Magdeburg. In betroffenen Kindergärten hängen inzwischen Schilder aus, die über das augenblicklich grassierende Noro-Virus in der Einrichtung informieren. Auch in Schulen, Altenpflegeheimen und auf Krankenstationen in Magdeburg grassiert das Virus der höchst unangenehmen Art : Es ruft heftiges Erbrechen und Dauerdurchfall hervor, sorgt für Unwohlsein auf der ganzen Linie. Da sich der Erreger spielend leicht und massenhaft vor allem durch Tröpfcheninfektion verbreiten kann, sind die Erkrankungen meldepflichtig.

" Bislang haben wir seit dem 1. Januar ingesamt 620 Infektionen registriert ", sagte gestern Dr. med. Eike Hennig, Leiter des Gesundheitsamtes, auf Volksstimme-Nachfrage. Festgestellt worden sei, dass sich darunter lediglich 96 Einzelerkrankungen befänden. Alle anderen Fälle seien, so Dr. Hennig weiter, in Gemeinschaftseinrichtungen aufgetreten.

Am häufigsten waren Infektionen aus Einrichtungen der Altenpflege gemeldet worden. Die betroffenen Personen haben sich untereinander angesteckt. Ca. 50 Prozent der Erkrankungen übrigens treffen Erwachsene, 30 Prozent Kinder.

Obwohl das Noro-Virus in der Regel nicht sonderlich bedrohlich ist, löst es vor allem bei Müttern von Kleinkindern Besorgnis aus.

Bei Säuglingen und Kleinkindern wird deshalb meist schnell der Arzt konsultiert. Eine verständliche Reaktion – es kann sich immerhin eine andere Krankheit dahinter verbergen.

Erwachsene können die Erkrankung oft in 12 bis 48 Stunden selbst überwinden – durch Flüssigkeitsausgleich ( Tee ) und Diät ( Zwieback ). Zumal gegen das Virus, das weltweit verbreitet und 1972 erstmals in Erscheinung getreten ist, derzeit noch " kein Kraut gewachsen " ist. Es gebe weder Medikamente noch Impfstoffe, erklärte Hennig. Allerdings ist das Virus nicht annähernd so gefährlich wie beispielsweise Salmonellen.

Das Magdeburger Gesundheitsamt tritt in Erscheinung, wenn Meldungen über die typischen Symptome aus Gemeinschaftseinrichtungen eintreffen. Dann sind Hygienemaßnahmen angesagt, hieß es. Sorgfältiges Händewaschen gehört dazu.

Das Gesetz schreibe vor, dass mit dem Noro-Virus infizierte Kinder unter 6 Jahren Gemeinschaftseinrichtungen nicht mehr besuchen dürfen, sagte Dr. Hennig. Nach der Genesung, also nach ca. zwei Tagen, können sie jedoch wieder in die Kita gebracht werden. Erwachsene, die in Lebensmittelberufen tätig sind, müssen pausieren. Dr. Eike Hennig versicherte, dass die seit Jahresbeginn insgesamt 620 registrierten Erkrankungen noch kein Grund zur Beunruhigung seien. In einer Stadt wie Magdeburg mit weit über 200 000 Einwohnern ist die Infektionsrate nicht überdurchschnittlich.

" Wir befinden uns noch immer auf dem Saisongipfel. In den Monaten Oktober und März können sich Erkrankungen häufen ", führte er aus. Mit der wärmeren Jahreszeit gehe die Häufigkeit zurück.
Allerdings lässt diese auf sich warten, wie der erneute Wintereinbruch zeigt.
Das Wohlfühlwetter für das Noro-Virus soll sogar noch längere Zeit anhalten.