Seit der Winterpause gehört André Schwabe wieder zum Stamm des Fußball-Verbandsligisten Oscherslebener SC. Sportredakteurin Stefanie Brandt unterhielt sich mit dem Abwehrspieler.

Volksstimme: Herr Schwabe, Sie haben schon einmal für den OSC gespielt. Wann war das und in welcher Liga?

André Schwabe: Das war bis vor vier Jahren. Zuletzt in der Landesliga unter Trainer Roland Zahn. Ich habe dann mein Studium beendet und bin ins Ausland, war in Indien und Chile.

Volksstimme: Haben Sie dort auch Fußball gespielt?

André Schwabe: Ja, aber nicht wettkampfnah. In Chile war eine schöne Anlage von Marcelo Salas, einem ehemaligen Profifußballer. Dort konnte man kleine Kunstrasenplätze mieten. Ich habe dort mit Freunden gespielt, auch an Turnieren teilgenommen. Aber richtiges Training gab es nicht. Man kann also sagen, ich habe vier Jahre Pause gemacht.

Volksstimme: Wieso jetzt die Rückkehr zum OSC?

André Schwabe: Ich wollte ja erst nur ein halbes Jahr in Indien bleiben und dann zurückkehren, habe aber dort meine Frau kennengelernt. Sie ist Kolumbianerin und wollte nach Chile. Ich bin mitgegangen. Jetzt, nach paar Jahren, will man aber doch zurück zur Familie. Ich habe mich also auf eine Stellenausschreibung in Oschersleben gemeldet, das hat geklappt und deshalb bin ich zurück. Ein anderer Verein als der OSC kam für mich nicht in Frage. Ich spiele ja schon mein Leben lang hier und habe keine Ambitionen noch groß herumzuwandern.

Volksstimme: Seit der Winterpause haben Sie fast jedes Spiel bestritten, stecken also wieder voll drin im Team. War es schwer, sich zu integrieren?

André Schwabe: Ich hatte schon im Sommer 2009 für ein Spiel ausgeholfen, damals noch unter Roland Zahn. Da habe ich zum Beispiel Sven Hieronymus, Robin Schütte und Daniel Hoffmann schon kennengelernt. Jetzt sind noch einige junge Spieler dazugekommen. Diese sind sehr zugänglich und Tino Stich und Tom Klare kenne ich schon ewig. Ich bin ja nun der Älteste. Vom Training her war das am Anfang schon wieder ziemlich viel, dreimal pro Woche plus ein Spiel. Aber jetzt bin ich in dem Rhythmus wieder drin.

Volksstimme: Ist es eine andere Rolle als früher, die Sie als älterer Spieler einnehmen?

André Schwabe: Ja, natürlich. Als ich weggegangen bin vom OSC, war ich in der Viererkette verantwortlich. Jetzt ist da Norman Zydorek, der mich anleitet und viel dazugelernt hat. Ich versuche mich in das Spiel, besonders was das Taktische und die Motivation im Spiel angeht, einzubringen, so dass die jungen Spieler in manchen Situationen nicht gleich den Kopf hängen lassen. Meine Rolle ist es, zu spielen und die anderen zu motivieren.

Volksstimme: Finden Sie, dass sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat, oder ist das noch "Ihr" Verein?

André Schwabe: Zum einen ist mittlerweile ein anderer Trainer da, der natürlich seine Konzepte hat und einbringt, der aber auch sehr offen ist und einiges von seinem Vorgänger weiterführt. Des Weiteren hat zum Beispiel Sven Lehmann aufgehört zu spielen und Monika Kasten hat ihre OSC-Gaststätte abgegeben.

Volksstimme: Wie bewerten Sie das Niveau der Liga?

André Schwabe: Naja, ich habe bisher nur ein paar Mannschaften gesehen. Ich denke, es gibt so die oberen fünf Teams, die ihr eigenes Niveau haben. Darunter ist alles schon eher schlagbar. Wir selbst sind gut in der Offensive aufgestellt mit Schütze, Klare, Hieronymus, Binsker und Backsmann. Aber die Mannschaftsdecke ist ein bisschen dünn. Wenn alle da sind und sich alle positiv heiß machen im Spiel - dadurch kann man unglaubliche Kräfte noch einmal freisetzen, Gegner beeindrucken und Zuschauer hinter sich bringen -, dann muss man sich überhaupt nicht verstecken. Und wenn man so gegen die Topmannschaften spielt und es vielleicht noch versteht, frech aufzuspielen, dann kann es wie in der Hinrunde auch Siege gegen den HFC oder den HSC geben.

Volksstimme: Wo sehen Sie die Gründe für die Schwächephase, mit der der OSC ins neue Jahr gestartet ist?

André Schwabe: In Oschersleben besteht immer noch das Problem mit den Trainingsmöglichkeiten im Winter. Im Vergleich zu anderen Mannschaften sind die schlecht, auch wenn jetzt auf dem Platz am Schwimmbad Rollrasen liegt. Wenn man im Winter nur auf einem kleinen Schotterplatz trainieren kann, ist es schwer am Abwehrverhalten und der Viererkette zu arbeiten. Man sieht ja, wie wir in den letzten Spielen die Gegentore gefangen haben.

Volksstimme: Was trauen Sie sich und der Mannschaft in der Rückrunde noch zu?

André Schwabe: Jeder muss bereit sein, sich zu quälen. Wenn besonders die jungen, talentierten Spieler noch zehn Prozent mehr von dem bringen würden, was sie eigentlich an Leistungsvermögen haben, dann ist auf jeden Fall eine ähnliche Rückrunde wie die Hinrunde möglich. Dabei dürfen wir aber nicht außer Acht lassen, dass eventuell auch die Zweite mal verstärkt werden muss.

Mein eigenes Ziel ist es, hinten eine konstante Leistung zu bringen. Ich war nie ein technisch überragender Spieler, dafür habe ich zu spät angefangen. Jedoch versucht man sich, auch jetzt noch, weiterzuentwickeln, zum Beispiel das linke Bein trainieren oder beim Mitspieler abschauen, wie der Situationen löst. Schön wäre es, wenn ich körperlich noch etwas zulegen könnte.