In diesen Tagen feiert Magdeburgs älteste Volkssport-Laufgruppe ihren 35. Geburtstag. Hervorgegangen aus der Meilengruppe Rotehornpark gründete sich am 1. September 1978 die Laufgruppe der BSG Lok Magdeburg. Nach der politischen Wende fand die Laufgruppe, da keiner ihrer Mitglieder beruflich der Bahn angehörte, bei der SG Aufbau Elbe eine neue Heimstätte.

Magdeburg. Anfang der 70 er Jahre schwappte die Joggingwelle aus den USA und Westeuropa auch in die DDR und Osteuropa über. Die Erkenntnis, dass Laufen gesund ist, ist bekanntlich eine alte Weisheit und nicht an Ländergrenzen bzw. politischen Lagern gebunden. Auch der Autor gehörte damals zu den gelegentlichen " Alleinläufern ". Irgendwann im Herbst 1974 fand er einen Artikel in dieser Zeitung, in dem eine " Meilengruppe " unter der Überschrift " Lauf Dich gesund " um Teilnehmer warb. Jeweils am Sonnabendvormittag sollte im heutigen Stadtpark gelaufen werden.

Anfangs waren es bis zu 15 Enthusiasten, die sich regelmäßig trafen. Die meisten von ihnen waren über 40 Jahre alt und hatten den Ernst der Lage erkannt. Hermann Lösche, damals schon im Rentenalter, war die Seele und der Motor der Zusammenkünfte.

Vom Meilenlauf

zum Ranglistenlauf

Anfangs waren es ein bis zwei Kilometer, die im ruhigen Lauftempo absolviert wurden. Die Lauflänge wurde in Meilen gemessen. So hieß 1975 die Strecke von 1 975 Metern " Freundschaftsmeile ", ein Jahr später " Olympiameile ". Für je eine absolvierte Meile bekam jeder Teilnehmer einen Stempel in einen sogenannten Meilenpass. Auf diese Weise wurde die Begeisterung für das Laufen angeregt, da jeder so viele Stempel wie möglich haben wollte. So waren Laufstrecken von fünf und zehn Kilometern bald kein Problem mehr.

Was als " Meilengruppe Rotehornpark " begann, wurde am 1. September 1978 die Sektion Laufgruppe der BSG Lok Magdeburg. Inzwischen waren in vielen Orten solche Laufgruppen entstanden und damit ging der Wunsch einher, sich mit anderen Gleichgesinnten zu messen. Das erste Treffen dieser Art war der 1. Elbelauf in Arneburg, ausgerichtet von der auch heute noch aktiven Laufgruppe Haeder aus Stendal. Später kamen Läufe in Thale, Gommern, Wernigerode, Meisdorf und Wahrenberg hinzu.

Ab 1977 wagten sich dann einige Freizeitläufer auch an längere Strecken heran. Die berühmten Rennsteigläufe über 45 bzw. 75, später 65 Kilometer und einige Marathonläufe wurden in den Veranstaltungsreigen aufgenommen. Allerdings blieben die meisten Streckenangebote bei den bald eingeführten " Ranglistenläufen " weit darunter. In der Regel waren es fünf Kilometer für Frauen und zehn Kilometer für Männer. Auch die Laufgruppe der BSG Lok rief 1977 mit dem Magdeburger Stadtparklauf einen dieser Läufe ins Leben, der über 20 Jahre in Folge gestartet wurde.

Bis 1989 stieg die Mitgliederzahl auf 58 aktive Läufer, darunter 16 Frauen. Nach dem Fall der Mauer wurden es langsam, aber stetig weniger. Einige verließen arbeitsbedingt Magdeburg, andere schieden krankheits- bzw. altersbedingt aus. Da niemand bei der Bahn beschäftigt war, musste man die Zugehörigkeit zur BSG Lok aufgeben, fand aber in der SG Aufbau Elbe eine neue Heimstatt.

Lauffreudig

wie eh und je

Heute, nach 35 Jahren, zählt die Laufgemeinschaft noch 25 Mitglieder. Infolge des inzwischen erreichten Durchschnittsalters von 70, 8 Jahren nehmen nur noch wenige an Wettkämpfen um Platzierungen und Punkte teil. Jedoch treffen sich alle ein- bis zweimal in der Woche zum Laufen oder Walken im Stadtpark, wo man sich im Vereinshaus des SV Seilerwiesen umziehen und duschen kann.