In einer Zeit, in der das Fußballspiel immer technischer, taktischer und vor allem schneller wird, trumpfte die SG Gnadau gegen den TSV Zerbst mit den guten alten Tugenden auf - und hatte beim 2:2-Remis gegen den Spitzenreiter der Landesklasse durchaus Erfolg.

Gnadau l "Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, zu zeigen, wer Herr im Hause ist", betonte Trainer Sebastian Pape. Bestes Beispiel für den ausgeprägten Einsatzwillen war Sven Nicolaus, der frühzeitig in der ersten Halbzeit einen Schlag aufs Knie bekommen hatte und in der Folge leicht angeschlagen war, aber "immer wieder an den Ketten gezerrt und im defensiven Mittelfeld einen starken Eindruck hinterlassen hat". Auch Nico Steigleder verdiente sich als quasi einzige echte Spitze gute Noten, weil er immer wieder Bälle behauptete, im "Gigantenduell" mit Sebastian Sens schwer zu arbeiten hatte und frühzeitig mit dem Pressing begann. Lob verteilte Pape indes für die gesamte Mannschaft. "Keiner hat einen Zweikampf gescheut, sich stattdessen im Sinne der Mannschaft komplett verausgabt."

Einer davon war Marcus Rasche, der nicht nur die wichtige 1:0-Führung nach einem Abpraller erzielte, sondern immer wieder mit tollen Dribblings und Zwischenspurts für gefährliche Szenen sorgte. Wenngleich er in der zweiten Hälfte aufgrund der Unterzahl nach Gelb-Rot für Robert Paasch nicht mehr aus dem Mittelfeld versorgt werden konnte, blieb er bis zum Schluss energisch und holte den Elfmeter heraus, der durch Nicolaus zum 2:2-Ausgleich genutzt wurde. Kurz danach trat Marcel Gieseler in einer Abwehraktion über den Ball, im zweiten Versuch traf er Rasche unabsichtlich mit voller Wucht auf der Brust, sodass der Gnadauer ausgewechselt werden musste.

Ebenfalls frühzeitig vom Feld musste Philipp Bläsing, der in einem Zweikampf den gegnerischen Stollen auf den Knöchel bekam, was eine offene Wunde, die genäht werden musste, zur Folge hatte. "Er wird zehn Tage ausfallen", bedauerte Pape, der auf seinen Mittelfeldakteur also auch am Sonnabend gegen Germania Olvenstedt verzichten muss. Dennoch schaut der Coach positiv auf die bevorstehende Partie gegen den Tabellendritten.Schließlich hatten sich seine Schützlinge diesmal nicht von den vielen widrigen Begleitumständen aus dem Konzept bringen lassen.

"Diesmal haben wir nicht den Kopf in den Sand gesteckt."

Normalerweise wären sie nach der Gelb-Roten Karte gegen Paasch oder nach dem nicht gegebenen Elfmeter gegen Steigleder oder nach der "nur" Gelben Karte wegen Tätlichkeit gegen Hagen Ernst oder nach dem Gegentor trotz Fouls an Ronny Merker eingebrochen. "Diesmal haben wir den Kopf aber nicht in den Sand gesteckt. Diesmal haben wir zu jeder Sekunde daran geglaubt, dem Favoriten ein Bein stellen zu können und die entscheidenden Prozente draufgelegt." Allerdings muss sich auch gegen Olvenstedt "jeder bewusst sein, dass er diese Leistung erneut abrufen muss".

Denn die Tabellensituation hat sich trotz "des gefühlten Siegs" nicht wesentlich verbessert. Zum ersten Abstiegsplatz, den derzeit Roter Stern Sudenburg belegt, sind es nur zwei Zähler Vorsprung. "Ich bin aber optimistisch, dass uns der Klassenerhalt gelingt, neben etlichen Heimspielen treten wir auch noch direkt gegen die Magdeburger und gegen Tucheim an."

Für die Zerbster war das Remis im Rennen um den Landesiga-Aufstieg hingegen ein herber Rückschlag. "Das 2:2 fühlt sich wie eine Niederlage an. Wir sind an unserer eigenen Dummheit gescheitert. Wir haben den `Bigpoint` verpasst", haderte Trainer Torsten Marks mit der Chancenverwertung, als beispielsweise Maximilian Syring nur den Pfosten getroffen hatte (15.). "Im Gegensatz zu den Gnadauern, die das Remis hochverdient haben, da sie mit Leidenschaft, Kampf und Herzblut gespielt haben, zeigten wir eine mangelnde Bewegung, Ideenlosigkeit und es fehlte auch der Wille." Davon hatte Gnadau nun eine Menge zu bieten. Wenngleich es nicht zum ganz großen Wurf gereicht hatte, dürfte die Rückkehr zu den guten alten Tugenden viel Selbstvertrauen für die bevorstehenden Begegnungen gegeben haben.