Bei der Kreismeisterschaft verteidigte Keglerin Anne Stahlich in einem bis zum Ende spannenden Rennen den Titel, holte dabei am zweiten Wettkampftag einen hohen Rückstand auf. Mit den Frauen des Schönebecker SV sicherte sich die Loburgerin zudem den Verbleib in der 2. Bundesliga. Sportredakteur Frank Nahrstedt sprach mit der 20-jährigen Auszubildenden zur Kauffrau im Gesundheitswesen über Erfolge, Ziele und Faszination.

Volksstimme: Frau Stahlich, welches war der größte Rückstand, den Sie bisher aufgeholt haben?

Anne Stahlich: Es kommt immer auf Gegner und Bahn an und ob man den Schalter umlegen kann und noch einmal ins Spiel findet. Aber es ist mir bereits gelungen, 40 Zähler Rückstand aufzuholen.

Benötigen Sie Erfolgserlebnisse wie eine Neun, um wieder hineinzufinden?

Es kommt drauf an, ob ich ein gutes Kugelgefühl habe. Dann bin ich auch mit einer Sieben zufrieden, um mich weiter nach vorn zu kämpfen.

Welches ist das nächste Ziel nach der Titelverteidigung auf Kreisebene?

Ich darf bei den Landesmeisterschaften starten, wo ich im vergangenen Jahr den zweiten Platz geholt habe. Den möchte ich gern erneut sichern, damit ich zu den Deutschen Titelkämpfen fahren kann.

Welches war Ihr größter nationaler Erfolg bisher?

Bei den Deutschen Meisterschaften der Jugend habe ich mit der Mannschaft Anhalt-Bitterfeld den dritten Platz belegt. Im Einzel war ich damals auch auf Medaillenkurs, habe aber dann sieben Fehlwürfe hintereinander produziert, sodass ich auf Platz acht rausgekommen bin.

Sind Sie ein Kopfmensch, der über alles nachdenkt?

Es kommt darauf an, ob das Spiel läuft oder nicht und was ich für ein Gefühl habe. Ich denke schon viel nach und fange auch ziemlich schnell an zu diskutieren. Darum habe ich auch immer jemanden hinter mir sitzen, der mir zur Not die Kugel aus der Hand nehmen kann. Das dauert aber nicht lang. Wenn ich wieder im Spiel bin, ist das vergessen.

Ist das eine Schwäche, die Sie abstellen möchten?

Abstellen möchte ich es nicht unbedingt, denn es gehört für mich dazu, dass man sich etwas ärgert. Aber ich würde gern weniger nachdenken und mich nicht so verrückt machen.

Waren Sie schon immer ein emotionaler Mensch?

In der Schule ging es eigentlich relativ locker, erst in den Abiturprüfungen habe ich mir mehr einen Kopf gemacht. Ähnlich war es jetzt im Frühjahr im Studium, als ich Zwischenprüfungen hatte. Im ersten Ausbildungsjahr sah das alles noch weit entfernt aus. Aber da musste ich eben durch.

Sind Sie ein zielstrebiger Mensch?

Ich habe mir selbst Ziele gesteckt, wie ich die Ausbildung abschließen möchte, und setze alles daran, diese auch zu verwirklichen. Man muss dranbleiben und an sich glauben, dass man es auch schaffen kann.

Welche sind Ihre mittelfristigen sportlichen Ziele?

Bei der Landes-Einzelmeisterschaft in einer Woche am 24. Mai möchte ich die Vorrunde gut abschneiden und in die Endrunde einziehen, die ja wieder in Schönebeck ausgetragen wird. Ich möchte auch wieder zu den Deutschen Meisterschaften fahren, dazu muss ich unter die ersten Zwei kommen. Mit dem SSV freue ich mich über den vierten Platz, in der nächsten Saison wollen wir wieder den Klassenerhalt erreichen. Persönlich würde ich mal in der 1. Bundesliga spielen, gern auch mit den Schönebeckern.

Kegeln ist ja kein typischer Sport für junge Menschen. Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

In der Schule in Loburg gab es mal einen Schnuppertag, zu dem ich gegangen bin. Seit 2002 bin ich dabei, habe dann schnell Fortschritte gemacht und gemerkt, dass es etwas bringt, im Training dran zu bleiben. Bei Wettkämpfen hat mir außerdem die Stimmung sehr gefallen.

Haben Sie neben dem Kegeln Zeit für andere Interessen?

Kegeln ist ein großer Bestandteil meiner Freizeit. Ich tanze aber in Loburg auch im Karneval. Das hatte ich zwischenzeitlich mal ausgesetzt. Ich habe aber gemerkt, dass mir das gefehlt hat.

Warum sind Sie zum Schnuppertag bei Blau-Weiß Loburg gegangen?

Die gesamte Klasse sollte dort hingehen. Wer wollte, konnte dann noch länger bleiben und sich ausprobieren.

Was fasziniert Sie so am Kegelsport?

Es ist eine Kombination aus Konzentration und Kondition. Man muss sich sehr konzentrieren im Wurf und den Ablauf beherrschen. Das Gefühl, wenn man von der Mannschaft, die hinter einem steht, angefeuert wird, ist unbeschreiblich.

Sie sind außerdem Landesmeisterin in der Vielseitigkeit (Laufen, Kegeln, Seilspringen). Wie sind Sie denn auf diese Disziplin gekommen?

Es macht sehr viel Spaß. Durch das Laufen holt man sich die Kondition, die man braucht, um im Kegeln die 120 Wurf durchzustehen. Wenn ich mit dem Landeskader zum Ländervergleich fahre, gibt es die Vielseitigkeit auch.

Was sagen Sie Menschen, die das Kegeln zum Kneipensport degradieren?

Diese Leute haben es sicherlich noch nie richtig ausprobiert oder wirklich miterlebt. Sie kennen die Stimmung bei einem Wettkampf nicht und wissen nicht, wie man sich auch als Zuschauer hineinfühlen kann.