Schönebeck (chj) l Den Fans, Trainern und der Mannschaft des Schönebecker SC war klar, dass mit dem BSV Halle-Ammendorf ein dicker Brocken anreiste. Die neun Gegentore führten keinen Weltuntergang herbei, zu groß waren die Differenzen in den fußballerischen Qualitäten der Verbandsliga-Partie. Der Landesmeister kam zudem mit einer Auftaktniederlage angereist und wollte diese sichtbar wiedergutmachen.

Trainer Christian Kehr erkannte zahlreiche Baustellen, an denen nun gezielt gearbeitet werden soll. "Uns fehlte sowohl das Tempo als auch die Bewegung mit oder ohne Ballbesitz." Insbesondere im zweiten Durchgang wurde dies offenbart. Der SSC ließ sich in die Enge treiben, wirkte statisch und statt Kurzpässen gab es nur befreiende lange Bälle. Dennoch sprach Kehr seiner Elf ein Lob aus. "Auch wenn uns das geschlossene Verteidigen noch nicht so gut gelang und wir hoch zurücklagen - es stand eine Mannschaft auf dem Platz und jeder stand für den anderen ein. Niemand gab sich auf. Aufgeben ist keine Option."

Vorwürfe richtete der Coach an seine Spieler keine, vor allem nicht an Schlussmann Steffen Zöge. "Er weiß selbst, dass ihm die Routine noch fehlt. Aber er ist sehr trainingsfleißig und voll bei der Sache. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben", lobte der Coach. Dass Potenzial in Zöge schlummert, bewies er in einigen Paraden und guten Reflexen. Dass diese noch herausgekitzelt werden müssen, zeigte er beim 0:4, als er den Schuss von Halles David Sieber unterschätzte, der schließlich vom Pfosten über die Linie kullerte.

Zöge wurde aber auch häufig von der Abwehr im Stich gelassen. Die meisten Treffer fielen aus kurzer Distanz. Doch den Verteidigern konnte man genauso wenig einen Vorwurf machen wie dem Torhüter. Die Hallenser spielten ihre technischen, läuferischen und taktischen Vorteile gnadenlos aus. Die Qualität war eine ganz andere. So verfügte der BSV nicht nur über oberliga-erfahrene Akteure, es standen auch drei Europameister von 2011 auf dem Rasen. Jannick Hempowicz, Chris Klarner und Christoph Zorn holten den Titel mit der Hallenser Martin-Luther-Universität.

Dass auch den Fans die qualitativen Unterschiede nicht fremd waren, zeigte sich an ihrem fairen Verhalten. Gute Aktionen wurden lautstark belohnt. "Die Fans haben gesehen, dass sich zwei Teams gegenüberstanden, die nicht auf Augenhöhe agierten und haben das Gelungene honoriert", sagte Kehr. Der Schritt zum Galgenhumor war allerdings auch kein großer mehr.

Der Schönebecker Trainer ist nun vor allem darum bemüht, das Positive aus der Partie zu ziehen und die nächsten kleinen Ziele zu stecken. Eins davon wäre sicherlich der erste Saison-treffer. Was aber auf jeden Fall schon stimmte, war der Teamgeist. "Von der Emotionalität sind wir definitiv in der Verbandsliga angekommen", lobte Kehr. "Egal wie die Ergebnisse ausfallen, wir stehen als Mannschaft zusammen." Kehr garantiert, dass künftig Entwicklungen erkennbar werden.