Aileen Quatz ist mit Jungen groß geworden - zumindest in fußballerischer Hinsicht. Fast 20 Jahre ist sie nun bereits im Geschäft und hat dementsprechend viel miterlebt. Noch immer schnürt die 32-jährige Miesterhorsterin selbst die Schuhe für die Bördekreisklasse-Frauen des SV Grün-Weiß Potzehne, greift aber auch als Schiedsrichterin in der Westaltmark zur Pfeife.

Miesterhorst/Potzehne l 13 Jahre alt war Aileen Quatz, als sie zum ersten Mal im Verein dem Ball hinterher jagte. Erfahrungen mit dem runden Leder hatte sie aber schon vorher gesammelt, als es mit Freunden nach der Schule auf den Bolzplatz ging. Mittlerweile hat sich Quatz im Altmarkkreis Salzwedel durchaus einen Namen gemacht. In der Frauenvertretung des SV Grün-Weiß Potzehne zieht sie im zentralen Mittelfeld die Fäden, zudem sieht man die 32-Jährige am Wochenende häufig auch als Schieds- oder Linienrichterin auf den Sportplätzen der Region.

Karrierestart in C-Jugend von Velsdorf/Mannhausen

Aileen Quatz ist in Mannhausen in der Börde aufgewachsen - ein Dorf, in dem früher viele Jungs wohnten, wie die Sportenthusiastin verrät. Kein Wunder also, dass Quatz aus "Gruppenzwang" - sicherlich aber auch aus Neugierde - regelmäßig mit auf den Bolzplatz ging, um mit den männlichen Altersgenossen zu kicken. Es entwickelte sich eine Begeisterung, die die heute 32-Jährige gar dazu bewegte, sich mit 13 Jahren den C-Junioren der SG Velsdorf/Mannhausen anzuschließen. Dort war sie zwar das einzige Mädchen, doch das machte der jungen Spielerin wenig aus. "Für mich war es nicht schlimm, für die Jungs auch nicht", erinnert sich Aileen Quatz mit einem Schmunzeln zurück. Zum Einsatz kam sie als linke Verteidigerin. "Ich konnte mich gegen die Jungs durchsetzen", erklärt Quatz noch immer mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. In der Mannschaft entwickelte sie sich zu einer festen Größe und war somit gewappnet für die nächste Aufgabe.

Mit ihrem 14. Lebensjahr wechselte die Fußballerin mit Leib und Seele zur SG Calvörde in die Frauenmannschaft - und betrat damit Neuland. "Das war natürlich schon anders. Ich war damals auch die jüngste Spielerin im Kader", erinnert sich die sympathische 32-Jährige zurück. Doch schnell etablierte sich die gebürtige Mannhäuserin in der SG-Truppe und blieb ihr sieben Jahre lang bis zu ihrer Auflösung treu. Anschließend war sie jeweils eine Spielzeit lang für den MTV Weferlingen sowie für ihren Heimatverein SG Velsdorf/Mannhausen aktiv, ehe es Aileen Quatz 2002 in die Westaltmark verschlug. Dort schloss sie sich der Damen-Vertretung aus Potzehne an. "Das war die einzige Mannschaft in der Nähe", begründet Quatz diesen Schritt. Bereut hat sie diesen bisher zu keinem Zeitpunkt. Sie wurde bei den Grün-Weißen gut aufgenommen und fühlt sich pudelwohl in der Mannschaft, mit der sie zwischenzeitlich sogar in der Landesliga auf Punkte- und Torejagd ging. "Mittlerweile sind wir eine erfahrene Mannschaft, in der ich schon zu den Ältesten zähle", kann sich die 32-Jährige ein Grinsen nicht verkneifen. Doch Alter schützt erfahrungsgemäß vor Toren nicht, was beispielsweise auch ein gewisser Miroslav Klose bei der Weltmeisterschaft in Brasilien noch einmal bewies. Aktuell spielt die Potzehner Truppe auf Kleinfeld in der 1. Bördekreisklasse und dort auch eine gute Rolle. Aileen Quatz hat ihre Heimat im zentralen Mittelfeld gefunden, wo sie aufgrund ihrer Übersicht und ihrer Passsicherheit auch nahezu ideal aufgehoben ist. Auch der Klub ist Quatz mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. "Das Vereinsleben ist sehr angenehm, ich fühle mich unheimlich wohl", schwärmt sie.

Kommunikation mit Spielern an vorderster Stelle

Aileen Quatz hat den Fußball so sehr in ihr Herz geschlossen, dass sie sich entschied, 2009 auch noch eine Laufbahn als Schiedsrichterin zu starten. Das hatte zwei konkrete Gründe: Zum einen suchte ihr Verein SV Grün-Weiß Potzehne seinerzeit Referees, zum anderen war Quatz "einfach neugierig". Auf eigenen Wunsch griff die mittlerweile in Miesterhorst wohnende Fußballerin ("Ich habe geäußert, dass ich es einfach mal versuchen möchte") zur Pfeife und startete vor fünf Jahren mit Altherren-Partien. Mittlerweile ist sie auch berechtigt, Herren-Spiele bis hin zur Kreisliga zu leiten. "Eine Partie der Damen habe ich allerdings noch nie gepfiffen", verrät die 32-Jährige. Doch auch im Bereich der Männer fühlt sich die Wahl-Westaltmärkerin alles andere als unwohl. "Ich empfinde es sogar als angenehm. Sie nehmen sogar ein wenig Rücksicht", sagt Aileen Quatz. Die Kommunikation mit den Spielern steht bei ihr an vorderster Stelle. "Meistens komme ich ohne Karte aus", erklärt die eher zurückhaltende Miesterhorsterin, die sogar bei Partien der Landesklasse häufig als Assistentin fungiert.

Die Fußballenthusiastin möchte noch so lange wie möglich aktiv im Geschäft bleiben und hofft, dass die Gesundheit dabei mitspielt. "Ich würde mich freuen, wenn die Potzehner Frauen-Vertretung noch lange bestehen bleibt. Das wird sicherlich immer schwerer", deutet Aileen Quatz darauf hin, dass die Grün-Weißen aktuell mit gerade mal zehn Spielerinnen sehr dünn besetzt sind. "Allerdings möchte auch niemand draußen sein", schmunzelt die 32-Jährige. "Ich möchte auch noch einmal gern erleben, dass wir den Sprung auf Landesebene schaffen. Doch das ist momentan fast utopisch", führt Quatz weiter aus. Auf Landesebene spielt bereits die erste Herren-Mannschaft Potzehnes. Für die erhofft sich Aileen Quatz, dass sie bald die Rückkehr aus der Landesklasse in die Landesliga schafft. Für dieses Ziel wird im Süden der Altmark natürlich hart gearbeitet. Für den SV Grün-Weiß Potzehne sowie auch für Aileen Quatz selbst gilt nämlich: Stillstand ist Rückschritt.