Magdeburg. "Ich bin kein Weichei, bin am Donnerstag um 5.20 Uhr Richtung Magdeburg gefahren, habe mich der Mannschaft vorgestellt, mit dem Regionalligateam zweimal trainiert, mit dem Mannschaftsrat und einzelnen Spielern gesprochen, dann das Training der U 23 geleitet und zum Abschluss ein Sponsorengespräch gehabt", beschrieb Wolfgang Sandhowe gestern Abend während der Heimfahrt nach Potsdam am Telefon seinen ersten Arbeitstag als Cheftrainer des 1. FC Magdeburg.

Auch heute wird der 57-Jährige neben der ersten Mannschaft noch die U 23 auf dem Trainingsplatz betreuen, sich am Sonntag im Oberliga-Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena II (14 Uhr/MDCC-Arena, Platz 2) letztmalig auf die Trainerbank setzen. "Lothi (Mannschaftskapitän Christian Loth/d.A.) hat mich darum gebeten, da konnte ich nicht nein sagen." Einen Co-Trainer hatte Sandhowe ("Ich brauche keinen Hütchenaufsteller") während seiner Arbeit mit der FCM-Zweiten nicht.

Nun schnellstens einen neuen Trainer für die U 23 als Sandhowe-Nachfolger zu finden steht bei den FCM-Verantwortlichen ganz oben auf der Tagesordnung. "Es wird sich um eine vereinsinterne Lösung handeln", erklärte gestern Carsten Müller, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Mögliche Kandidaten könnten der Fußballlehrer selbst, aber auch U-19-Trainer Martin Hoffmann, der die zweite Mannschaft nach der Abberufung von Frank Siersleben im Frühjahr 2008 schon einmal für einige Wochen trainiert hatte, sein.

Müller hat derzeit möglicherweise andere Probleme, als bei der Trainerfindung für die U 23 aktiv mitzuwirken. Schon seit Wochenbeginn belagern Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes und der vom DFB beauftragten Agentur FootPass Deutschland das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des FCM, um die jährliche Zertikation zu erteilen. "Nur zehn deutsche Amateurvereine haben ein solches NLZ", erklärt Müller stolz. "Die werden jährlich kontrolliert. Da gibt es einen Abgleich von Theorie und Praxis. Das ist wie eine Lizenzierung. "

Angesichts der Abstiegsplätze, auf denen sowohl die U 23 in der NOFV-Oberliga Süd als auch die U 19 in der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost stehen, ist es verständlich, dass NLZ-Leiter Müller die individuelle Förderung von Talenten in den Fokus stellt. "Wir wussten schon vor der Saison, welche Situation auf uns zukommt", erklärte Müller gestern mit Blick auf die beiden Aushängeschilder des NLZ, meinte zur Lage der U 23: "Die sollte aufsteigen, wobei uns klar war, dass Unterstützung von oben nötig sein würde. Darum fallen wir nicht aus allen Wolken, wenn die Mannschaft in der jetzigen Tabellenposition auftaucht."

Ähnlich sieht der 39-Jährige die Situation bei den A-Junioren: "Die Zielstellung konnte von Anfang an nur Klassenerhalt lauten. Der Großteil der Mannschaft gehört dem jüngeren Jahrgang an. Es geht darum, dass die jungen Spieler Sicherheit gewinnen und Fuß fassen und wir ihnen eine Perspektive beim FCM aufzeigen."

Bei Philipp Blume und Nils Butzen scheint diesmal zu funktionieren, was im Zusammenhang mit dem Weggang von Thoralf Gennermann, Matthias Buszkowiak und Benjamin Girth im vergangenen Sommer nicht klappte.

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