Nach einer vierwöchigen Wettkampfvorbereitung ging es für den 1. Judoclub Schönebeck nach Kufstein/Österreich. Das lang ersehnte Turnier wurde nach der letztjährigen Pause wieder angefahren. Kein geringeres Ziel als zwei Pokale setzte Trainer Kevin Ladebeck seinen Schützlingen. Moniek Reinicke und Egor Lapygin setzten diese Vorgabe mit Bravour um.

Kuftstein (kla/nrc) l Am Wettkampftag füllten sagenhafte 604 Sportler aus neun Nationen die Halle, ein neuer Rekord des schon seit 17 Jahren bestehenden Turnier. Zunächst ging Niklas Tausch (-34 Kilogramm) an den Start. Sein erster Gegner war Tobias Wehner vom Judo-Team Hessen. Nach kurzem Abtasten und einem defensiven Kampstil vom Hessen, gewann Niklas im ersten Kampf sehenswerten.

Im zweiten Duell gegen Luca Kuttalek vom JC Achental hatte Niklas in den Anfangssekunden Schwierigkeiten, die Bodenhaftung gegen den Orange-Grün-Gurt nicht zu verlieren. Doch in einer Bodensituation erarbeitete er sich Niklas mit einer starken kämpferischen Leistung einen festen Griff, aus dem es für Lucas kein Entkommen kam. Niklas zog ins Halbfinale ein. Hier musste er sich keinem anderen als dem späteren Sieger Botond Boka vom Domaszeki Judo geschlagen geben. Der Schönebecker überzeugte dabei kämpferisch nicht wirklich. Im Kampf um Platz drei gegen David Trippel vom Judo-Team Hessen verlor Niklas seine Linie komplett und musste aufgrund von Bestrafungen abgeben.

Julien Freiheit ( bis 42Kilogramm) startete gut gegen Jan Becker von JC Geisenheim und verwandelte einen Yuko-Rückstand (Yuko ist die niedrigste Wertung beim Judo, Anm. d. Red.) in eine Waza-ari-Fürhung (Waza-ari ist die zweithöchste Wertung im Judo). Doch dann musste Julien den Kampf doch abgeben. Auch in der Hoffnungsrunde hatte er das Nachsehen.

Moniek Reinicke gewinnt ersten Pokal

Bei den Mädchen hatte sich Selena Pfannenschmidt als jüngerer Jahrgang die Mitreise aufgrund durchgängig sehr guten Leistung verdient. Gegen ihre ersten Gegnerin Christina Lebesanft vom TV Kaufbreuren ging Selena anfangs in Führung, sie musste den Kampf aber aufgrund gesundheitlicher Probleme abgeben. Nun war nur noch Moniek Reinicke in der U 12 im Rennen und das Trainerteam hat mit einem Pokal in diesem Bereich gerechnet. Somit blieb Moniek nicht viel übrig, als dieses umzusetzen.

Die Gegnerin, die es zu bezwingen galt, war nicht ohne. Alexandra Oberreiter vom JC Hallein Tennengau hatte bereits den Grünen Gürtel und war hochmotiviert, Moniek zu besiegen. Hinzu kam, dass man bei einem Gegner "Best of drei" auskämpfen musste. Das bedeutete zweimal gegen den selben Gegner zu siegen. Etwas vollkommen Neues für den Judoka.

So begann die Titeljagd. Moniek unterstrich mit starken Angriffen, dass sie nicht zu unterschätzen war, doch auch Alexandra hatten einen unangenehmen Kampfstil, mit dem Moniek allerhand zu tun hatte. Es blieb ein Duell auf Augenhöhe, das schließlich in einem Hantai (Schiedrichterentscheidung) endete. Moniek konnte den ersten Kampf mit kleinen Vorteilen für sich entscheiden.

Deutlich ruhiger ging sie in den zweiten Kampf, denn Alexandra musste einem Rückstand hinterher laufen und wurde doch etwas zu offensiv, was Moniek zugute kam. Einen halbherzigen Angriff von ihrer Gegnerin nutzte sie für eine Bodensituation und rundete mit einer Festhalte den Sieg ab. Somit holte sie den Pokal, zur großen Freude der Schönebecker.

Auch Leonardo Graßhoff durfte in einer höheren Altersklasse hineinschnuppern, musste sich aber gleich im ersten Kampf dem späteren Sieger geschlagen geben. Er entschied in der Hoffnungsrunde aber noch einen Kampf gegen einen Grüngurt für sich.

