Heute wird es historisch im Stadion an der Magdeburger Straße. Ab 11 Uhr stehen sich die ehemalige "BSG Chemie Schönebeck" und eine Prominenten-Auswahl der Stadt gegenüber. Für die erfolgreichen Fußballer der 1970er und 80er Jahre (unter anderem DDR-Liga), die in den vergangenen Jahren viele Freundschaftsspiele bestritten hat, wird es der letzte Auftritt sein. Sportredakteur Frank Nahrstedt sprach mit Bodo Thiele, dem Außenverteidiger der Traditionself und Chef-Organisator, über die vergangenen Jahrzehnte und Erinnerungen.

Herr Thiele, warum laufen Sie mit der Traditionself heute das letzte Mal auf?

Bodo Thiele: Das hat vor allem Altersgründe. Wir haben aber auch einige verletzte und angeschlagene Spieler. An dieser Stelle besondere Grüße und Genesungswünsche an Frank Seydlitz und Klaus Jermann.

Welche namhaften Fußballer haben Sie kennengelernt?

Ich habe Persönlichkeiten aus vielen Bereichen kennengelernt, darunter Weltmeister, Europameister und so weiter. Das hat mir in meiner gesamten Entwicklung sehr viel gegeben. Der Sport hat mir viele Türen geöffnet, wovon wir als Traditionsmannschaft auch heute noch profitieren. Das war eine schöne und unvergessliche Zeit, die nun zuende geht.

Wie hat sich aus der damaligen Mannschaft die Traditionself entwickelt?

Wir sind gemeinsam von der Bezirksklasse über die -liga in die DDR-Liga aufgestiegen. Mit etwas Abstand muss ich feststellen, dass es für die zweithöchste Liga der DDR spielerisch nicht gereicht hat, um den Klassenerhalt zu realisieren, auch wenn wir zweimal aufgestiegen waren. Aber wir sind immer als Team aufgetreten, haben immer den Zusammenhalt gesucht. Wir haben einen Zusammenhalt, der großartig war und heute noch ist. Dies wurde vier Jahre nach der Wende insbesondere gestärkt. Damals habe ich die Jungs erneut zusammengeholt und Spiele organisiert. Daraufhin haben wir mindestens einmal im Jahr ein Spiel ausgetragen. Das hat bis heute Bestand.

"Die Wertschätzung unserer Mannschaft ist großartig."

Welches waren die Höhepunkte, die Sie erlebt haben?

Vor elf Jahren gab es wohl die Krönung, als wir gegen die Mannschaft des 1. FC Magdeburg antreten durften, die 1974 den Europapokal gewonnen hat. Damals waren 1100 Zuschauer anwesend. Anschließend gab es ein großes Fest im Stadtpark, bei dem auch der FCM-Trainer Heinz Krügel anwesend war, bei dem Bücher signiert wurden, bei dem es eine Kapelle und Disco gab. Wer vor Ort war, schwärmt heute noch.

Gab es ein besonders Spiel, an das sie sich erinnern können?

Das besondere Spiel für mich gab es im Frühjahr 1975. Der 1. FCM stand uns als amtierender Europapokalsieger im Hermann-Matern-Stadion an der Magdeburger Straße gegenüber. Das war richtig hochkarätig. Wir haben uns auch richtig gut verkauft. Der Kontakt, der damals begonnen hatte, hat auch heute noch Bestand. Das ist ähnlich unkompliziert wie mit Schiedsrichter Bernd Heynemann, der die Partie heute leitet. Das Verhältnis ist gewachsen.

Dürfen wir uns heute auf etwas Ähnliches freuen?

Wir möchten das Kapitel Traditionself in etwas kleinerem Rahmen als damals abschließen. Wir werden in dieser Form nicht mehr auflaufen. Die Wertschätzung unserer Mannschaft ist großartig, was man anhand der Gäste sieht, die ihr Kommen zugesichert haben. Man sieht es auch an der Promi-Elf, die sich uneigennützig bereiterklärt hat, gegen uns anzutreten. Man sieht es auch an den Sponsoren, die das Event unterstützen. Wir wollen in diesem Zusammenhang nicht vergessen, an die Sportkameraden zu denken, die inzwischen nicht mehr bei uns sein können. Ihnen werden wir eine Gedenkminute widmen.

Was wünschen Sie sich für das Abschlussspiel?

Ich wünsche mir, dass wir alle gesund vom Platz gehen, dass wir viele Zuschauer haben, die nochmal die Wertschätzung ihrerseits zeigen. Wir möchten Danke sagen für die vielen Jahre, die sie zu uns gehalten haben, als Sponsoren und Fans, und mit denen wir über die alten Zeiten schwärmen können. Nochmals, auch im Namen meiner Sportfreunde der Traditionsmannschaft, danke ich allen Helfern für die Unterstützung und Hilfe bei der heutigen Abschlussveranstaltung. Das Ergebnis ist mir egal. Aber die Erinnerung an das Spiel möchte ich behalten.

Wird nach dem heutigen Spiel alles vorbei sein?

Nein. Wir wollen uns weiterhin alle zwölf bis 24 Monate treffen, aber Spiele wird es nicht mehr geben.

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