Magdeburg l Für Überraschungen ist der echte Elbröwer Rainer Bode immer zu haben. So sieht man ihm die 60 Lebensjahre überhaupt nicht an. Recht früh überraschte er seine Familie mit einem Sportlehrerstudium an der PH Magdeburg, statt eine angedachte musisch-literarische Laufbahn zu beginnen.

Seine dortige Lehrkraft Dr. Griebsch erschreckte er bei der praktischen Ausbildung mit einem von ihm sehr weit geworfenen Diskus vom Sportplatz vor der Elbeschwimmhalle hinweg über die Otto-von-Guericke-Straße, ein Autodach, den Kopf eines Mopedfahrers in den Vorgarten des Altstädtischen Krankenhauses.

Während seiner Tätigkeit als Diplomlehrer für Sport/Geschichte wollte Bode in den Leistungssport wechseln. Die Ergebnisse der von ihm "nebenbei" trainierten Gewichtheber von Motor Südost sprachen dafür, sodass er die umkämpfte Trainerstelle bekam und die Sporthalle in der Freien Straße seine zweite Heimat wurde. Als Aktiver brachte es der Magdeburger zum "Stärksten Lehrling der DDR" und mit den Oberliga-Gewichthebern seiner BSG dreimal auf den Silberrang. Noch heute schmunzeln die Genannten über einen Volksstimme-Beitrag: "Die akademischen Gewichtheber Schluricke, Steffen, Bode und die Brüder Dr. Grüngreif DDR-Vizemeister!" Unvergessen bleibt das gemeinsame Training mit dem Olympia-Teilnehmer von Tokio 1964 im Kugelstoßen, Rudolf "Rupschi" Langer, der als Gast von den Spezialisten profitierte.

Neben den Zweitliga-Recken des Fermersleber SV entwickelten sich dann unter seiner fachkompetenten und emotionalen Leitung Steffen Richardt (8. bei der Junioren-WM), Sindy Weiser (Vizeeuropameisterin) u.a. zu Athleten internationalen Niveaus. 21 DDR- und Deutsche Jugendmeistertitel und noch mehr Bronzemedaillen "erhantelten" seine Sportler.

Durch seinen Ehrgeiz und sein sportmethodisch geschicktes Agieren avancierte Rainer Bode zum Bundes-Nachwuchstrainer, wurde eine verlässliche Größe im Olympiastützpunkt Rhein/Ruhr und die Überraschung bei der Besetzung der raren Trainerposten durch Ostdeutsche nach der Wende.

Erstaunlich war bereits Jahre zuvor die Wahl des 21-jährigen zum jüngsten Gewichtheber-Sektionsleiter in der DDR. Der gebürtige Buckauer übernahm von seinem Vorbild Otto Schmerder 288 Gewichtheber, Kraft-, Freizeit- und Fitnesssportler sowie Körperkulturisten, wie die Bodybuilder in der DDR genannt wurden. 27 Jahre führte er sie äußerst erfolgreich.

Nachdem er aus Sehnsucht zu Ehefrau Viola, Tochter Vivien und seiner Heimatstadt dem aufwändigen Trainerberuf den Rücken kehrte, hatte Bode 2003 das große Glück als Chefsozialarbeiter bei der Polizei in Magdeburg etwas völlig Neues beginnen zu können. Im Jugendhilfeausschuss, als Vorsitzender der Sportjugend der Stadt sowie Mitglied des Stadtsportbundes engagiert er sich jugendpolitisch. Ebenso im von ihm ins Leben gerufenen ALSO-Projekt, für das er zum Magdeburger des Jahres nominiert wurde. Dessen Berliner Nachahmer ehrte man sogar mit dem Bambi.

Der engagierte Bode ist in seinem Tatendrang nicht zu bremsen. Mit seiner Tochter Vivien erarbeitete er das Konzept "Bewegungsfördernde KITAS und Horte", um den Bewegungsdrang der Kinder rechtzeitig in richtige Bahnen zu lenken. "Deren motorische Schwächen resultieren aus der mangelnden Förderung und Forderung!", ist sich der Jubilar mit vielen Fachleuten einig. Volksläufe, Krafttraining, Sauna, überraschende Sprinteinlagen mit seinen nicht immer folgsamen Hunden oder plötzliche Ausflüge zum Kampfrichtern bei den Bundesliga-Hebern in Samswegen halten den humorvollen, hilfsbereiten und Wort gewandten Bode fit.