Seit etwa drei Monaten leitet Marco Gröning das Training beim abstiegsbedrohten Fußball-Kreisligisten SV Brunau 06. Doch nicht nur das: Der 38-Jährige schnürt auch noch bei jedem Spiel selbst die Töppen und agiert zumeist als Libero. Was hat sich beim SVB nach der langjährigen Ära Wolfgang Binde verändert und wo führt der Weg des Vereins in Zukunft hin? Volksstimme-Volontär Florian Schulz unterhielt sich mit Marco Gröning fünf Spieltage vor dem Saisonende.

Volksstimme: Herr Gröning, der SV Brunau steckt derzeit mit 19 Punkten immer noch im Abstiegskampf der Kreisliga. Was muss bis Saisonende noch passieren, damit die Klasse gehalten wird?

Marco Gröning: Nach meiner Rechnung müssten wir noch sieben Punkte holen. Zudem bleibt zu hoffen, dass die Konkurrenten auch nicht kontinuierlich punkten. Vier Mannschaften liegen im Kampf gegen den Abstieg eng beieinander. Wir haben noch ein schwieriges Restprogramm. Am Sonntag in Jahrstedt müssen wir auf jeden Fall punkten, eine Niederlage dürfen wir uns dort nicht erlauben."

Volksstimme: Zuletzt am Sonnabend gewann Ihre Mannschaft, auch dank zweier Tore von Ihnen selbst, mit 3:2 beim FSV Miesterhorst. Wie wichtig war dieser Sieg für Ihre Mannschaft?

Gröning: Der war enorm wichtig, weil wir einen Mitkonkurrenten in einem Sechs-Punkte-Spiel besiegt haben. Auch dort hätten wir uns eine Niederlage eigentlich nicht leisten können. Schade war eigentlich nur, dass ich als Libero wieder zwei Treffer machen musste, obwohl unsere Stürmer auch genügend Chancen hatten.

Volksstimme: Rückblende: Wie kam es dazu, dass Sie nach dem Rücktritt von Wolfgang Binde den Trainerposten in Brunau übernahmen?

Gröning: Mein Vorgänger Wolfgang Binde hatte über die Jahre hinweg wirklich gute Arbeit geleistet. Leider war er auch in dieser Saison nicht allzu sehr vom Erfolg verwöhnt und gab das Traineramt, hauptsächlich aus privaten Gründen, ab. Daraufhin habe ich gesagt, dass ich in die Bresche springe, wobei es nicht einfach ist, Trainer und Spieler zugleich zu sein. Es fehlt leider noch ein wenig die Unterstützung von draußen.

Volksstimme: Hatten Sie vor der Amtszeit in Brunau schon einmal Trainer-Erfahrungen gesammelt?

Gröning: Vor vielen Jahren habe ich in Brunau die F-Junioren trainiert, weil mein Sohn Niclas dort mitgespielt hat. In der vergangenen Saison habe ich, ebenfalls mit meinem Junior, bei den D-Junioren des SV Eintracht Salzwedel zusammengearbeitet. Marco Trostmann und ich - wir haben uns an der Seitenlinie gut ergänzt. Es hat auch sehr ordentlich funktioniert.

Volksstimme: Sie haben in der Rückrunde bislang erst sechs Niederlagen kassiert? Was hat sich unter Marco Gröning beim SV Brunau generell verändert?

Gröning: Eine Bedingung meines Trainerantritts war, dass die Mannschaft mich respektiert. Ich denke, dass ich es geschafft habe, die junge Truppe zu motivieren. Zu jedem Training habe ich neue Pläne parat. Wir machen viele Übungen mit dem Ball und alle ziehen gut mit.

Volksstimme: Der SV Brunau wird auch oftmals mit dem Spieler Marco Gröning in Verbindung gebracht. Wie lange haben Sie noch vor, selbst die Schuhe zu schnüren?

Gröning: Ich habe mir zwei Ziele gesetzt. Ich würde gern irgendwann mit meinem jetzt 14-jährigen Sohn Niclas - er spielt derzeit bei den C-Junioren des SSV Perleberg - einmal gemeinsam auf dem Platz stehen. Zum anderen muss man aber auch schauen, wie lange ich in meinem Alter überhaupt noch als Spieler gebraucht werde und meine Knochen halten.

