Der Vizemeister der Sachsen-Anhalt-Liga 2015 präsentierte sich am letzten Saisonspieltag auch noch einmal als "Meister der Spannung". Gegen den HSV Magdeburg führte der SV Langenweddingen zur Pause mit 17:13, später sogar mit acht Toren Vorsprung - und doch: Am Ende erzielte Stefan Schult erst in letzter Sekunde das goldene Tor zum 21. Saisonsieg.

Langenweddingen l In Langenweddingen stand am Sonnabend alles für ein Handballfest zum Saisonabschluss bereit: Hüpfburg, Grillstand und eine volle Halle sorgten für den passenden Rahmen. Die zweite Mannschaft hatte mit ihrem Sieg im Duell mit der HSV-Reserve (26:24) die Stimmung angeheizt.

Dennoch waren es die Magdeburger, die das erste Tor erzielten. Der SVL glich allerdings umgehend aus und legte dann selbst durch den in der Anfangsphase starken Matthias Knorr vor. Beim 3:3 gelang den Gästen der vorerst letzte Ausgleich. Danach setzte sich die Mannschaft von Trainer Markus Deinert ab. Tim Heine erzielte mit dem 5:3 in der sechsten Minute die erste Zwei-Tore-Führung. Beim 10:7 und 11:7 (18.) bauten er und Ricardo Schult den Vorsprung aus. Für weitere Treffer sorgten außerdem Stefan Schult, der alle fünf Siebenmeter in diesem Spiel verwandelte, und Tobias Deutscher. In die Pause ging es dann mit einer 17:13-Führung, weil der starke Matthias Krüger im SVL-Tor den letzten HSV-Wurf parierte.

Nach dem Seitenwechsel setzte sich das erfolgreiche SVL-Spiel zunächst fort. Beim 22:14 und 23:15 betrug der Vorsprung schon acht Treffer - die Vorentscheidung schien gefallen.

Doch nicht zum ersten Mal in dieser Saison begannen die Sülzetaler zu schludern. Fehlpässe und hektische, ungenaue Abschlüsse seitens der Gastgeber sorgten dafür, dass die Magdeburger den Rückstand langsam verkürzen konnten. Mit den A-Junioren Michel Poek und Moritz Leo, die insgesamt zehn Treffer erzielten, und natürlich Rückraum-Shooter Michael Jahns, der trotz zeitweiser Manndeckung zwölf Mal traf, gelang ihnen ein Lauf vom 28:23 zum 28:27. SVL-Coach Markus Deinert reagierte mit einer Auszeit.

Mit einer tollen Parade konnte in der 57. Minute, beim Stand von 29:28, der inzwischen ins Tor gewechselte Marc Illig dann den Ausgleich zunächst noch vermeiden. Und als Stefan (per Siebenmeter) und Ricardo Schult zum 31:29 trafen, war schon ein Aufatmen zu vernehmen.

Die letzten Sekunden galt es dann allerdings in Unterzahl zu überstehen, denn Jörg Friedrich kassierte seine dritte Zwei-Minuten-Strafe. Glatte Rote Karten hatten zuvor schon der Magdeburger Torhüter Matthias Wiesner (55., 29:27) und Michael Marquardt (45., 25:20) gesehen.

Die Gäste nutzten ihre Überzahl zu zwei schnellen Toren. So schnell, dass das Kampfgericht nicht mehr hinterherkam. Laut Anzeigetafel und Protokoll stand es sechs Sekunden vor Spielschluss 31:30, doch der laute Jubel der HSV-Fans über den Treffer von Michael Jahns zeigte an: das war der 31:31-Ausgleich! Mit einem beherzten Sprungwurf gelang Stefan Schult jedoch in letzter Sekunde das 32:31, so dass es am Ende statt Diskussionen einen verdienten Sieger gab.

Nach Übergabe der Silbermedaillen für Platz zwei in der Landesmeisterschaft durfte der Last-Minute-Sieg dann ausgelassen gefeiert werden, zur Beruhigung der Nerven gab es das ein oder andere Kaltgetränk.

SV Langenweddingen: Krüger, Illig - C. Bzdok, Stark, R. Schult (5 Tore), Scheller, Knorr (4), Hohmann (1), Friedrich (1), Deutscher (8), Heine (3), Rohr (1), St. Schult (9).

Zeitstrafen: SVL 5; HSV 3.

Rote Karten: SVL 1 (3x2-Minunten); HSV 2.

Siebenmeter: SVL 5/5; HSV 4/5.