Calbe l Vier aufregende Jahre hielten sich die Frauen der TSG Calbe in der Mitteldeutschen Oberliga, brachten den Viertliga-Handball in die Saalestadt und empfingen Gäste, deren Namen Klang hatten: So gastierte die Reserve des deutschen Meisters Thüringer HC ebenso wie die Reserve von Zweitligist BSV Sachsen Zwickau oder der frisch in die zweite Liga aufgestiegene HC Rödertal in der Heger-Sporthalle. Auch die Namen der Spielerinnen lasen sich für Kenner der Szene bisweilen wie ein Gedicht. So haben etliche sächsische Vereine tschechische, ungarische und polnische Nationalspielerinnen in ihrem Aufgebot, gegen die anzutreten, schon ein bisschen stolz machte.

Der Aufstieg im Jahr 2009 krönte eine der erfolgreichsten Spielserien im Calbenser Frauenhandball. Unter Trainer Frank Falke puschte sich die Mannschaft zum Pokalerfolg, gewann den Supercup und gehörte zu den Gründungsvereinen der Mitteldeutschen Oberliga der Frauen. Im Gegensatz zum Großteil der Gegner blieb Calbe immer ein Amateurteam, das nie Geld für das Handballspielen bezahlte. Eine Philosophie, die letztlich dem eigenen Nachwuchs den Weg ins Oberhaus erleichterte, allerdings gegen die semi-professionellen Teams der Liga wenig Chancen ließ.

Vier Spielerinnen, die allesamt von Anfang an dabei waren, blicken auf die vier Jahre in der vierten Liga zurück. Den Anfang macht Stefanie Hüls, Mannschaftskapitän und kluger Organisator im Spielaufbau: "Nach der tollen Aufstiegssaison 2009/2010 haben wir sehr für die Chance, in der Mitteldeutschen Oberliga spielen zu können, gekämpft. Dann insgesamt vier Jahre in Deutschlands vierter Liga angetreten zu sein, macht mich persönlich schon stolz. Schließlich darf man in der Gesamtbetrachtung nicht vergessen, dass wir einzig aus Spaß am Handball spielen. Die anderen Vereine haben dahingehend schon in einer ganz anderen Liga kalkuliert."

"Ich bin stolz, in dieser Liga gespielt zu haben."

Kristin Sroka kann in ihrer Handballkarriere schon auf eine Menge zurückschauen, besuchte als Jugendliche die Sportschule und gehörte jahrelang zur Landesauswahl Sachsen-Anhalts. Sie genoss die Zeit in der Mitteldeutschen Oberliga, die hochkarätigen Gegner und das Zusammentreffen mit Nationalspielerinnen verschiedener Länder. "Ich bin schon stolz, in dieser Liga gespielt zu haben. Man begegnet Leuten mit Bundesliga- oder internationaler Erfahrung. Denen gegenüber zu stehen, das hat mich immer motiviert, mitzuhalten und mein Bestes zu geben. Es ist ein richtiges Hochgefühl, wenn eine Nationalspielerin nach dem Spiel abklatscht und zu mir sagt `gutes Spiel´." Für die 27-Jährige brachte die Zeit in der vierten Liga auch viel Selbstvertrauen mit sich. So sticht sie in ihrer Mannschaft als Rückraum-Shooter hervor, übernahm vor allem in der vergangenen Saison immer häufiger die Verantwortung. Auf ihr Konto gehen so mehr als ein Viertel der Tore ihres Teams. Dennoch ist auch für sie der Zusammenhalt entscheidend. "Ich finde es gut, dass wir `Ur-Calbenser´ durchgehalten haben und es uns auch endlich gelungen ist, Nachwuchs einzubeziehen. Das ist ein wichtiges Zeichen, dass es weiter geht."

Seit vielen Jahren gilt Mandy Wenzel als größte Stütze der Abwehr ihrer Mannschaft. Auch sie ist ein Calbenser Eigengewächs, hat neben den Höhen auch die Tiefen der vergangenen Jahre miterlebt. Über ihre Zeit in der "Mitteldeutschen" sagt sie: "Ganz schnell wurde uns allen klar, da weht ein anderer Wind - hier spielt man einen anderen Handball. Oft trafen wir auf sehr erfahrene Spielerinnen. Mich hat das immer wieder gestärkt und mir den Anstoß gegeben, auch wenn ich an meine Grenzen gestoßen bin, mein Bestes zu geben, darüber hinauszuwachsen und mich weiterzuentwickeln. Wir haben gezeigt, dass wir gegen Mannschaften, die klare Favoriten waren, mithalten können. Zwar brachen uns unsere `Zehn Minuten´ oftmals das Genick, jedoch kann ich von mir sagen, dass das eine tolle Erfahrung war, die mir niemand nehmen kann, die man als Sportler erlebt haben muss und die ich in meiner mittlerweile 20-jährigen Handballkarriere nicht missen möchte. Sicherlich war es frustrierend, immer nur ums Überleben zu kämpfen, weil wir wieder ohne Punktgewinn aus einem Spiel gegangen sind, obwohl wir 50 Minuten toll mitgehalten hatten. Aber ich habe es gern gemacht, weil ich leidenschaftlich gern Handball spiele und ich die Mädels mag. Wir hatten eine tolle Zeit!"

Aus einer ganz anderen Perspektive schaut Sophia Rust auf die vier Jahre zurück. Sie war zu Beginn gerade aus der Jugend in den Frauenbereich aufgerückt, lange Zeit gewissermaßen das Küken der Mannschaft. "Anfangs habe ich ja nur ausgeholfen und erst später den Sprung gewagt", berichtet sie und gesteht, "es war doch ein ziemlich großer Schritt aus der Bezirksliga dorthin. Sehr geholfen hat mir damals der mannschaftliche Zusammenhalt. Alle anderen haben mir als Jüngste auf dem Spielfeld recht viel erlaubt." Die letzten zwei Jahre waren schwieriger, auch in der Harmonie. "Leider sind wir aus den Krisen, die wir hatten, nie gestärkt hervor gegangen." Zur sportlichen Seite sagt sie: "Es hat mir auf jeden Fall etwas gebracht, ich musste und wollte mich immer wieder neu beweisen. So haben auch die Trainerwechsel immer den Ehrgeiz gestiftet, mein Leistungsoptimum zu erreichen, auch wenn das aus gesundheitlichen Gründen leider nie ganz so hingehauen hat." Über die vergangenen vier Jahre resümiert sie: "Für mich war es eine Zeit des Hereinwachsens."