Volksstimme: 34 erzielte Tore - der SVB stellt die derzeit zweitschlechteste Offensive der Liga. Warum trifft Ihre Mannschaft verhältnismäßig selten? Und warum läuft es gerade auswärts besser als daheim?

Gröning: Unser Problem ist ganz klar die Chancenausbeute. Wir haben die Möglichkeiten, nutzen sie aber nicht. Uns fehlt derzeit wirklich ein Knipser, weil sich Michael Reinecke schwer verletzt hat und lange ausfällt.

Über die gesamte Saison hinweg müssen wir mit unserem kleinen Kader auskommen. Wenn Not am Mann ist, müssen wir Aushilfsspieler aus der A-Jugend oder von den Altherren holen. Wahrscheinlich spielen wir auswärts erfolgreicher, weil die Spieler dort nicht den ganz großen Druck von außen bekommen.

Volksstimme: Viele junge Spieler aus der Landesliga-A-Jugend kamen, sowohl unter Wolfgang Binde als auch unter Ihnen, in der Männermannschaft zum Einsatz. Welchen Eindruck haben Sie von ihnen und wie wichtig werden sie in Zukunft für den Verein sein?

Gröning: Die jungen Spieler sind auf jeden Fall gute Alternativen und ich versuche, sie so viel wie möglich mit einzubauen. Florian Lüdecke beispielsweise ist ein starker Stürmer, läuft und kämpft viel und schafft dadurch auch Räume. Allerdings braucht Trainer Peter Kulessa die Spieler natürlich auch in der A-Jugend.

Wir müssen als Verein versuchen, die Spieler bei uns zu halten und auch an sie herantreten. Ich persönlich bin der Meinung, dass diese jungen Akteure sich erst einmal in der Kreisliga entwickeln sollten.

Volksstimme: Vor wenigen Jahren spielte der SV Brunau noch in der Landesklasse. Warum kämpft der Verein, Ihrer Meinung nach, mittlerweile sogar um den Klassenerhalt in der Kreisliga?

Gröning: Da gibt es viele Gründe. Heutzutage steht der Fußball generell nicht mehr an vorderster Stelle - ist eher eine Freizeitbeschäftigung - und die Ausbildung hat im Vergleich zu meinen früheren Zeiten auch stark nachgelassen. Damals war der Fußball das A und O, heute gehen Arbeit und Studium natürlich vor. Ich erinnere mich beispielsweise noch an die Saison 1997/1998, als wir mit dem SV Brunau zu unseren erfolgreichsten Zeiten in die Landesklasse aufgestiegen sind. Der Einzige, der aus dieser starken Mannschaft übrig geblieben ist, bin ich.

Volksstimme: Vorausgesetzt, die Klasse wird gehalten, mit welcher Erwartungshaltung würde der SVB in die kommende Kreisliga-Saison gehen? Werden die Ziele in Zukunft wieder höher gesteckt?

Gröning: Wir können die Ziele eigentlich nicht höher stecken. Wir müssen versuchen, möglichst all unsere Spieler zu halten und vielleicht noch nach zwei Verstärkungen Ausschau zu halten. Bis jetzt halten wir alle noch gut zusammen, doch haben wir keinen Erfolg, denkt vielleicht der ein oder andere Spieler über einen Abschied nach. Deshalb wäre ein Abstieg für uns sehr bitter. Wenn wir die Klasse halten sollten, versuchen wir in der nächsten Saison auf jeden Fall, im gesicherten Mittelfeld zu landen.

Volksstimme: Gibt es schon personelle Planungen für die kommende Saison? Wird es im Trainerstab oder in der Mannschaft Veränderungen geben?

Gröning: Ich habe gehört, dass es einen neuen Interessenten für den Trainerjob in Brunau gibt. Er ist den Spielern und auch in der gesamten Region nicht bekannt. Ich sehe es als ideal an, wenn ein Trainer da ist, der die Mannschaft nicht kennt und dadurch einen Neuanfang startet. Angeblich möchte auch ein Spieler vom Kreveser SV, der neuerdings bei unserem Hauptsponsor arbeitet, eventuell in der kommenden Saison bei uns spielen. Mehr kann ich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Volksstimme: Vielen Dank für dass nette Gespräch und maximale Erfolge.