Dass auch Fußballmannschaften unterer Ligen ihre treuen Anhänger haben, bewiesen am Wochenende die ehemaligen DDR-Meister Chemie Leipzig und 1. FC Magdeburg. Zum Freundschaftsspiel der Chemiker ( 13. Liga ) gegen die Club-Dritte ( 9. Liga ) kamen fast 850 Zuschauer, darunter 235 FCM-Fans.

Magdeburg. " Unsere treuen Fans, viele aus dem Block U, sind an uns herangetreten, baten bei Chemie Leipzig zu spielen. Da wir einen offenen Umgang miteinander pflegen, habe ich zugesagt ", erzählt Torsten Rohde, Trainer der FCM-Dritten, den die meisten FCM-Fans auch als Stadionsprecher kennen. So machten sich letztlich 250 Magdeburger am Sonntag mit dem Zug in die Messestadt auf, um ein Freundschaftsspiel zwischen einem Team aus der untersten Spielklasse ( 3. Kreisklasse ) und einem Neuntligisten zu verfolgen.

Chemie, 1951 und 1964 völlig überraschend DDR-Meister geworden, ist allerdings Kult in Leipzig, wie es nach der Wende weder Erstligist VfB oder " Chemie " -Nachfolger FC Sachsen schafften. Nachdem sich die Ultragruppe " Diablos " vor gut zwei Jahren vom FC Sachsen abwandte und der Ballsportgemeinschaft ( BSG, was zu DDRZeiten auch Betriebssportgemeinschaft hieß ) Chemie Leipzig anschloss, wagte diese in den untersten Niederungen der 13. Liga (!) einen Neuanfang.

Unterstützt wird das grünweiße Kultteam vom früheren Aufsichtsratsmitglied des FC Sachsen, Thomas Heier. Während sich der vom früheren Magdeburger Dirk Heyne trainierte FC Sachsen als " offizieller " Chemie-Nachfolger versteht, zog sich dieser aus verschiedensten Gründen den Zorn heutiger BSG-Fans zu. Nachdem Sachsen-Manager Winfried Lonzen der BSG verbot, im Alfred-Kunze-Sportpark, der früheren Chemie-Spielstätte, anzutreten, wich diese auf den gar nicht so weit entfernten, ebenfalls traditionsreichen Willi-Kühne-Sportplatz im Westen der Messestadt aus. Das Ganze erinnert schon ein bisschen an den FC United of Manchester, den von den Kommerz-Gebaren enttäuschte ManU-Fans gründeten und der mittlerweile bereits in der siebten englischen Liga spielt.

In das 3 500 Zuschauer fassende kleine Stadion luden die neuen Chemiker nun am Sonntag die FCM-Dritte ein, setzten sich am Ende nach drei Toren von Marko Blank mit 3 : 2 durch. Jan Stechbarth hatte die Elbestädter 1 : 0 in Front gebracht. Kevin Schubert traf zum zwischenzeitlichen 2 : 2. Über die gesamten 90 Minuten versuchten sich beide Fanlager, in der Unterstützung ihrer Teams zu übertrumpfen, selbst " Feuerwerker " kamen auf beiden Seiten auf ihre Kosten, dennoch blieb letztlich alles ruhig. Fans beider Teams übergaben anschließend sogar 400 Euro für das Leipziger Kinderhospiz.

Torsten Rohde, der gemeinsam mit Andy Köbernik die FCM-Dritte betreut, stimmt das Interesse für sein Team optimistisch : " Viele finden gut, dass es wieder eine FCM-Dritte gibt. " Auch gewisse Parallelen zum FC Sachen oder gar ManU sind unverkennbar. Der frühere FCM-Präsident Ingolf Nitzschke ist mit seinem Autohaus jetzt Trikotsponsor der Dritten.