Wer an die SG Pretzier denkt, hat meist mit Sicherheit auch den Namen Mario Jesper im Hinterkopf. Der 42-Jährige verkörpert den kleinen westaltmärkischen Verein wie kaum ein Zweiter. Jesper spielt sowohl bei den Männern als auch bei den Altherren der SGP, zudem trainiert er die F-Junioren des Klubs.

Pretzier/Stappenbeck l Während sich die meisten Leute am Wochenende von der Arbeitswoche ausruhen, fängt dort für Mario Jesper der wirkliche Stress erst an. In sportlicher Hinsicht hat der Stappenbecker sonnabends und sonntags viel um die Ohren. Muskelkater ist am sonntäglichen Abend schon einprogrammiert, denn dann hat Jesper meist 160 Minuten Fußball hinter sich.

Bei den Herren schnell zur Stammkraft entwickelt

Das Spiel mit dem runden Leder hatte es Mario Jesper schon in frühester Kindheit angetan. 1980, als er sich gerade in der ersten Schulklasse befand, baute Jesper mit vielen seiner Freunde praktisch die Nachwuchsabteilung in Pretzier auf. "Wir waren die erste Jugendmannschaft überhaupt bei der SGP", erklärt der Westaltmärker. Trainer der Kinder-Truppe war seinerzeit Ottfried Buhmann, dessen Söhne Marian und Marko ebenfalls mitkickten. Mario Jesper fand seine Heimat auf der Verteidiger-Position. Und auch die SG Pretzier hätte der heute 42-Jährige am liebsten nie verlassen, doch in den 1980er Jahren hatte er keine andere Möglichkeit. Da Jesper in Pretzier als 14-Jähriger keine Spielmöglichkeit hatte, schloss er sich für zwei Jahre dem Diesdorfer SV an, mit dem er unter anderem in der Bezirksklasse unterwegs war.

Doch schon mit 17 Jahren führte der Weg des Stappenbeckers zurück nach Pretzier, wo er direkt bei den Herren einstieg. Dort entwickelte er sich schnell zur unverzichtbaren Stammkraft. "Zu Beginn habe ich als einer der Schnellsten vorn gespielt, mit Mitte 20 bin ich mit meiner Ballkontrolle ins Mittelfeld gerückt und heute werde ich mit meiner Erfahrung als Libero aufgeboten", erzählt Jesper seine Geschichte in der Herrenvertretung. "Ich mache jetzt natürlich viel mit dem Auge. Allerdings fühle ich mich generell noch jung und kann schon noch mithalten", erklärt der 42-Jährige, der mit den SGP-Männern in der Kreisliga eine gute Rolle spielt. "Ich gehe noch immer dahin, wo es wehtut. Ich bin schon noch ein Kämpfer", fügt der Westaltmärker an, der allerdings ab und an schon noch den Drang nach vorn hat. "Ich werde des Öfteren ermahnt, hinten zu bleiben", kann sich der Routinier ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Bei den Altherren in der Kreisliga kann sich Mario Jesper offensiv besser entfalten, dort ist er im zentralen Mittelfeld der Denker und Lenker. "Wenn man am Wochenende zweimal spielt, wie ich es meist tue, werden die Wege am Ende schon etwas schwerer", erklärt der 42-Jährige, der sich allerdings an die "Doppelbelastung" mittlerweile bestens gewöhnt hat. Für die SG Pretzier ist sich Jesper so schnell für nichts zu schade. "Ich bin nun schon über 35 Jahre dabei. Da ist man gebunden und kann nicht sagen: Ich gehe mal woanders hin", erklärt der Stappenbecker. Der ist bereits seit zehn Jahren auch Vorstandsmitglied bei der Sportgemeinschaft. "Als Sportwart bringe ich meine Ideen mit ein, wir haben uns im Vorstand generell in letzter Zeit verjüngt", verrät Jesper, der die Arbeit im Verein sehr lobend erwähnt.

Seit drei Jahren arbeitet Mario Jesper in Pretzier auch noch als Nachwuchstrainer. Damals übernahm er die G-Junioren um seinen Sohn Florian, die er mittlerweile in die F-Jugend geführt hat. "Im Freundeskreis habe ich viele Anfragen bekommen, ob ich die Truppe übernehmen würde. Zudem hat mein Junior auch meine Gene mitbekommen, worauf ich baue", begründet Jesper, weshalb er sich für das Amt als Coach entschieden hat. "Zudem finde ich es gut, wenn ich mein Wissen an die Kinder weitergeben kann. Ich habe schon einige Talente dabei", so der 42-Jährige. Mittwochs und freitags trainiert der Familienvater mit seinen jungen Schützlingen, die Turniere finden zumeist am Sonnabend statt. Genau dann schnürt Mario Jesper nachmittags die Töppen für die Altherren, während er sonntags mit den Männern um Trainerin Christin Schulze auf Punktejagd geht. "Selbst trainiere ich nicht mehr, denn dafür bleibt mir keine Zeit", verrät der Stappenbecker, der sich mit 29 Jahren in einem Spiel gegen den SSV 80 Gardelegen einen Kreuzband- und Bänderriss sowie einen Meniskusschaden zuzog. Daraufhin war ein Jahr Pause angesagt, was natürlich dem Sportenthusiasten doppelt wehtat. "Fußball ist schließlich mein Leben. Zum Glück unterstützt mich meine Ehefrau Hella dabei regelmäßig", richtet Jesper seiner Gattin auch noch mal einen besonderen Dank aus. Als Trainer ist Mario Jesper ein eher ruhiger Zeitgenosse. "Meckern geht für mich eigentlich nicht, ich bleibe eher sachlich", beschreibt sich der 42-Jährige selbst. "Als Spieler bin ich natürlich ehrgeizig ohne Ende. Ich gebe 90 Minuten Vollgas", erklärt der Westaltmärker.

Traum vom Kreispokalsieg mit den SGP-Altherren

Womöglich wird Mario Jesper nach dieser Saison seine Laufbahn in der Herrenmannschaft beenden. Vielleicht hängt der Routinier aber auch noch mal ein Jahr dran. "Es rücken viele Spieler aus der A-Jugend hoch. Man muss schauen, wie sie sich schlagen. Wenn sie noch eine gewisse Anleitung brauchen, würde ich mich auch noch mal ein Jahr lang zur Verfügung stellen", sagt der Stappenbecker. Für die Altherren möchte Jesper indes noch so lange spielen, "bis ich nicht mehr laufen kann". Bei den SGP-Oldies gehört der 42-Jährige zu den absoluten Leistungsträgern und hat dabei noch einen großen Wunsch: "Im letzten Jahr haben wir das Finale unglücklich gegen Letzlingen verloren. Ich möchte unbedingt aber noch einmal den Kreispokal gewinnen. Das wäre ein Traum."

Für den Verein würde sich Mario Jesper generell etwas mehr Nachwuchs wünschen. "Vielleicht können wir irgendwann auch wieder eine G-Jugend stellen", blickt Jesper, der ein Fan der Nachwuchsabteilung des SV Eintracht Salzwedel ist und vor allem die Arbeit in der Talenteliga lobt, voraus. Der 42-Jährige könnte sich vorstellen, dass die Pretzierer Herren in zwei Jahren womöglich auch das Zeug haben, in die Kreisoberliga aufzusteigen. "Dafür werden wir alles geben, das wäre natürlich eine schöne Sache", sagt der Westaltmärker. Ob der nimmermüde Mario Jesper dann selbst noch dabei ist, bleibt abzuwarten.