Egor Lapygin sorgt für Spannung bis zum Schluss

Ein alter Bekannter hatte sich nochmal für den Osterpokal entschieden. Egor Lapygin, der schon selbst als Co-Trainer beim Schönebecker Judclub eingesetzt wurde, sollte sich als eine Überraschung entpuppen. In der U16 (bis 73 Kilogramm) trat Egor seinem ersten Gegner Vinvent Schiffler von JC Uchtelfangen gegenüber. Etwas kleiner aber deutlich breiter war er eigentlich ein guter Gegner für Egor, der hier seine Größe auspielen konnte.

Vinvent ging etwas zu halbherzig vor und unterschätzte den noch jung aussehenden Schönebecker. Vinvent versuchte einen Gake-Angriff, den Egor aber eiskalt mit einem Uchi-Mata (Wurf) konterte, den Österreichen auf den Rücken beförderte und mit einem Ippon-Sieg (Ippon ist die höchste Wertung in Judo) weiter zog und somit schon im Halfinale stand.

Hier galt es, einen kleinen "Showmaster" zu bezwingen, der seine Gegner gerne etwas einschüchterte. Doch Egor ließ sich von Wotjek Kanik vom UJZ Mühlviertel nicht beeindrucken und konzentrierte sich auf die bevorstehende Aufgabe. Der Kampf war schneller vorbei als er anfing. Egor setzen einen extrem harten Griff durch, der Wotjek in die Defensive zwang. Ein sehr schnell und stark angesetzter Uchi-Mata beendete die Begegnung. Völlig überwältigt gratulierten im die Trainer jetzt schon, doch Egor blieb cool.

Jetzt wollte er alles herausholen. Simon Gasching von der Union Reika Ottirol galt es zu schlagen. Egor musste im Boden aufpassen, denn Simon gewann alle seine Vorkämpfe durch Hebel, Würgen oder Festhalten. Doch der Tiroler schaute sich auch Egors Standqualitäten genau an und verhielt sich leicht defensiv. Der Schönebecker war voll konzentriert, kam jedoch nicht ganz mit seinen Techniken durch, fiel auf einen Konter herein und lief einem Rückstand hinter. Doch dann gelang es Egor mit einer Uchi-mata Ko-uchi-barai Kombination (Hebel-Wurf-Kombination) auszugleichen. 30 Sekunden vor Schluss konnte Egor die schlechte Laufschule von Simon noch für einen Yuko nutzen. Der Sieg war zum Greifen nah und die Herzen der Trainer hörten auf zu schlagen, als Egor trotz Führung in den letzen fünf Sekunden noch einem einem Angriff ansetze und den Tiroler nochmals zu Fall brachte. Die Freude über den Erfolg war unbeschreiblich.

Auch Martin Kuhn war nach seinem verschenkten Finale vor zwei Jahren heiß auf den Pokal. In der U 18 (bis 73 Kilogramm) war er einer der Favoriten und setzte die Rolle auch gleich im ersten Kampf gegen Sebastian Braun von Judo-Team Hessen um. Im Halbfinale musste er gegen Simon Aignesberger ran. Von Anfang an war es ein sehr ausgeglichener Kampf. Bis zum Ende kam es zu keiner Wertung, aber zu einer eher fraglichen Hantai-Entscheidung zugunsten des Kirchheimers. Geschockt von diesem Ergebnis mussten sich Martin und auch das Trainerteam erstmal wieder sammeln, denn es galt, trotzdem noch einen Podestplatz zu erkämpfen. Mit den Worten: "Kämpfe um den dritten als wäre es der erste", wurde Martin noch einmal motiviert. Gegen Simon Kreft vom ASKÖ Henndorf unterstrich der Schönebecker seine Überlegenheit und beendete den Kampf vorzeitig mit Ippon. Martin belegte einen unverdienten dritten Platz, über den er sich sehr ärgerte.

Direkt im Anschluss beschloss Trainer Joachim Ladebeck jedoch, dem Schönebecker im Herbst eine zweite und letzte Chance zu geben, denn 2015 ist Martin dann zu alt für Kufstein. In der Mannschaftswertung sprang für Sachsen-Anhalt schließlich noch ein starker dritter Platz heraus. Dies war auch den Judokas des SV Halle und des TSV Tangermünde zu verdanken.