Magdeburg l Youngsters-Coach Bennet Wiegert freut sich natürlich über den Sprung an die Tabellenspitze, doch ist dem 32-Jährigen die individuelle Entwicklung seiner Schützlinge wichtiger als die Platzierung. Klar, will auch der frühere Bundesligaprofi möglichst jedes Spiel gewinnen, aber interessanter ist es für den jungen Trainer, seine Jungs zu fördern und zu fordern.

"Das Spielergebnis am Ende der Woche ist nur ein Teil der Arbeit in der Woche, und wir müssen jede Woche an uns arbeiten", so die Maxime von Wiegert, der die Youngsters nach der Beurlaubung von Dirk Pauling seit nunmehr einem Jahr betreut. Und seitdem hat sich das Team, unabhängig davon, ob man auf Platz eins, drei oder fünf steht, entwickelt.

"In unserem Tempospiel sind wir einen weiteren Schritt nach vorn gekommen, spielen jugendlich frischen Handball. In der Deckung können aber wir noch zulegen. Da bevorzugen wir natürlich die 6:0-Variante, weil sie auch das Premiumprodukt der ersten Mannschaft ist, wollen aber verstärkt daran arbeiten, die Abwehr immer auf die Ballseite zu docken. Aber eigentlich haben wir in allen Bereichen noch Steigerungspotenzial", ist sich Wiegert sicher.

Natürlich sieht auch der Coach die Schwankungen, wie sie bei der jungen Truppe oft sogar innerhalb eines Spiels vorkommen, fordert daher: "Jeder muss bis zum Ende durchziehen. Dabei dürfen sie Fehler machen, aber keinen Gang zurück schalten, oder gar Arroganz zeigen. Wir müssen ehrlichen Handball spielen."

Darum ist der Youngsters-Coach auch schwer zufrieden zu stellen, hebt aber eine Partie der Hinrunde doch besonders heraus: "Gegen Elbflorenz zeigte die Mannschaft ihr bestes Spiel." Das 34:23 gegen den vom Ex-Magdeburger Peter Pysall trainierten Spitzenreiter war in der Tat das Highlight im bisherigen Saisonverlauf. Da passte alles, wuchs die Truppe über sich hinaus.

Das erstaunte umso mehr, da die Youngsters eine Woche zuvor mit dem 28:29 in Groß Bieberau ihre erste und bislang einzige Niederlage kassierten. In den bisherigen 15 Spielen gab es neben der Niederlage bei der MSG Gr. Bieberau/Modau noch ein Remis (30:30 bei der HSG Rodgau Nieder-Roden), ansonsten nur Siege, wobei die SCM-Talente Nervenstärke bewiesen und gleich viermal die Nase mit nur einem Tor Differenz vorn hatten.

Das ist das Hopp oder Top, das Spektakel, das die Youngsters-Fans durchaus sehen wollen. Ein Garant dafür ist zweifelsohne Vincent Sohmann. Das 19-jährige SCM-Urgestein absolvierte nicht nur alle 15 Spiele, sondern warf mit 122 auch die meisten Tore, nicht wenige davon per Trickwurf. Die dynamische Spielweise des Elbestädters, der wie Alexander Saul an der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben studiert, brachte ihm mittlerweile vier Einsätze im Bundesligateam ein.

Wiegert sind aber nicht nur die Spieler des so genannten Perspektivteams wichtig, dem Trainer, nach eigenem Bekunden im Hauptberuf immer noch Jugendkoordinator des SCM, ist die Nachwuchsförderung ein inneres Bedürfnis. Darum klagt er auch nicht über eventuelle Ausfälle oder Abstellungen, sondern zaubert immer wieder neue A-Jugendliche aus dem Hut, die bei den Youngsters ihre Feuertaufe zu bestehen haben.

Wenn dann auch am Ende der Rückrunde Platz eins in der Tabelle herausspringen sollte, dürfte auch Trainer Bennet Wiegert nicht böse sein, obwohl die SCM-Zweite gar nicht aufstiegsberechtigt ist.

Bilder