Ohne seine Fans wäre der Schönebecker SV wohl nur halb so unterhaltsam und erfolgreich wie derzeit in der Fußball-Landesliga. Ein gutes Beispiel für die Symbiose war der 4:2 (0:1)-Erfolg am Sonnabend über den TuS Bismark.

Schönebeck l Auch die Fans wollten wohl erst einmal abwarten, wie sich ihre Mannschaft nach der blamablen 1:7-Klatsche beim Burger BC vor einer Woche präsentierte, sie waren in der ersten Halbzeit komplett leise. Und wie seine Zuschauer begann auch der SSV ziemlich verhalten. Er verzeichnete zwar durch einen Sprint von Enrico Palm auf der linken Außenbahn, der mit einer Flanke Denis Neumann in Szene setzte, der aber knapp verpasste, eine gute Chance (4.), im Anschluss aber blieben die "Roten" vieles schuldig.

Thomas Hellige winkte frustiert ab, Rolf Schulze blieb nach einem Ballverlust genervt stehen und Christian Wagner drohte nach 15 Minuten die Auswechslung. "Bei einigen Spielern war die Laufbereitschaft nicht da. Zudem haben wir die Zweikämpfe überhaupt nicht angenommen", haderte Trainer Marko Fiedler. Obwohl er in der Aufstellung rotierte und "wir uns viel vorgenommen hatten", brachten seine Schützlinge die Vorgaben nicht auf den Platz. "Es war mir unbegreiflich, wie man nach diesen zwei herben Niederlagen gegen Fortuna Magdeburg und Burg so auftreten kann. Man hätte mehr Willen zeigen müssen." Bismarks Coach Dirk Grempler hingegen war mit dem Auftritt in Hälfte eins zufrieden: "Die Einstellung der Mannschaft war entschieden besser als zuletzt. Einen Punkt hätten wir sicherlich verdient gehabt."

Und so deutete sich mehrere Minuten lang an, was in der 34. Minute geschah: Bismarks Philipp Grempler startete in Höhe des eigenen Strafraums zu einem Konter, wurde nicht angegriffen, bekam nur Begleitschutz und verwandelte am Ende seines Solos zur Führung der Gäste.

Dementsprechend laut ging es in der Kabine der "Roten" zu. "Ich war wütend hoch zehn", sagte Fiedler. "Zum Saisonausklang, in dem ich eigentlich nichts mehr zu verlieren habe, darf ich mich nicht so zeigen. Es war eine laute Ansprache."

Und seine klaren Worte zeigten Wirkung. Nach dem Wiederanpfiff, als sofort auch die Fans mit ihren Gesängen präsent waren und das Team unterstützten - allen voran durch Steven Henschke -, gab Innenverteidiger Robert Kellermann, "der ingesamt ein gutes Spiel gezeigt hat", die Richtung vor. Zunächst verpasste er nach Einwurf und Diagonalpass von Christian Wagner noch. Wenig später setzte er nach einer Ecke entscheidend nach, hielt den Ball im Strafraum, sodass Rolf Schulze per Seitfallzieher die 2:1-Führung markierte. Zehn Minuten vor dem Ende belohnte sich Kellermann mit einem Kopfballtreffer zur wichtigen 3:2-Führung nach einer Ecke von Palm.

Sinnbildlich für die zweite Hälfte, in der sich der SSV mehr als Einheit präsentierte, war der Treffer zum 4:2-Endstand. Nach einem langen Diagonalpass täuschte Palm eine Direktabnahme an, er legte aber auf Neumann ab, der den Ball allerdings nicht richtig traf. Doch der Stürmer blieb dran, setzte nach und legte für Schulze auf, der keine Mühe hatte, den Ball über die Linie zu bringen. Und so durften auch die SSV-Fans singen: "Gegen Motor, kann man mal verlieren..."

Zur Belohnung für die Steigerung in Hälfte zwei verteidigte der SSV den fünften Tabellenplatz, "den wir auch bis zum Saisonende halten wollen", betonte Fiedler. Dabei zählt er mit Sicherheit auch auf die Unterstützung der Fans. Vor allem im letzten Saisonspiel gegen den SV Irxleben wird es wohl nur zusammen mit Steven Henschke eine Erfolgsgeschichte geben.

Schönebeck: Willner - R. Schulze, Neumann, Hellige (67. Pülicher), Gondeck, Döring (60. Ebeling), Sommer (86. Kühn), Schuller, Palm, Wagner, Kellermann

Tore: 0:1 Philipp Grempler (34.), 1:1 Enrico Palm (50.), 2:1 Rolf Schulze (66.), 2:2 Carlo Rämke (70.), 3:2 Robert Kellermann (81.), 4:2 Rolf Schulze (90.); SR: Sebastian Goermer (Dessau), ZS: 49