Vier Tage nachdem sich einige Spieler der TSG Calbe gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Trainer René Linkohr ausgesprochen hatten, ist der 47-Jährige noch immer konsterniert. Sportredakteur Frank Nahrstedt sprach mit dem Köthener über die Situation.

Volksstimme: Herr Linkohr, inzwischen sind ein paar Tage vergangen. Haben Sie die Entscheidung verarbeiten können?

René Linkohr: Nein. Ich habe es noch nicht verarbeitet, menschlich nicht und auch nicht sportlich. Meine Familie versteht es auch nicht, schließlich ist eine Menge Energie von mir in diese Arbeit hineingeflossen.

Volksstimme: Gab es in der Vergangenheit Unstimmigkeiten, die sich vielleicht zu diese Situation hochgeschaukelt haben?

Linkohr: Die Partie gegen Freiberg (25:27) und mein Appell vor dem Abstieg waren wohl der Auslöser für eine sechsköpfige Gruppe, das Gespräch mit mir zu suchen. Darin gab es viel Konstruktives, aber das Hauptanliegen war eine Warnung an mich, sollten die drei Spieler vom SC Magdeburg kommen. Die Idee dahinter lag aber nicht an einer mangelnden Qualität der Mannschaft, sondern sie sollten uns nur helfen, um berufliche Absagen wie von Mathias Walter oder verletzungsbedingte Ausfälle wie von Christian Hübner entgegenzuwirken. Wir wollten Spiele abfangen, in denen wir mit acht Spielern anreisen mussten, was es in der Saison ja auch gegeben hat, und wir wollten die jungen Spieler nicht unter Druck setzen, bereits viel Verantwortung tragen zu müssen. Das wusste die Mannschaft. Bis es konkret wurde, hatte sie sich aber nicht dazu geäußert. Nach dem Gespräch mit mir hatten wir zunächst normal weitergearbeitet. Später hatte ich mich gemeinsam mit Gunnar Lehmann und Peter Weiß dazu erneut positioniert. Das scheint der Gruppe dann sauer aufgestoßen zu sein.

Volksstimme: Kam die Entscheidung über die Trennung für Sie überraschend?

Linkohr: Ja. Wir haben in Mannschaftssitzungen über vieles gesprochen, aber nie so konkret. Es war das erste Mal, dass man an mich herangetreten ist. Man hat mich gleich vor vollendete Tatsachen gestellt. Hier waren allerdings schon Einflüsse von außen erkennbar. Von den anderen Spielern wurde es nicht so gesehen wie von der Gruppe. Ich war immer unvoreingenommen und habe die Einzel-gespräche gesucht.

Volksstimme: Wurden die Magdeburger geholt, weil die Personaldecke, vor allem in den Trainingseinheiten, recht dünn war?

Linkohr: Auf das Training hatte dies kaum Auswirkungen. Die Drei sollten nur donnerstags vor den geplanten fünf Spielen mittrainieren. Wir wollten die Mannschaft nicht hintergehen, sondern haben das nur mit guten Absichten abgesprochen.

Volksstimme: Haben Sie den Eindruck, dass sich das Team in den vergangenen Spielen weiterentwickelt hatte?

Linkohr: Ja. Ich hatte vor der Saison gesagt, dass wir ein paar Spiele brauchen, bis wir in die Liga finden. Nach einer Niederlagenserie war zur Rückrunde der Fortschritt erkennbar. Das Team war aggressiver und konzentrierter, trat spielerisch stärker auf. Die Niederlagen resultierten vor allem aus kurzen Schwächephasen und der schlechten Trefferquote. Aber der 30:26-Sieg gegen Hoyerswerda hat gezeigt, was mit der richtigen Einstellung machbar ist. Wir waren auf dem richtigen Weg und hätten positiv in die nächsten Spiele gehen können. Ich hätte alles versucht, um das Ziel zu erreichen. Man muss im Training auch mal abschalten und unter Wettkampf-Bedingungen trainieren, den Spaß auch mal hinten anstellen.

Volksstimme: Wie geht es für Sie jetzt weiter?

Linkohr: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Nun kann ich mir Handballspiele in allen möglichen Ligen ungezwungen ansehen. Ich werde eine Menge verarbeiten müssen und versuche, Abstand zu gewinnen. Ich genieße die Zeit zuhause und kümmere mich um meine Familie.