst. Da war die dicke Nadel hinterher total verbogen, weil ich zu zaghaft rangegangen bin."