Schockstarre bei der TSG Calbe: Die Mehrheits-Entscheidung des Mitteldeutschen Handball-Oberligisten, nicht mehr mit Trainer René Linkohr zusammenarbeiten zu wollen, traf nicht nur den 47-Jährigen selbst, sondern auch die Abteilungsleitung sowie das gesamte Umfeld.

Calbe l Gunnar Lehmann war am Boden zerstört. Noch am Donnerstagabend versuchte der Abteilungsleiter gemeinsam mit Stellvertreterin Marina Sroka, im Gespräch mit der Mannschaft zu retten, was längst nicht mehr zu retten war. "Es hatten sich Spannungen zwischen Team und Trainer aufgebaut. Die waren nicht mehr zu kitten", schätzte Lehmann ein. Doch er räumte auch eigene Verfehlungen ein.

Bereits vier Wochen zuvor hatte es eine Mannschaftssitzung gegeben, bei der Probleme angesprochen wurden. "Wir haben zu diesem Zeitpunkt nicht erkannt, was da auf uns zukommt. Wir waren wohl zu brav." Nun hatte ihn die Mannschaft überrascht. "Es ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Das Team ist mitten im Kampf um den Klassen- erhalt, hat zudem wichtige Spiele vor der Brust." Unruhe ist in dieser Phase nun wirklich nicht zu gebrauchen. Doch die Unzufriedenheit einiger Spieler schien über das erträgliche Maß hinaus zu gehen.

Die Unterstützung der drei Magdeburger von den "Youngsters" des SC Magdeburg, die mit Zweitspielrecht ausgestattet waren, brachte schließlich das Fass zum Überlaufen, obgleich das Team darüber informiert war. "Wir hatten immer mit personellen Ausfällen zu kämpfen. Die Drei sollten nur fünf, sechs Spiele helfen." Vor allem nach der Verletzung von Keeper Steffen Oppenheimer und aufgrund der Schichtarbeit von Daniel Bertram, Mathias Walter und eventueller weiterer Verletzungen wurde Unterstützung benötigt. Es hatte auch ein paar vereinzelte Gegenstimmen gegeben, scheinbar rumorte es weiter.

Mit einer Mehrheits-Entscheidung stellte die Mannschaft die Abteilungsleitung nun vor vollendete Tatsachen. "Ich war zunächst geschockt", betonte Lehmann, der gleichzeitig auch im Dilemma war. Zum einen wollte er diese Mehrheits-Entscheidung der Mannschaft nicht durchgehen lassen, schließlich "schätze ich René Linkohr als Menschen und Trainer sehr. Er hat viel investiert, enorm zielstrebig gearbeitet. Für ihn tut es mir sehr leid. Die Erfolge sprechen für seine Arbeit. Es wird eine Zeit kommen, da werden wir diese Aktion sehr bedauern." Doch das Team abmelden, das ging nicht so einfach. "Es hängt zu viel dran, beispielsweise Sponsoren. Da konnten wir die Mannschaft nicht einfach zurückziehen. Wir wollen die Saison nun vernünftig zu Ende bringen. Wir müssen in dieser schwierigen Situation trotzdem alle nach vorn schauen. Das Ziel ist nach wie vor der Klassenerhalt."

Seit vergangenem Freitag hat nun Peter Weiß, der bisherige Co-Trainer, das Traineramt übernommen. "Ich wollte den Verein nicht im Stich lassen", begründete er seine Entscheidung, die er auch mit Linkohr abgesprochen habe. Gleichzeitig verdeutlichte Weiß: "Ich distanziere mich klar von der Entscheidung einiger Spieler, nicht mehr mit René Linkohr zusammen zu arbeiten. Sie kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt."