Das Deutsch-Amerikanische Dialogzentrum Magdeburg ( DAZ ) steckt tief in finanziellen Schwierigkeiten. Dem Verein, der sich seit 2000 der Förderung der Beziehungen zwischen Magdeburg und den USA verschrieben hat, fehlen rund 24 000 Euro. Ursache ist der Vertrauensmissbrauch eines Vorstandsmitgliedes, das jahrelang Geld in die eigene Tasche gesteckt haben soll.

Magdeburg. Die Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung tauchten erstmals im Juni 2009 auf. Damals hatte Prof. Wolfgang Renzsch die Nachfolge von Uwe Küster angetreten. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Vereinsgründer Küster hatte sich – lange angekündigt – mit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag von der Vereinsspitze zurückgezogen.

Im Rahmen der Amtsübergabe erfolgte eine genauere Prüfung der Vereinsunterlagen. Dabei stellten sich Unregelmäßigkeiten heraus. Für mehrere Kontobewegungen gab es keine Belege. " Wir haben zunächst gedacht, dass es nur ein formales Problem sei und die Nachweise umgehend nachgereicht werden. Doch das war nicht so ", erläutert der Magdeburger Politikwissenschaftler Prof. Wolfgang Renzsch, der bis zu jenem Zeitpunkt bereits als Beisitzer im Verein tätig war.

Die weiteren Nachforschungen ergaben, dass der Verein über mehrere Jahre von einem seiner vertrauenswürdigsten Mitstreiter ausgenutzt worden sein muss. Das Vorstandsmitglied hatte geschickt zahlreiche Kleinbeträge vom Konto abgezweigt und die Nachweise verschleiert.

Jenes Vorstandsmitglied gehörte im Verein wegen seiner hervorragenden Beziehungen in die USA und zu Magdeburgs Partnerstadt Nashville zu den angesehensten Vereinsmitgliedern und hatte sich mit seiner Arbeit große Verdienste erworben. Er genoss deshalb großes Vertrauen.

Rechte Hand für das operative Geschäft

So wurde das Mitglied für den ehemaligen Vereinschef Uwe Küster sowie für alle Mitglieder des komplett ehrenamtlich geführten Vereins so etwas wie die rechte Hand für das operative Geschäft. Das Vorstandsmitglied besetzte das Büro, führte Korrespondenzen, vertrat den Verein nach außen, und es verfügte auch über einen Kontozugang.

Prof. Wolfgang Renzsch : " Weil es sich um ein so angesehenes Vereinsmitglied handelt, bestand zu keinem Zeitpunkt der geringste Verdacht. Alles lief gut. "

Das war eine Fehleinschätzung. Der wiederholte Griff in die Kasse durch das Mitglied bringt den 200 Mitglieder starken Verein jetzt an den Rand des Ruins.

Die ersten Leidtragenden sind drei Magdeburger Schüler. Sie hatten das jährliche Bewerberverfahren des Vereins um einen jeweils mit 5000 Euro dotierten einjährigen USAAufenthalt gewonnen.

Doch der Stipendien-Zusage Anfang Februar folgte wenige Tage später die Absage. Bei der weiteren Kassenprüfung hatte sich herausgestellt, dass das Vorstandsmitglied die insgesamt rund 18 000 Euro für den Stipendiaten-Jahrgang 2010 / 11 bereits für den Vorjahresjahrgang verwendet hatte. Damit wollte der Mann offenbar die Finanzsituation verschleiern. Das Geld stammt zudem von Sponsoren, hauptsächlich vom amerikanischen Konsulat in Leipzig. Damit erfährt die vermutete Veruntreuung auch eine politische Dimension. Zurück bleiben drei zutiefst enttäuschte Schüler aus Magdeburg und Hettstedt, die den USA-Aufenthalt nicht antreten können.

" Die Enttäuschung der Stipendiaten gehört für mich zu den schlimmsten Folgen der Angelegenheit. Vielleicht gibt es ja noch jemanden, der uns da einspringen kann. Wir können es nicht und haben keine Möglichkeit, die 18 000 Euro aufzubringen ", so Wolfgang Renzsch.

Nur ein Sponsor kann jetzt noch helfen

Große Entrüstung herrscht auch unter allen Vereinsmitgliedern. Prof. Renzsch. " Wir haben eine Anwaltskanzlei mit der Wahrung unserer Interessen beauftragt. "

Das Vereinsmitglied ist seit Bekanntwerden der Vorwürfe für den Verein und auch für die Volksstimme nicht erreichbar. Nach bisherigen vereinsinternen Ermittlungen handelt es sich um einen Schaden von mindestens 24 000 Euro bei einem Gesamtetat des Vereins von rund 22 000 Euro jährlich.

Wie es mit dem Verein weitergeht, ist unklar. Vorerst ruht das Vereinsleben bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge. Zudem ist unklar, wie sich Sponsoren und Förderer nach dem eklatanten Vertrauensmissbrauch eines Vereinsmitgliedes verhalten werden.

Zurück bleiben neben enttäuschten Vereinsmitgliedern auch die drei Schüler. Aus dem Schuljahr in den USA wird nichts. Es sei denn, es findet sich noch ein Sponsor, der dem Verein und damit den Schülern zumindest befristet aus der Klemme hilft.