Stellen Sie sich vor, Ihr Kind kommt vom Training nach Hause und Sie können ihm sagen: "Du wurdest zu einem der besten Nachwuchsspieler Sachsen-Anhalts gekürt." Stellen Sie sich das Strahlen in den Augen Ihres Sprößlings vor. Die Eltern des 14-jährigen Sandro Zähle müssen sich das nicht vorstellen. Der Nachwuchs-Handballer wurde als einer der besten Torhüter des Landes ausgezeichnet.

Barby l "Ich hätte Luftsprünge machen können", erinnerte sich Sandro. Als der Brief mit der Auszeichnung in seine Wohnung in Barby eintraf, war der Schüler gerade bei seinem alten Verein in Glinde.

Dort hat er auch das Handball-Handwerk erlernt. "Eigentlich habe ich mal mit Taekwondo angefangen", so Sandro. "Aber das war nicht meins. Meine Mutter kannte den Handballtrainer in Glinde und hat mich einfach mal zu einem Probetraining geschickt." Und schon von der ersten Einheit an wusste der Schüler, dass er mit dem Handball seinen Sport gefunden hatte. "Im Tor stand ich aber noch nicht." Sandro begann so, wie die meisten Spieler: auf dem Feld. Damals war er sieben Jahre alt.

Bis zu seinem ersten D-Jugend-Jahr spielte Sandro für die SG Eintracht Glinde. Dann wechselte er zur TSG Calbe. "Das hatte vor allem mit der Schule zu tun. Der Weg zum Training war einfach kürzer." In Calbe machte Sandro auch seine ersten Erfahrungen im Tor. "Wir hatten zwei Keeper. Einer hat dann aufgehört und ich bin quasi nachgerückt."

Dass es eine enorme Umstellung war, bekam Sandro auch gleich zu spüren. "Es ist schon etwas anders, wenn der Ball plötzlich auf einen zugeflogen kommt. Da hat man schon Respekt." Und es blieb auch nicht aus, dass der ein oder andere Ball auch frontal im Gesicht einschlägt. "Das tut natürlich erst einmal weh, aber da muss man durch. So ist Sport nun mal." Sandro gehört nicht zu den Keepern, "die den Kopf wegziehen."

Inzwischen hat der Schüler keine Angst mehr vor den scharfen Geschossen, die Spiel für Spiel auf seinen Kasten zufliegen. Mit der TSG Calbe wurde er in der Saison 2011/12 Bezirksmeister. Solche Leistungen blieben nicht lange unerkannt. Um das Talent weiter zu fördern und zu entwickeln, nahm Sandro die Chance wahr und wechselte zur Saison 2013/14 in die C-Jugend des SC Magdeburg. Gleichzeitig trat er den Weg vom Gymnasium auf die Sport-Sekundarschule Hans Schellheimer an. "Das Gymnasium war am Ende doch nicht das Richtige für mich", gab der Schüler zu. Der SCM war es dagegen. "Ich war von Anfang an Stammspieler. In Calbe habe ich zwar auch gespielt, war aber die Nummer zwei im Tor."

Sandro sieht seinen neuen Verein auch als Möglichkeit, seinen großen Traum, eine Profi-Karriere umzusetzen. Der Schüler hat ein klares Ziel vor Augen. "Ich will mal so erfolgreich werden wie Thierry Omeyer." Der Keeper vom französischen Verein Montpellier Agglomération Handball ist sein großes Vorbild. "Ich habe ihn sogar schon persönlich getroffen", berichtete Sandro stolz. Diese Erinnerung hat er mit einem Foto und Autogramm verewigt und es in ein Buch geklebt. In diesem sammelt er alle Treffen mit Handballgrößen. Einer fehlt ihm allerdings noch in seiner Sammlung; sein zweites Vorbild: der Däne Niklas Landin, derzeit bei den Rhein-Neckar Löwen unter Vertrag.

Der Handball bestimmt Sandros Leben, er verdankt ihm viel. "Durch den Sport habe ich Selbstvertrauen und Ehrgeiz bekommen. Beides braucht man im Handball unbedingt, wenn man erfolgreich spielen will." Diesen hat der Schüler im Sport, jetzt muss nur noch die Schule nachziehen. Der Ehrgeiz macht sich aber schon bemerkbar. Der 14-Jährige ist besonders gut im fach Französisch und hat sich von einer Vier auf eine Zwei verbessert. "Ich stand sogar 1,6 und hätte eine Eins erreichen können. Leider habe ich im letzten Test mit nur einem Punkt die bessere Note verfehlt und deshalb eine Zwei bekommen." So etwas ärgert ihn. "Wenn ich Fehler mache, dann denke ich intensiv darüber nach und arbeite an ihnen."

Sollte es im Übrigen nicht mit der Profi-Karriere klappen, hat Sandro schon einen Plan B. "Ich möchte Physiotherapeut werden, denn ich arbeite gern mit Menschen zusammen und kümmere mich um sie." Dass er sich auch dann in den Dienst des Sports stellt, versteht sich von selbst.