Schönebeck l Heute wird Rüdiger Großmann, der Vize- und Ehrenpräsident des KFV Fußball Salzland, 75 Jahre alt. Aufgrund seiner mehr als 50 Jahre im Dienste der Gemeinnützigkeit wird ihm zugleich die Ehrenspange des Fußball-Verbands Sachsen-Anhalt (FSA) verliehen.

Es gibt sicherlich viele prägende Ereignisse im Leben des gebürtigen Königsbergers (seit 1946 Kaliningrad, d. Red.), die seine Entwicklung zu dem Menschen, der er in den vergangenen Jahren geworden ist, beschreiben. Doch zwei zeichnen den Ehrenvorsitzenden des TSV Kleinmühlingen/Zens wohl am treffensten.

Als Großmann noch ein Kind war, musste er im Zweiten Weltkrieg praktisch ohne Vater aufwachsen, der erst bei Stalingrad stationiert und später auf Fähmarn und in Gütersloh in Gefangenschaft war. Großmann, dessen Mutter bei der Geburt gestorben war, wuchs daher bei seiner Tante auf. Nach der Flucht aus Ostpreußen landete er mit seiner Familie in Sachsen, nach der Umsiedlung 1945 dann in Kleinmühlingen. Er wuchs dort auf und entdeckte die Lust am Sport. Erst im Turnverein ab 1946, später auch als Fußballer ab 1953. Im Alter von zwölf Jahren wollte ihn sein Vater zu sich holen, doch Großmann entschied sich dazu, bei dessen Schwester zu bleiben. "Sie hat mich durch den Krieg gezerrt, alle Entbehrungen mit mir durchgemacht. Ich habe ihr viel zu verdanken", erinnert er sich mit zittriger Stimme zurück und hat dabei Tränen in den Augen.

In einer vom Krieg geprägten Kindheit blieb die Familie das wichtigste Gut für Rüdiger Großmann. Den Kontakt zu seinem Vater und seinem Bruder hat er nicht abgebrochen. "Unser Verhältnis ist sehr gut." Und auch als der Staat Druck auf ihn ausübte, blieb er sich treu. "Als ich Direktor der Schule in Großmühlingen wurde", erinnert sich Großmann, "wurde ich einmal im Jahr nach meinen Kontakten in den `Westen`, also zu meiner Familie, gefragt, mit der Bitte, diese abzubrechen. Das habe ich natürlich nicht gemacht. Drei Jahre später war ich meinen Job als Direktor los", sagt er heute mit einem Schmunzeln.

Kein Grund zum Verzagen für den 75-Jährigen, der eine Menge Unterstützung von seiner Frau erhalten hatte und erhält. Zudem widmete er sich seit dem 22. Lebensjahr dem Ehrenamt, engagierte sich im Verein, Kreisfachverband und Deutschen Turn- und Sportbund beziehungsweise Deutschen Olympischen Sportbund. "Das glaubt mir fast keiner, so verrückt ist das", scherzt Großmann, der außerdem auch Spieler und Schiedsrichter war, angesichts der Zahlen.

Heute kommen zwei weitere Ziffern hinzu: 53 Jahre im Vorstand des KFV. "Grund genug, den Schönebecker mit der Ehrenspange des FSA auszuzeichnen", betonte KFV-Geschäftsführer Klaus Beier.