Die jährliche Statistik des Kreissportbundes (KSB)Stendal-Altmark macht auf Entwicklungstendenzen, aber auch auf Probleme aufmerksam, die sich in der kreislichen Gemeinschaft, aber auch in den Sportarten und den einzelnen Vereinen abzeichnen. Für den Jahreswechsel 2013/14 liegt sie nunmehr vor.

Stendal (red) l Zunächst fallen Minuszahlen auf. Im Vergleich zum 1. Januar 2013 gab es exakt zwölf Monate später insgesamt 38 Mitglieder weniger im KSB.

Bekannt ist, dass die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Stendal ebenfalls in den letzten Jahren durchweg mit relativ dicken Minuszeichen besetzt ist. Vom 1. Januar 2013 bis zum 1. Januar 2014 ist die Einwohnerzahl des Kreises um etwa 3500 zurückgegangen. Der Begriff "freier Fall" ist so verkehrt nicht.

Im Jahr 2008 gab es noch 125 000 Einwohner im Kreis, Prognosen des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt gehen für 2025 von nur noch 97 000 Bewohnern aus, die in unserem Landkreis wohnen werden.

Aus dem Minus wird ein Plus

Gegen diese rapide Negativentwicklung stemmt sich der Sport. Zum Vergleich: Der Anteil der im KSB organisierten Sportler an der Kreisbevölkerung betrug am 1. Januar 2013 15,11 Prozent, am 1. Januar 2014 jedoch 15,53 Prozent.

Das bedeutet, dass aus einem Minus für den KSB ein Plus geworden ist. Den Sportvereinen im Kreis gelingt es durch attraktive, relativ preiswerte Sportangebote, nicht zuletzt aber auch durch ihr sprichwörtliches "Vereinsleben", die Mitgliederzahlen relativ stabil zu halten.

Was die Altersstruktur angeht, setzte sich die Entwicklingstendenz der letzten Jahre fort, wie folgende Übersicht zeigt:

Altersgruppe 20132014

Kinder/Jugend73227048

Erwachsene (-60)79888033

über 6028543045

Die demographische Entwicklung wird durch die oben aufgeführten Zahlen für den kreislichen Sport praktisch unterstrichen. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen geht zurück. Dagegen wächst der der Erwachsenen bis 60 Jahre und insbesondere der noch älteren Sportler. Das ist eine ganz deutliche Entwicklungstendenz. In zehn Jahren etwa könnte die statistische Zahl statt bei 3000 schon bei 5000 Sportlern über 60 Jahre stehen.

BRS SV Stendal wächst und wächst und...

Der Behinderten-, Rehabilitations- und Seniorensportverein (BRSSV) Stendal ist mit derzeit 609 Mitgliedern der größte Sportverein im Landkreis. Gedanken, diesen Spitzenrang schnell wieder zu verlieren, sind nicht angebracht, wie der Mitglieder-Zugang von 70 innerhalb des letzten Jahres belegt. Das ist kein Zufall, denn der von Werner Heine geleitete Verein hat attraktive Angebote für seine Mitglieder entwickelt. Neben Bosseln und Sitzball (jeweils im Wettkampfbetrieb) gibt es neben derzeit elf Gymnastikgruppen zum Beispiel vier Tanzgruppen und allein 17 Wassergymnastikgruppen.

Ganz besonders die Zahl von 25 Übungsleitern mit Lizenz sagt sehr viel aus über die Stabilität, die dem BRSSV innewohnt. Die von der Mitgliederzahl hinter den Stendalern stehenden vier Vereinen repräsentieren praktisch den Norden (SG Seehausen), Süden (Germania Tangerhütte), Westen (TuS Schwarz-Weiß Bismark) und Osten (Preussen Schönhausen) des Kreises.

Handball und Volleyball bereiten Sorgen

Im Kreis gibt es insgesamt 13 sportliche Fachverbände, natürlich angeführt von den Fußballern, die innerhalb des letzen Jahres "zulegen" konnten.

Sorgen bereitet da insbesondere die Entwicklung in den Sportarten Volleyball und Handball. In beiden Fällen sind größere Minuswerte (-92, -34) zu verzeichnen.

Ein "Hoch" auf die Ehrenamtlichen

Das hat natürlich auch mit der demographischen Entwicklung zu tun. Insbesondere das Wegbrechen von Schulstandorten, die einmal die Basis für die Entwicklung von Mannschafts-Sportarten waren, kann als Ursache für den Rückgang bezeichnet werden.Beispiel: Mit dem Verschwinden der Arneburger Sekundarschule setzte das "Siechtum" der Handball-Tradition ein. Die Anfang der 2000er Jahre entwickelte Jungenmannschaft ist längst Geschichte, ihre Mitglieder über ganz Deutschland und seine Nachbarländer verteilt. Im Prinzip funktionieren - und das sehr gut - die drei Handball-Großstandorte SG Seehausen, HSG Osterburg und HV Lok Stendal sowie der "Außenposten" Preussen Schönhausen. Ansonsten aber hat sich die Sportart Handball von der Fläche verabschiedet. Die Entwicklung des Sports im Kreis Stendal ist, trotz einiger Probleme, ein Erfolgsgeschichte. Sie beruht in erster Linie auf dem Engagement tausender Ehrenamtlicher, denen ein großes Danke gilt.

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