Gnadau (fna) l Vielleicht waren sich Andreas Kirchhoff und Kevin Junge gar nicht bewusst, welche Tragweite ihre Aktion kurz vor der Pause hatten. Im Derby der Fußball-Landesliga setzte der quirlige Neuzugang von Viktoria Großmühlingen nämlich sehr gut nach, irritierte Gnadaus Keeper Ronny Merker, sodass dieser den Ball nicht festhielt. Kirchhoff schaltete am schnellsten und erzielte mit einem gefühlvollen Heber die 3:2-Führung für den TSV Kleinmühlingen/Zens. "Das war der Knackpunkt, dass wir die Partie für uns entscheiden konnten", resümierte auch Trainer Mario Katte.

Die ersten 45 Minuten waren nun auf beiden Seiten von Abwehrfehlern geprägt. "Der Start passte zu unserer momentanen Situation", sagte Katte, dessen Schützlinge überhaupt nicht ins Geschehen gefunden hatten und auch die nötige Laufbereitschaft vermissen ließen. "Wir waren zu aufgeregt, haben die Aktionen viel zu schnell abgeschlossen. Vielleicht hatten wir uns zu viel vorgenommen."

Die Gastgeber hingegen sorgten in der ersten Viertelstunde für jede Menge Druck. "Wir haben die ersten Minuten dominiert", lobte Trainer Sebastian Pape. Nico Steigleder belohnte sie nach einem Einwurf und Vorarbeit von Steven Hoffmann mit dem Treffer zur 1:0-Führung. "Leider haben wir diese Leistung nicht über 90 Minuten aufrecht halten können."

Vielmehr war dieser Gegentreffer das Wecksignal für die Gäste, die nun vor allem im Mittelfeld Vorteile hatten, weil Gnadau sich immer mehr zurückzog und mit zu vielen langen Bällen operierte. "Wir haben uns nicht so zerrissen, wie ich es mir gewünscht habe. Kleinmühlingen war in diesem Bereich besser", gestand Pape ein. Diese Vorteile nutzte Kevin Junge zweimal zur 2:1-Führung. Erst wurde er von Chris Katte geschickt, dann durfte Norman Möbes unbedrängt flanken, Junge köpfte ebenso unbedrängt ein. Zwar glich Martin Kühne noch einmal zum 2:2 aus, weil Kleinmühlingen viel zu lange zögerte, den Ball zu klären, doch mit dem K.o.-Schlag von Kirchhoff kurz vor der Pause wurden die Weichen auf Sieg gestellt.

Gnadau kehrte noch immer sichtlich zurückgeworfen aus der Kabine zurück, mühte sich zwar in den Zweikämpfen, erarbeitete sich aber keine zwingenden Möglichkeiten. Vielmehr hätten Kirchhoff und Max Jäger bei einer Doppelchance sogleich für klare Verhältnisse sorgen können (57.), doch erst als bei den Gastgebern die Kräfte nachließen, gelang den Bördeländern der klare Erfolg.

Da gleichzeitig Roter Stern Sudenburg in Nedlitz nur einen Punkt holte, dürfte der Klassenerhalt für die SG Gnadau bei sechs Zählern und 20 Toren Vorsprung auf Kali Wolmirstedt sicher sein. "Es gibt noch eine theoretische Chance", betont Pape, der erst feiern möchte, wenn auch rechnerisch nichts mehr anbrennen kann. Es gilt also in Zerbst noch einmal, alles zu geben, um den entscheidenden Schritt zu gehen. "Zerbst steht mit dem Rücken zur Wand, benötigt dringend einen Sieg, um noch Erster werden zu können"; weiß Pape. "Vielleicht gelingt uns wie im Hinspiel eine Überraschung."

Kleinmühlingen hingegen erhofft sich vom Derbysieg eine kleine Initialzündung. "Vielleicht können wir den Schwung mitnehmen", hofft Katte angesichts der schweren Aufgabe gegen Tabellenführer Heyrothsberge. "Union kann bei uns mit einem Sieg den Aufstieg klarmachen. Wir wollen voll dagegenhalten."