"Premium Partner" der Real Madrid Foundation 2014, so darf sich der 1. FC Lok Stendal nennen. Diese Auszeichnung hat Jugendleiter Guido Klautzsch persönlich in der spanischen Hauptstadt entgegen genommen.

Stendal/Madrid l Um überhaupt nach Madrid eingeladen zu werden, musste einiges getan werden. Der 1. FC Lok richtete im Vorjahr in den Sommerferien erstmalig ein Fußballcamp im Stadion "Am Hölzchen" aus. Zustande gekommen ist das über den Kontakt zum ehemaligen Stendaler Kicker Khvicha Shubitidze, der der Koordinator für den Nordosten der Real Madrid Foundation ist. Im vergangenen Jahr gab es 50 dieser Camps. Für diesen Sommer gibt es 200 Bewerbungen.

Juniorkicker Florian Wendt stand vor dem großen Sprung

In der Stadt Stendal findet in diesem Jahr wieder ein Camp statt. Das ist vom 13. bis 17. Juli angesetzt. Von den 96 Plätzen ist schon gut die Hälfte vergeben.

Unter Anleitung der lizenzierten Trainer, Shubitidze wird als Leiter persönlich vor Ort sein, werden hier die Nachwuchskicker zwischen 6 und 14 Jahren einige Tage mit und ohne Ball auf höchstem Niveau trainiert. Dass sich die Teilnahme lohnen kann, zeigt das Beispiel von C-Junioren Kicker Florian Wendt. Er hätte fast den Sprung nach Madrid zum Vorspielen geschafft. Er belegte bei einer weiteren Veranstaltung nur den zweiten Platz und verpasste die Reise nach Madrid ganz knapp.

Der Weg dorthin wird in Zukunft durch die höhere Anzahl an Camps natürlich schwieriger. Die Königlichen lassen nichts unversucht, auch in Deutschland Talente zu sichten. Vielleicht wollen sie in Zukunft Ablösesummen, wie kürzlich für Toni Kroos gezahlt, einsparen.

Den deutschen Nationalspieler bekam Klautzsch beim Spiel gegen San Sebastian zu sehen und einen Tag später beim Besuch des Camps rauschte er mit seinem Dienst-Audi an ihm vorbei.

Kroos ist in diesem Jahr der Schirmherr für die Camps und wird sich in einer Videobotschaft an die Nachwuchskicker wenden. Die jungen Akteure werden natürlich wieder voll ausgestattet - mit original Kluft und Accessoires von Real Madrid.

"Das Internat sieht aus wie ein Fünf-Sterne-Hotel"

Apropos Madrid: Was Klautzsch auf seinem dreitätigen Trip zu sehen bekam, fasst er mit den Worten "gigantisch und Wahnsinn" zusammen. Das Ciudad Real Madrid (Real-Madrid-Stadt) einige Kilometer außerhalb der City, ringsherum ist nur Öde und Wüste, ist, wie es sich für einen königlichen Club gehört, ein Prachtbau.

"Das Internat sieht wie ein Fünf-Sterne-Hotel aus", sagt Klautzsch. Jede Mannschaft, von der U 8 bis zur U 19, hat ihren eigenen Platz mit Tribüne. Die Nachwuchskicker trainieren nur auf Kunstrasen, setzen die Philosophie von Real, das schnelle Passspiel, um. "Da hat keiner einen Rückpass gespielt", so Klautzsch.

"Das Internat gleicht einem Labyrinth und wenn man an die letzte Tür anfasst, bist du bei den Profis", fast Guido Klautzsch seine Eindrücke zusammen.

Auf dem umzäunten Gelände befindet sich noch das Stadion Alfredo di Stefano und ein kleine Arena. Ronaldo, Kroos und Co. trainieren auf einer Rasenfläche so groß wie drei Spielfelder.

Von diesen Bedingungen kann man in Stendal nur träumen. Gern hätten die Stendaler Kicker wenigstens einen Kunstrasenplatz (Volksstimme berichtete diese Woche im Lokalteil). "Wir haben zu wenig Hallenkapazitäten für Lok Stendal und die anderen Vereine. Unsere B-Junioren konnten überhaupt nicht in der Halle trainieren und sämtliche Plätze waren in den letzten Wochen gesperrt", beklagt er die Trainingssituation beim Nachwuchs. Dazu kommt der Wettbewerbsnachteil. "Wenn wir in den Süden fahren, hat jede Mannschaft einen Kunstrasenplatz. Die wissen, Stendal hat keinen und spielen dann darauf. Das ist für uns ein großer Nachteil. Wir brauchen in Stendal dringend einen Kunstrasenplatz und das bietet sich bei uns draußen an. Der soll natürlich auch von den anderen Vereinen genutzt werden", so die Worte des Lok- Jugendleiters, der sich für dieses Projekt vor den Karren spannt.

Klautzsch hofft trotz klammer Kassen, dass das Projekt Kunstrasenplatz mit Eigenanteilen des Vereins, Fördermitteln, Sponsoren und der Stadt Stendal anzuschieben ist und auf ein volles Camp im Sommer.

Dann ist vielleicht auch im nächsten Jahr wieder eine Reise nach Madrid möglich.

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